„Politische Schönheit“ gegen europäischen Zynismus

IMG_3424Grenzerfahrungen im „freien“ Europa. Vom Versuch des „Ersten europäischen Mauerfalls“.

Vor zwei Wochen, am Sonntag den 2.11.2014 entfernten KunstaktivistInnen des „Zentrum für Politische Schönheit“ vierzehn der sogenannten „Mauerkreuze“. Nach Aussage der KünstlerInnen sind die Kreuze an jenem Tag „geflohen“, vor den Feierlichkeiten um den 25. Jahrestages des Mauerfalls und der ihnen inhärenten Doppelmoral. Gedacht wird der 138 Menschen, welche in den 28 Jahren der Mauer an der deutsch-deutschen Grenze ums Leben kamen. Keine Erwähnung fanden beim offiziellen Gedenken hingegen die zehntausenden Flüchtlinge, die an der europäischen Außengrenze in den letzten zehn Jahren den Tod fanden, verdurstet in der Wüste, ertrunken im Mittelmeer, erschlagen von Grenzern, verblutet im Nato-Draht. „Politische Schönheit“ gegen europäischen Zynismus weiterlesen

[Istanbul Diaries X] Leben ohne Stacheldraht

Ein kleiner Spaziergang durch das Istanbuler Viertel Gülsuyu

Gülsuyu/Gülensu in den frühen Abendstunden
Gülsuyu/Gülensu in den frühen Abendstunden

Es ist eine generelle Regel, die mein Freund Mehmet Onur entdeckt hat: Nahe eines Cemevi, eines alevitischen Gotteshauses, gibt es zumeist Orte, die es wert sind, besucht zu werden. In Okmeydani, einem revolutionären Viertel im westlichen Teil Istanbuls, ist es Sivas Pideci, jener Ort, an dem die günstigste und schmackhafteste Pide überhaupt serviert wird, und natürlich der nach einer Revolutionärin benannte Sibel Yalcin Park, in dessen Teehaus man den besten Cay der Gegend vom korrektesten Cayci Istanbuls bekommt. In Gülsüyü, dem Viertel, von dem unsere kleine Geschichte handelt, ist es nicht anders.

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Wie ich aufgehört habe mich über „catcalling“ zu ärgern…

…und gelernt habe Leute zu schlagen.

fotoDas „catcalling“-Video aus der letzten Woche ist viral gegangen und es finden sich bereits viele Diskussionen darüber im Internet. Es sieht so aus, dass einige beleidigt waren, als sie gelernt haben, dass das, was sie tun „Belästigung“ genannt wird.
Der Gedanke über „catcalling“ zu schreiben (ehrlich gesagt kannte ich den Begriff gar nicht, bevor ich das Video gesehen habe und finde auch den Namen selbst extrem nervig) kam mir, nachdem ich einem Typen in der U-Bahn Station eine reingehauen hab.
Ihr wisst schon (zumindest die Frauen unter euch werden es wohl nur zu gut kennen), es war das Übliche. Er hat mich angemacht, ich hab ihm den Mittelfinger gezeigt, dann schrie er mir „Fotze“ hinterher, als ich gerade weg ging. Dann bin ich auf ihn zu gerannt und hab vor den Augen diverser „Zuschauer“ angefangen ihn zu schlagen. Ich hatte niemanden um Hilfe gebeten.
Danach, als ob es eine Art Geheimabsprache unter den Männern nach dem Viral-Video gab, wurde ich häufiger gegrüßt und viele fragten mich die dämlichsten Fragen, um ins Gespräch zu kommen. Das machte mich rasend. Wie ich aufgehört habe mich über „catcalling“ zu ärgern… weiterlesen

How I stopped worrying about catcalling …

foto… and learned to punch people

The catcalling video from last week went viral, and you can already find too many discussions about it on the internet. Seems like some got offended to learn what they do is called “harassment”. But the idea of writing about the “catcalling” (to be honest, I only got to learn about this word through this viral video, even the name is utterly annoying) issue got to me after I punched this guy at the S-bahn station the other day. Well, you know (at least, I am sure women would know), the usual stuff, he cat called me, I gave him the middle finger, then he yelled at me “fotze” while walking away, and then I ran to him and started punching him, with bystanders around watching us, but I had not asked for any help anyways. How I stopped worrying about catcalling … weiterlesen

Kunstaktivismus gegen Stacheldraht

bulgarien2In Kürze ist es soweit. Deutschland feiert den 25. Jahrestag des Mauerfalls und der „wiedergewonnenen Freiheit“. Wir werden hohe Politiker hören, die ihr Glück darüber zum Ausdruck bringen und die Mauer, welche einst die DDR von der BRD trennte verurteilen.Das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ nahm sich dieses Jubiläum zum Anlass, um mit einer spektakulären Aktion auf eine ganz andere Mauer aufmerksam zu machen.
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„In der Türkei gibt es keine freien Medien“ – Ein Gespräch mit dem Fotografen Sinan Targay

317701_10150425772859049_1247615627_nSinan Targay ist Fotograf. Er lebt in Gazi, einem revolutionären Stadtteil Istanbuls, den seine Bewohner auch „Texas“ nennen. Nicht ohne dabei einen gewissen Stolz zu verspüren. An diesem Ort ist er aufgewachsen und dort findet er einen Großteil seiner Motive. Am 12. September stürmt eine Antiterroreinheit 150 Wohnungen in Sinans Viertel. Gazi reagiert auf diesen Eingriff in das Leben des Viertels, den ganzen Tag über kommt es zu heftigen Kämpfen mit der Polizei. Mittendrin: Sinan Targay. „Ich will den Protesten, den Revolutionären ein Gesicht geben. Die Menschen sollen sehen was hier passiert“. Dies ist die Motivation die hinter Sinans Arbeit steckt. Grund genug für uns ihm Gehör zu verschaffen und mehr über ihn, seine Arbeit und sein Viertel zu erfahren.
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„Dämlich sind die, die Dämliches tun“

Du musst als Hool nicht blöde und desinteressiert sein - Hooligans gegen Dummheit (HoGeDu) bei ihrem allwöchentlichen Lesekreis (Archivbild)
Du musst als Hool nicht blöde und desinteressiert sein – Hooligans gegen Dummheit (HoGeDu) bei ihrem allwöchentlichen Lesekreis (Archivbild)

 Interview mit Eric von „Hooligans gegen Dummheit“ (HoGeDu)

Nach der Demonstration einer Initiative namens „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), die zu einem der größten rechten Aufmärsche der vergangenen Jahre wurde, hat uns eine Gruppe names „Hooligans gegen Dummheit“ (HoGeDu) einen „offenen Brief“ zugesandt, der das Projekt HoGeSa scharf kritisierte. Wir dachten zuerst: „Naja..“ Später dann dachten wir: „Oho.“ Mehrere Zehntausend Menschen haben den Text gelesen, mehrheitlich war diee Resonanz sehr positiv. Deshalb hat sich einer unserer Redakteure in eine Neuköllner Eckkneipe aufgemacht, um sich mit dem Sprecher der Gruppe, Eric, zu unterhalten.

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Hört auf, so verdammt dämlich zu sein

istanbulunitedNicht Pyros, Steine und ein umgefallener Bullenwagen sind das Problem. Dass ihr nicht im Stande seid, vernünftige Gedanken zu formulieren, macht euch so verdammt unsympathisch. Offener Brief an alle Hools, Ultras und anderen Teilnehmer der HoGeSa-Proteste

Wir haben nichts gegen Hools und Ultras. Im Gegenteil, wir gehen selber ins Stadion und irgendeinen Hippiefimmel für immerwährende Gewaltlosigkeit haben wir auch nicht. Wir sind auch nicht dagegen, dass Fußballfans Politik machen. Im Gegenteil, wir glauben, das ist eine wichtige Sache. Im vergangen Jahr waren in Istanbul vier Millionen Menschen auf der Straße, haben die Bullen vom zentralen Platz in der Stadt vertrieben und den Staat massiv herausgefordert.

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Köln: „Hier marschiert der nationale Widerstand“

Mut zur Hässlichkeit - Orks in Köln
Mut zur Hässlichkeit – Orks in Köln

Der rechts anpolitisierte Stammtischdeutsche braucht nicht viel, um zur Tat zu schreiten. Ein klares Feindbild, ein paar Dosen Bier und einige Kameraden mit ähnlicher Gesinnung, und schon kann´s losgehen. Als imaginierter Gegner durfte diesmal der „Salafist“ herhalten, den die „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) als den für die Unbill des deutschen Volkes verantwortlichen Schädling ausgemacht haben. Dass mit „Salafist“ einfach „Ausländer“ gemeint war, konnte man schon im Vorfeld in diversen Foren der Promillekreuzritter nachlesen. Also auf nach Köln.

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