Rome wasn’t burned in a day

Mit kleinen Schritten in die Zukunft der Klassenkämpfe

Einige Gedanken von TOP B3rlin zu den Arbeitskämpfen bei Amazon und der Beteiligung an der Kampagne Make Amazon Pay. Ein Diskussionsbeitrag.

Nicht nur die üblichen Verdächtigen, auch Zeit Online, Deutschlandradio, das Vice Magazin oder der Hessische Rundfunk rufen an. „Ihr habt ja gesehen was in Hamburg passiert ist“ warnt das Management Amazon Deutschland die Belegschaften des #teamamazon.(1)  Katja Kipping, Vorsitzende der Partei Die Linke, äußert sich in einem Post auf Facebook positiv, „denn die neuen Technologien können Menschen helfen, statt sie noch schärfer auszubeuten – wenn wir die politischen Verhältnisse ändern.“ Im Neuen Deutschland erhofft sich Christopher Wimmer eine Annäherung von radikaler Linke und Gewerkschaften, worin er einen nicht zu unterschätzenden Fortschritt sähe. Am frühen Morgen des 24.11. ist das Amazon-Verteilerzentrum am Kurfürstendamm von einem immensen Polizeiaufgebot belagert. Um das Kudamm-Karree herum reiht sich Mannschaftswagen an Mannschaftswagen, eine Zufahrt zum Innenhof ist mit einer massiven Platte abgedichtet, beide Einfahrten in die Uhlandstraße sind mit Hamburger Gittern abgesperrt. Rome wasn’t burned in a day weiterlesen

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Jenseits von Jebsen

Zur „Querfront“-Debatte, Folge 846.

Sie ist wieder da. Die „Querfront“-Debatte, ein periodisch wiederkehrendes Phänomen, in dem sich zumeist vor allem eines zeigt: Die permanente ideologische Krise weiter Teile der deutschen Linken.
Dieses Mal entzündete sie sich an dem Clickbait-Youtuber Ken Jebsen. Zu dessen Weltbild hat kürzlich die junge Welt alles Nennenswerte zusammengefasst, Recherchen zu seiner politischen Strategie, seinen Verbindungen in rechte Milieus, seiner Arbeitsweise existieren zuhauf. Man könnte also meinen, es sei alles gesagt.
Aber nein, eine kleine Provinzposse, die Verleihung eines unwichtigen Preises in einem Berliner Kino, reichte, um das Thema erneut viral zu machen. Dutzende Zeitungen, auflagenstarke wie klitzeklitzekleine, greifen das Ding auf. Es wird getan, als entschiede sich an der Frage „Wie stehst du denn zu Ken?“ die Zukunft der gesamten Linken. Jenseits von Jebsen weiterlesen

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Serhildan in Başur

Es war schon ein vielsagender Anblick. Auf außenpolitischer Rundreise in Europa standen sie Seite an Seite: Qubad Talabani und Nechirvan Barzani. Als wäre die KRG eine verkappte Monarchie teilen sich die Erben des Bruderkriegs das Sofa, das Pult oder das jeweilige Möbelstück an dem sie ihre Politsatire vorführen.

Es ist sinnbildlich für zwei vollkommen verlorene Parteien. Parteien, die so verstritten und dennoch so verbunden durch die gemeinsame Machtgeilheit sind, dass sie wie räudige Hunde zusammengehalten werden müssen, sodass der eine sich nicht vernachlässigt fühlt, wenn man sich auf dem internationalen Parkett präsentiert. Serhildan in Başur weiterlesen

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Für eine revolutionäre Kultur der Zukunft – Über linke Gedenkkultur

Im letzten Kommentar zur linken Gedenkkultur in Deutschland von Auguste Salomon wurde richtig bemerkt, dass es nicht nur an der Gedenk-, sondern auch an der Diskussionskultur hapert. Wenn der Aufbau einer revolutionären Bewegung in Deutschland Realität werden soll, braucht es die konstruktive Zusammenarbeit von revolutionären und fortschrittlichen Kräften. Dieser Beitrag soll in diesem Sinne die Debatte solidarisch-kritisch weiterführen. Danke erst mal an die Verfasser*innen der bisherigen Beiträge.

Ich möchte an die interessanten Beobachtung Salomons anknüpfen, dass die linke Erinnerungspolitik – aber auch darüber hinaus die linke Politik – im Deutschland der letzten Jahrzehnte allzu oft eine Opfer-Politik war. Gedacht wird wenn dann „unschuldigen Opfern“, die aufgrund keiner nennenswerten politischen Einmischung auch keine Fehler begangen haben und keiner Kritik unterzogen werden können. Gefallene Genoss*innen werden nicht respektvoll in ihrer Lebensgeschichte mit all ihren (persönlichen, historischen, geografischen …) Widersprüchen wie Leistungen anerkannt, sondern aus der Vermeidung des Umgangs mit Widerspruch und Kritik auf einen Schlag aus dem kollektiven Bewusstsein als Einfluss oder Referenzpunkt gebannt. Für eine revolutionäre Kultur der Zukunft – Über linke Gedenkkultur weiterlesen

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Wie Gedenken? – Über linke Gedenkkultur

Die Debatte um linke Erinnerungskultur im Lower Class Magazine hat, mit diesem, nun sogar schon drei Artikel. Dabei ist lustigerweise zu Beobachten wie Diskussionskultur innerhalb der Linken funktioniert, der erste Artikel kritisiert die aktuelle Gedenkpraxis, der Zweite beschreibt sie und erhebt sie zum non plus ultra, als ob der erste Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden wurde. Wie Gedenken? – Über linke Gedenkkultur weiterlesen

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„Antistaatliche Räume müssen ausgeweitet werden – überall“

Demo für Demo, Plakat für Plakat, Text für Text. Die Zusammenarbeit der deutschen radikalen Linken mit der kurdischen Freiheitsbewegung scheint manchmal unterentwickelt bis gar nicht existent. Vieles geschieht parallel, vieles wird gar nicht wahrgenommen. Die Bezugnahme auf die jeweiligen Kämpfe bleibt häufig aus, angebliche ideologische Differenzen behindern die Zusammenarbeit und das Entwickeln einer revolutionären Perspektive in der BRD. Aber so dynamisch wie die Revolution können auch Menschen sein. Hubert Maulhofer hat in Berlin ein Gespräch mit Freund*innen aus der deutschen und der kurdischen Linken geführt, um über Perspektiven und Probleme einer genossenschaftlichen Zusammenarbeit in der BRD zu diskutieren. „Antistaatliche Räume müssen ausgeweitet werden – überall“ weiterlesen

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Die Toten können sich nicht wehren – Über linke Gedenkkultur

Kürzlich haben die beiden Autoren Maulhofer und Oggenbach im Lower Class Magazine eine Debatte über linke Gedenkkultur angestoßen. Ausgehend vom Gedenken an den ermordeten Silvio Meier treffen sie einige wunde Punkte linker Erinnerungs- und Gedenkkultur. Sie stellen fest, dass die jährlichen Gedenkdemonstration zu einer abstrahierten und ritualisierten Folklore geworden sind – ein Trend der linken Szene, Erinnerung und Gedenken zu entfremden und zu instrumentalisieren. Sei es, weil die Taten schon einige Jahre her sind, sei es, weil keine Auseinandersetzung mit den Angehörigen, Freunden und Freundinnen stattgefunden hat. Das gilt nicht (nur) für die Erinnerungskultur an Silvio Meier, sondern lässt sich auch an anderen Orten feststellen. Der Fokus auf die Tat und die Täter, lässt die Ermordeten, ihr Leben, aber auch den Schmerz der Angehörigen in den Hintergrund rücken. Die Toten können sich nicht wehren – Über linke Gedenkkultur weiterlesen

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Die Gefallenen sind unsterblich – über linke Gedenkkultur

Die Diskussionen innerhalb der radikalen Linken über Gedenkkultur, Eventpolitik und Instrumentalisierung flammen regelmäßig auf, wenn es darum geht gefallene Genoss*innen in die eigenen Kämpfe mit einzubeziehen. Solch ein Event oder zumindest wiederkehrender Termin ist die seit über 25 Jahren stattfindende Silvio-Meier-Demo, welche meist im Berliner Szenekiez Friedrichshain stattfand.
Wir benutzen im Folgenden bewusst den Begriff „Gefallene*r“. Wir glauben, dass dieser Begriff eine Möglichkeit ist, sich von eher passiven Begriffen und ihren Konsequenzen in der Praxis wie „Ermordete*r“ oder „Opfer“ abzuwenden. Unsere Genoss*innen sind gefallen. Gefallen in einem Kampf, der sich immer an ihre Haltung rückkoppelte und diese gilt es in den Vordergrund zu setzen. Die Gefallenen sind unsterblich – über linke Gedenkkultur weiterlesen

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Make Amazon Pay!

Am 21. November startete die Aktionswoche rund um den Black Friday im Rahmen der „Make Amazon Pay!“-Kampagne. Erstmals greifen in Deutschland autonome Gruppen den Arbeitskampf bei Amazon auf und solidarisieren sich durch Aktionen in Berlin und Leipzig sowie eigene Öffentlichkeitsarbeit. Die Gewerkschaft ver.di kündigt schon jetzt Streiks für das Vorweihnachtsgeschäft an. Grund genug, sich den Black Friday, Amazon und die Arbeitskämpfe dort genauer anzusehen.

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Publikumsschlager Militanz

Das kürzlich bei Bastei Lübbe erschienene Buch „Mit aller Härte. Wie Polizei und Staatsschutz Linksradikale jagen“ sorgt für Aufregung. Der Autor Frank Brunner rekonstruiert darin die behördliche „Jagd“ auf die „militante gruppe“ (mg) als „True-crime“-Story. Kaum war das Buch veröffentlicht, gab es schon erste Kritik insbesondere gegenüber dem im „mg“-Verfahren zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilten Oliver Rast, der mit dem Journalisten Brunner eng zusammengearbeitet hat. „Was sich Autor Frank Brunner und der Linksradikale Oliver Rast dabei gedacht haben, bleibt wohl auf ewig deren Geheimnis“, schrieb der anonyme Erst-Rezensent auf Indymedia über die Wahl des „Arzt-Roman-Verlags Bastei Lübbe“. Nun, nichts ist für die Ewigkeit – wir haben uns ganz einfach mit den beiden getroffen und nachgefragt.

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