„Brot, Arbeit, Freiheit, Räte!“

Für die iranische Arbeiter*innenbewegung war das Jahr 2018 eines der kämpferischen Offensive. Darauf reagiert der Staat nun mit Repression: Die Gewerkschaftsaktivist*innen der Rohrzuckerfabrik Haft-Tapeh wurden festgenommen.

Ismael Bakshi, eine der zentralen Personen der Arbeiter*innenbewegung im Iran und Delegierter der iranischen Arbeiter*innenräte wurde am gestrigen Sonntag zusammen mit 15 anderen Arbeiter*innen und einer Journalistin in der südiranischen Stadt Schoosch verhaftet.

Wer sich mit der Arbeiter*innenbewegung im Iran beschäftigt, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Haft Tapeh, die größte Rohrzuckerfabrik des Landes mit mehr als 10.000 Arbeiter*innen, und Ismael Bakshi, Arbeiter und Delegierter der unabhängigen Arbeiter*innengewerkschaft von Haft-Tapeh. „Brot, Arbeit, Freiheit, Räte!“ weiterlesen

„So schreiben, dass die normalen Frauen euch verstehen“

Unsere Autorinnen verbrachten fünf Tage mit der US-amerikanischen Feministin Selma James in Berlin und Göttingen. Im Rahmen des Internationalen Frauen*streiks war James nach Deutschland eingeladen worden. Eine Reportage über ihre Erlebnisse, Eindrücke und Überlegungen mit einer legendären antirassistischen, antiimperialstischen und feministischen Aktivistin der Basis.

„Ist das ein Streik der Karrierefeministinnen oder ist es ein Streik der Frauen der Arbeiterklasse?“ fragt James bei ihrer Ankunft in Berlin eine von uns. „Wisst ihr, die Karrierefeministinnen machen immer alles kaputt. Deswegen muss man sich an die Basis halten.“ In wenigen Worten fasst James so schon auf dem Weg vom Flughafen Schönefeld zu ihrer Unterkunft in Berlin-Friedrichshain ihre Politik zusammen. „Wenn ihr schreibt, dann müsst ihr so schreiben, dass die normalen Frauen euch verstehen“, mahnt sie, „sonst sprecht ihr nur wie die Parteifrauen und die Gewerkschaftsbürokratinnen.“ „So schreiben, dass die normalen Frauen euch verstehen“ weiterlesen

From Kreuzberg with Love

Warum die Absage des Google Campus ein Erfolg ist

Seit Ende Oktober steht es fest: Der Milliardenkonzern Google kommt nicht nach Kreuzberg. In den letzten zwei Jahren haben mehrere nitiativen gemeinsam mit Anwohner*innen gegen die Pläne des Unternehmens gekämpft, mit seinem „Google Campus“ in das alte Umspannwerk am Kreuzberger Landwehrkanal einzuziehen – mit Erfolg.

Über ein Jahr lang wurden Demonstrationen und Kiezspaziergänge organisiert,es wurde diskutiert, gelärmt, besetzt und in Broschüren, auf Plakaten und Flyern zum Ausdruck gebracht, dass Google nicht der gute Nachbar gewesen wäre, als der sich das Unternehmen mit seinem Motto „Do the right thing“ gern selbst inszeniert.

Stattdessen haben Aufklärungsarbeit, Protest und ziviler Ungehorsam sichtbar gemacht, dass Google ein Akteur der Verdrängung ist, der mit seinen Campus-Projekten alles Mögliche, aber sicher keinen „Mehrwert für den Kiez“ schafft, wie Pressesprecher Ralf Bremer uns gern Glauben gemacht hätte. From Kreuzberg with Love weiterlesen

„Die Revolution in Rojava hat eine globale Bedeutung“

Als italienischer Autonomer in der Revolution in Kurdistan. Gespräch mit Heval Xwinsor

Heval Xwinsor ist in der italienischen Gruppe Autonomia Contropotere organisiert. Auf seiner Reise durch Rojava traf LCM-Reporter Bernd Machielski ihn in Til Temer.

Lieber Genosse, stell Dich unseren Leser*innen doch bitte etwas vor. Woher kommst Du, was machst Du so?

Mein Name ist Xwinsor. Ich komme aus Italien, und bin organisiert in einer Gruppe namens „Autonomia Contropotere“, das bedeutet soviel wie „autonome Gegenmacht“. Autonomia Contropotere ist eine Organisation, die in ganz Italien in lokalen Gruppen organisiert ist. Die Organisation ist ein Ergebnis der Kämpfe in den 1980er Jahren.

Wir haben auch einen Internetblog namens „Infoaut“, der vor mehren Jahren gegründet wurde. Dort werden Analysen der politischen Situation Italiens, aber auch Reportagen über verschiedene politische Kämpfe auf der ganzen Welt veröffentlicht. „Die Revolution in Rojava hat eine globale Bedeutung“ weiterlesen

Novemberrevolution und Sozialdemokratie

Vor 100 Jahren meuterten Kieler Matrosen, begann die Novemberrevolution und mit ihr der Verrat der Sozialdemokratie.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Sozialdemokratie gerade in diesem Moment ihr ganzes Elend und ihre Bedeutungslosigkeit beweist, in aktuellen Umfragen auf Werte um die 15 Prozent absinkt – bundesweit! Das nämlich genau 100 Jahre, nachdem sie die Revolution der Matrosen und Arbeiter verraten hat. Am 5. November 1918 wehte über dem Kieler Rathaus die rote Fahne, die Matrosen- und Soldatenräte hatten die Macht über die Hafenstadt übernommen. In der Nacht zum 6. November folgte das große Hamburg, der Aufstand erfasste auch viele kleinere Städte und die Reichshauptstadt Berlin, leider nur für kurze Zeit. Novemberrevolution und Sozialdemokratie weiterlesen

Staatlicher Lynchmob in Athen

Neonazis und Polizisten vereint gegen Migrant*innen, Homosexuelle und Transsexuelle

Hintergründe zur Ermordung von Zak Kostopoulos

Am helllichten Tag, mitten im belebten Athener Stadtteil Omonia wurde am 22. September der queere Aktivist Zak Kostopoulos von zwei Athenern und Polizisten zu Tode geprügelt. Das Video, das den Mord dokumentiert, ging um die Welt. Der Mord an Zak ist ein weiteres Beispiel der Verrohung in einer von ökonomischen Krisen gebeutelten und zunehmend nach rechts driftenden Gesellschaft. Staatlicher Lynchmob in Athen weiterlesen

„Nicht nur einzelne Angriffe, sondern eine politische Strategie“

Über die jüngsten Angriffe der Türkei auf die nordsyrische Selbstverwaltung in Rojava und die Rolle des deutschen Imperialismus. Ein Gespräch mit Özgür Pirr Tirpe

Seit dem 28. Oktober 2018 greift die türkische Armee über ihre Landesgrenzen hinweg vermehrt Dörfer im Grenzgebiet der nordsyrischen Selbstverwaltung in Rojava an. Schusswechsel im Grenzgebiet sind allerdings nichts Neues, es gibt sie seit Jahren. Was ist nun vorgefallen? Wozu dienen diese Angriffe und wie ist die aktuelle Lage in den betroffenen Gebieten?

Özgür Pirr Tirpe ist Mitglied der Jugendunion Rojavas (Yekitiya Ciwanen Rojava, YCR). Bernd Machielski traf ihn für lower class magazine in Qamislo, Nordsyrien

Die neuesten Angriffe haben genau einen Tag nach einem Gipfeltreffen zwiscchen der Türkei, Deutschland, Russland und Frankreich am 27. Oktober in Istanbul begonnen. Dort sollte eine sogenannte „Lösung“ der Syrienkrise besprochen werden. Am Tag darauf begannen die Attacken auf den Kanton Kobane.

Die Angriffe finden westlich der gleichnamigen Stadt Kobane statt, in den Gebieten, die an den Euphrat angrenzen. Dort wurden mit schweren Waffen und Artillerie Stellungen der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ angegriffen. Ein Mitglied der Einheiten ist dabei gefallen. Am darauffolgenden Tag wurde deutlich, dass es sich aktuell nicht nur um einzelne Angriffe handelt, sondern um eine politische Strategie. „Nicht nur einzelne Angriffe, sondern eine politische Strategie“ weiterlesen

Klimaschutz und Klassenkampf

Linke und der Hambacher Forst

Unser Autor Leo Lüdemann nahm am vergangenem Wochenende an den Aktionen von »Ende Gelände« Teil. Einige Reflexionen zu Umweltaktivismus, radikaler Linken und Klassenkämpfen.

Am Wochenende blockierten an die 6500 Aktivist*innen der Kampagne »Ende Gelände« aus verschiedensten Teilen Deutschlands und Europas Teile der Kohleinfrastruktur im Tagebau Hambach – der größten CO2 Quelle Europas. Sie besetzten in einer Aktion zivilen Ungehorsams für 24 Stunden die Gleise der Hambach-Bahn, welche die drei umliegenden Kohlekraftwerke mit Kohle aus den Minen versorgt. Eine Gruppe blockierte für mehrere Stunden einen Kohlebagger. Das Ziel der vielfältig aufgestellten Aktivist*innen, vielen von ihnen aus Zusammenhängen der radikalen Linken, war es, weiteren Druck auf RWE auszuüben. Der Konzern befindet sich nach dem umstrittenen Versuch der Räumung der widerständigen Strukturen im Hambacher Forst in einer angreifbaren Position und hat im Zuge der Proteste gegen die Räumung auch wirtschaftlichen Schaden erlitten. Nach der Räumung wurden Warnungen an Aktionär*innen ausgegeben und Dividenden konnten nicht ausgezahlt werden.

Mit über 6500 Menschen in der Aktion nahmen so viele wie noch nie an „Ende Gelände“ teil.
Das Pfadfindertranspi haben Kinder gemalt

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Merz muss weg!

Deutschland sucht den Merkel-Nachfolger: Rechte Presse und Deutsche Industrie haben ihren Lieblingskanzler in spe schon gefunden

Die Nachricht über Angela Merkels Rückzug auf Raten war noch keine Stunde alt, da brachte die Bild schon einen aus Sicht des Springer-Imperiums genehmen Nachfolger ins Spiel. Friedrich Merz heißt der Mann. Und in der Tat steht er für den Markenkern der Partei Adenauers: Strammer Konservativismus, transatlantische Kriegstreiberei und enge Verbundenheit mit dem Großkapital.

Seit März 2016 residiert Merz im Frankfurter Opernturm, als Aufsichtsratschef der deutschen Sektion des berühmt-berüchtigten Finanzkonzerns „Blackrock“. Die Schattenbank ist bekannt dafür, auch nach politischem Einfluss zu streben, gilt als einer der größten Profiteure der Umverteilung von Vermögen von unten nach oben im Zuge der Finanzkrise. Dabei hatte Blackrock-Chef Larry Fink die Verbriefung von Hypotheken, die mit zum Ausbruch der Krise beitrug, quasi mit erfunden. Blackrock macht Geld mit so ziemlich allem, was man sich vorstellen kann, ist an zahllosen Konzernen und Banken beteiligt. Friedrich Merz ist eine Gestalt, die genau das widerspiegelt. Ein Typ, der nur eine Botschaft hat: Eure Armut kotzt mich an. Einer, der für den Erfolg und die Macht über Leichen geht. Merz ist eine Art Mister Burns mit CDU-Parteibuch. Merz muss weg! weiterlesen

Marxismus-Feminismus als revolutionäre Theorie und Praxis

Ein Bericht zur 3. internationalen Marxismus-Feminismus Konferenz

Vom 5. bis 7. Oktober fand in Lund, Schweden, die dritte internationale Marxismus-Feminismus Konferenz unter dem Motto „Unser Leben transformieren. Die Welt transformieren“ statt. Teilnehmende aus Europa, Lateinamerika, den USA, Südafrika und Indien kamen in den Räumen der kleinen Universitätsstadt zusammen um Fragen marxistisch-feministischer Theorie und Praxis zu diskutieren. In 29 Workshops und Paper Panels diskutierten um die 200 Konferenzteilnehmende wie die Krise der Sorgearbeit oder die zunehmende Flut rechter Radikalisierung mit marxistisch-feministischen Strategien eingedämmt und bekämpft werden können. Die Konferenz schloss damit an die in den Jahren zuvor stattgefundenen Marxismus-Feminismus Konferenzen in Berlin (2015) und Wien (2016) an. Mehr noch als in den vergangenen Jahren sollte es darum gehen, Raum zu schaffen, neuere Soziale Bewegungen und Kämpfe der traditionellen Arbeiter*innenbewegung miteinander zu verbinden, Netzwerke aufzubauen und transnationale Solidarität zu stärken. Marxismus-Feminismus als revolutionäre Theorie und Praxis weiterlesen