War inside my head

Der hier vorliegende Beitrag schließt an unseren ersten Teil „Die Illusion der Gewaltfreiheit“ an. In diesem haben wir, Hubert Maulhofer und Dieter Oggenbach, Rahmenbedingungen für eine wirkungsvollere militante Praxis auf der Straße, im Anschluss an bzw. im Kontext der G20-Straßenkämpfe, diskutiert. Im Folgenden Beitrag wollen wir das Feld des Militanzbegriffs erweitern. Wir wollen uns entfernen von einer Erzählung, die Militanz auf soziale Gegengewalt reduziert oder im bürgerlichen Sprech „Chaos“ und „Gewalt“. Im Folgenden Beitrag soll es um Grundlagen der und Perspektiven auf die „militante Persönlichkeit“ gehen. War inside my head weiterlesen

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Kirkuks Lehre über das Recht Geschichte schreiben zu können

Dass die Kurdinnen und Kurden als eine Nation ohne Staat einfach nicht im Besitz einer geografisch-politischen Entität sind, ist mitnichten das einzige Problem dieses Volkes. Auf vielen Ebenen wird gekämpft, in vielen Bereichen sehnt sich diese Nation nach Befreiung. Der mittlerweile wohl bekannteste emanzipatorische Kampf, der aus dem zunächst ethnischen Befreiungskampf entstanden ist, ist nun der Kampf um die Befreiung der Frau. Theorie und Praxis der kurdischen Freiheitsbewegung zeigen, wie es Kämpfe innerhalb von Kämpfen geben kann. Befreiung intersektional zu sehen ist ein großer Verdienst dieser Bewegung. Kirkuks Lehre über das Recht Geschichte schreiben zu können weiterlesen

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„Für Daesh sind wir ein beliebtes Ziel“

Frontsanitäter im Krieg um Syrien.
Interview mit heval Agit und heval Jiyan

Vorspann

Es war Freitag, der 8. September und wie immer war es warm. Die Klimaanlage in dem kleinen Vorzimmer einer diplomatischen Einrichtung für Ausländer aller Art im nordsyrischen Qamislo hatte ihren Geist aufgegeben, regungslos schwitzte ich vor mich hin und starrte auf eine kalte Cola. In weniger als 48 Stunden sollte ich aufbrechen. Nach Raqqa, in die umkämpfte ehemalige Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat. Ich hatte mich an vieles gewöhnt in den vergangenen acht Monaten in Kurdistan, aber die Geschichten, die man über Raqqa hörte, zeichneten ein nicht gerade einladendes Bild der (früher, klar) malerischen Metropole am Eufrat. Ein Wort eines befreundeten Kämpfers der Kurdenmiliz YPG hallte in meinem Kopf wieder: meatgrinder, meatgrinder, meatgrinder„Für Daesh sind wir ein beliebtes Ziel“ weiterlesen

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Erneute Massaker in Kolumbien

„Wut. Trauer.“ Viel mehr bekommt mein Bekannter am Telefon nicht heraus. Er war gestern dabei. Fast genau am Jahrestag der feierlichen Bekanntgabe des Friedensnobelpreises an den amtierenden Präsidenten Juan Manuel Santos begehen unter seinem direkten Befehl stehende Militär- und Polizeieinheiten ein weiteres Massaker an der Zivilbevölkerung. Mindestens 9 Personen sterben, viele weitere sind verletzt. Erneute Massaker in Kolumbien weiterlesen

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love in a hopeless place

Unser Redakteur Peter Schaber war in Raqqa – nicht als Journalist, sondern in den Reihen der YPG. Seine Fronterfahrungen hat er für uns aufgeschrieben.

Eigentlich könnte ich längst wieder in Deutschland sein. Als ich vor acht Monaten nach Nordsyrien einreiste, hatte ich weder geplant, so lange zu bleiben, noch eine Waffe in die Hand zu nehmen. Zuerst arbeitete ich als Journalist, mein Beruf eben. Dann manchmal als Bauarbeiter, als Sozialarbeiter, als Koch, Putzkraft, Übersetzer. Die Revolution hat viele Seiten und so muss man viele verschiedene Dinge tun. Auch welche, die man erst ganz neu lernen muss.

Für mich war das zum Beispiel das Handwerk, eine Revolution auch auf dem Schlachtfeld zu verteidigen, gegen diejenigen, die sie ersticken wollen. Ich wusste vorher nicht, wie man ein Gewehr bedient, eine Handgranate oder eine Panzerfaust. Ich ging also in die Lehre. Und irgendwann kam dann der Tag, als ich mit drei anderen Internationalisten gemeinsam in ein Auto nach Raqqa stieg. love in a hopeless place weiterlesen

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Welcome to Brexitland!

«Hurra, diese Welt geht unter!», triumphiert Henning May in seiner Hook in dem gleichnamigen K.I.Z.-Song und liefert den Soundtrack für die Landschaften des Post-Kapitalismus. Doch davon kann heute noch keine Rede sein: Von Manchester über Dresden und Reims bis Detroit – verlassene Fabrikhallen, rostige Maschinenparks und löchrige Straßen bilden die Kulisse für die wütenden Proletarisierten, die spätestens seit dem Einbruch der globalen Krise 2008 die politische Bühne der einstigen Industrienationen betreten haben. Sie haben ihre festen Jobs verloren. Oder sie wissen zumindest von Freunden, Familie und Nachbarn, was ihnen jederzeit blühen kann. Ein Leben zwischen Arbeitslosigkeit und unsicheren, schlecht bezahlten Jobs ohne die Aussicht auf eine bessere Zukunft. Nach einer globalen Welle von Kämpfen – zwischen Occupy, Platzbesetzungen und Massenbewegungen in Griechenland, Spanien und Frankreich, dem arabischen Frühling oder dem Gezi-Park Aufstand in der Türkei – wird spätestens mit Millionen Stimmen für Brexit, Trump, Le Pen und jetzt auch für die AfD ein Prozess der gesellschaftlicher Regression immer offenbarer. Wahlkämpfe und Referenden werden zu Schaubühnen von neuen Parteien und ihren schrillen Kandidaten, die mit rassistischen Parolen, unmissverständlichen Drohgebärden und national-chauvinistischen Forderungen das Wahlvieh agitieren. Doch während K.I.Z. bereits die frohe Botschaft einer besseren Welt («Auf den Trümmern das Paradies!») verkünden, beginnt scheinbar gerade eine neue Ära der Monster. Der folgende Artikel ist ein Streifzug durch Nordengland, einst die größte Industrieregion der Welt – heute abgehängt und deindustrialisiert: Welcome to Brexitland!

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Sind wir jetzt dafür oder dagegen?

Wenn das Referendum, die Debatte um das Ja oder Nein und die gesamte Frage um das pro und kontra von Staatlichkeit uns eines gelehrt haben, dann ist es wohl die Floskel, dass alles nicht so einfach zu erklären ist.

Denn in der Tat, zu Beginn war sich die linke Öffentlichkeit rund um die kurdische Freiheitsbewegung einig: Das Referendum bedient eine plumpe, rechte und völkische Rhetorik, mit der man eigentlich wirklich nichts mehr zu tun haben will. Aus den stürmischen Zeiten des Paradigmenwechsels hat sich ein Konsens darüber ergeben, dass der Gedanke vom Nationalstaat die Krankheit des Feindes ist, mit der wir uns auf keinen Fall anstecken sollten. Und die Mobilisierung rund um die Kommunalwahlen in der Föderation Nordsyrien zeigten: Es ist möglich die praktische politische Lösung multikulturell, dezentral und föderal zu gestalten. Sind wir jetzt dafür oder dagegen? weiterlesen

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