Autonome Antifaschisten sprechen über ihre Organisierung in den 1980er Jahren der Bundesrepublik – und über die Gründe ihres Scheiterns
Pkw und Busse, die Neonazis zu ihren Aufmärschen brachten, wurden zerstört, rechte Druckereien und Verlage angezündet und einschlägige Versammlungsorte mit Buttersäure unbetretbar gemacht: Militante Angriffe auf die Infrastruktur von Neonazis waren in den 1980er Jahren gang und gäbe. Ein bekanntes Beispiel ist der nächtliche Besuch in der Hamburger Wohnung des führenden Nazi-Funktionärs Christian Worch und seiner Frau Ursula, als 50 Aktenordner, Mitgliederlisten und Adresskarteien erbeutet wurden. Hinter vielen dieser Aktionen steckten organisierte Antifaschisten. Niels Seibert lud zwei dieser Antifaschisten zum Gespräch ein. Sie sprechen geradeheraus, aber auch mit der in den 1980ern üblichen politischen Strenge, über die politischen Anliegen ihrer Kämpfe, über ihre Kritik an Weggefährten und über die eigenen Fehler. Die beiden Gesprächspartner werfen Streitfragen auf, die auch für heutige linksradikale Organisierungsversuche wichtig sind: die gemeinsamen politischen Strategien, die öffentliche Wirkung und Wahrnehmung, Fragen von Bündnisarbeit und Militanz sowie zum notwendigen Gleichgewicht von legalen und illegalen Aktionen. Das Gespräch erschien bereits im November 2014 in einer gekürzten Fassung in »neues deutschland«.
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