BRANDBRIEF. Es ist Zeit zu handeln.

17. Mai 2020

Autor*in

Jane

Fortschrittliche, außerparlamentarische Linke im deutschsprachigen Raum, wir müssen reden! Ich versuche es, so solidarisch wie ich kann. Was wollt ihr eigentlich genau für eine Zukunft?

Es wird Zeit für einen linken Populismus. Wenn extrem reichweitenstarke, aber apolitische Menschen auf rattenfängerische Methoden, der gut organisierten, internationalen Rechten hereinfallen und deren Inhalt multiplizieren, ist es akut Zeit zu handeln.

Eine Behauptung vorweg: völlig verakademisierter Intellektualismus und eine ganze Menge Ego zerficken linke Diskurse und die sogenannte Nähe zur Masse gleichzeitig. ALSO, was wollt ihr für eine Zukunft? Wollt ihr mir jetzt die Kommentare vollkleistern, weil ich „zerficken“ gesagt hab? Oder weiterlesen? Beides?

Sprache formt Denken, heißt es so schön und Brisanz will erstmals vermittelt werden. Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass mit dem Wort SOLIDARITÄT eine Art semantische Sättigung einhergeht. „Semantische Sättigung (auch verbale Sättigung) ist ein psychologisches Phänomen, bei dem die mehrfache Wiederholung eines Wortes zu einem temporären Bedeutungswandel oder -verlust führt.“ Während alle möglichen rechts gesinnten Ideologien weltweit irgendeinen verdammten Konsens finden, gilt angewandte solidarische Praxis in der Linken eher den abstrakten Anderen, den Marginalisierten, mit denen man dann aber selber nie irgendwas zu tun hat oder haben will. Provokant formuliert. Untereinander wird sich häufig mit deutungshoheitlichem Moralismus begegnet. Der verführt zur Selbstdarstellung, aber selten zu einem fruchtbaren und für alle Parteien nahrhaften Diskurs. Ich denke an diese ewigen Twitterdiskussionen, die durch feindselige Besserwisserei, statt durch wohlwollenden Gedankenaustausch bestimmt sind. Diese paralysierenden Plena, die Bündnisse, die sich gegenseitig sabotieren, „Allies“, bei denen eine seichte parentale Überlegenheit mitschwingt.

Das ist alles so sehr beschäftigt mit sich selbst, dass die Gesellschaft als Masse, nun in Corona-Ruhe, von rechten Demagogen gespalten wird. Die richtigen Fragen werden von den falschen Leuten gestellt und falsch beantwortet. Seit den neuesten Querfront-Demonstrationen sieht die Welt noch ein wenig düsterer aus. Uns sollte allen klar sein, wo das hinführen kann, wenn die politischen Strukturen so weiter wirken, wie sie es bisher taten. Eine Linke, die stark genug sein will, dem entgegentreten zu können, muss Kritik und Widersprüche aushalten, wohlwollend ihr Umfeld politisieren und gesellschaftliche Resilienz dort mitentwickeln, wo der Staat Unfug treibt.

Ich war sehr lange wütend und habe wild um mich geschlagen, aber nun bin ich wütend und will gezielt treffen. Es wird Zeit, sich zu konzentrieren und nicht allein über Privilegien, sondern auch über Feindbilder nachzudenken. Es sollte weder Berührungsängste noch Konfliktscheuheit geben, weder mit den eigenen Standpunkten und Toleranzfähigkeiten, noch mit denen von anderen. Wenn wir Verständnis haben, was nicht damit zu verwechseln ist, einverstanden zu sein, und verkopfte, eitle Diskurse nicht vor den alltäglichen Klassenkampf stellen, das wäre großartig.

Antifa bleibt Handarbeit. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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