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Über die Kämpfe der Massenarbeiter*innen und den Operaismus – Bericht und Reflexion

In den 60er und 70er Jahren tritt in Norditalien eine Reihe von Arbeiter*innenkämpfen von neuartigem Ausmaß auf: Die erfolgreiche Blockierung von Teilen der Produktion führt zu maßgeblichen Verlusten für das Kapital durch nichtproduzierte Waren, als Ergebnis verschiedener Kämpfe stehen später Tarifabschlüsse in verschiedenen Bereichen, die Lohnerhöhungen von teilweise deutlich über 10% beinhalten. Entscheidend getragen wurden die Kämpfe von den durch die fordistische Produktionsweise hervorgebrachten Massenarbeiter*innen. Für die gegenwärtige Linke stellt sich entsprechend die Frage: Was können wir aus der historischen Erfahrung dieser Kämpfe lernen und mit den dahinterstehenden politischen Überlegungen heute noch anfangen? Dem wollten wir uns gemeinsam mit Christian Frings nähern, der im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Klasse – Macht – Kampf“ den Kampfzyklus der Massenarbeiter*innen und die theoretische Entwicklung dessen beleuchtete, was später als Operaismus bekannt wurde. [1]

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„Wir kämpfen, um zu leben, nicht um zu sterben“

Zehn Tage bei der Guerilla in den Bergen Kurdistans (Teil II)

Heval Azads Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: Çiya, Berg. Wir haben etwas Freizeit, sitzen bei Tee und Zigaretten im Tarnzelt und einer von uns hatte den Freund aufgefordert, uns doch einfach irgendwelche Wörter auf Kurdisch zu sagen, damit wir etwas lernen können. Auf Berg folgt stêrk, Stern, xweza, Natur, und dann beginnen wir über die Tiere zu reden, die es in der Gegend gibt. Teyrebazen, Falken, sehen wir oft, ein Rudel von çeqel, Schakalen, kommt nachts zum Jagen in unsere Gegend, auch Wölfe, gur, gibt es. In manchen höher gelegenen Gegenden trifft man auf hirç, Bären. In manchen Flüssen, in denen wir baden, gibt es Fische. Wildschweine, Steinböcke, Adler – Kurdistans Umwelt, wo sie noch nicht von AKP und KDP oder ausländischen Konzernen verheert wurde, ist intakt. „Wir kämpfen, um zu leben, nicht um zu sterben“ weiterlesen

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Von Falken und Ameisen

Zehn Tage bei der Guerilla in den Bergen Kurdistans (Teil I)

„Wir sind doch Revolutionäre“, sagt Heval Azad zu uns, als wir mit traurigen Gesichtern in das Auto steigen, das uns abholen kommt. „Egal, wo wir sind, es ist immer schön. Denn die Revolution ist überall.“ Wir grüßen zum Abschied mit einem herzlichen „Serkeftin“. Die Trennung von den Freunden fällt uns so schwer, als hätten wir uns Jahre gekannt.

Das mag daran liegen, dass wir die zehn vorhergehenden Tage rund um die Uhr miteinander zu tun hatten. Es mag aber auch daran liegen, dass wir so viele und so surreal schöne Erfahrungen gemacht haben, dass uns diese kaum zwei Wochen in der Erinnerung wie Monate vorkommen. Wir haben in glasklaren, eiskalten Wasserfällen Bäder genommen, gelernt wie man aus Stachelschweinstacheln Füllfedern baut und vor dem Schlafengehen über Abdullah Öcalans Philosophie diskutiert, während sich in der absoluten Stille der unberührten Natur das Zischen feindlicher Kampfflugzeuge mit dem schrillen Heulen von Schakalen mischten. Von Falken und Ameisen weiterlesen

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[Anarchistische und libertäre Perspektiven auf Selbstorganisierung in Griechenland 6/7] „Für das Getriebe der Bewegung“

Im letzten Artikel haben wir die politische Vernetzung „Integral Cooperative Heraklion“ vorgestellt. Zusammen versuchen die Aktivist*innen, der kapitalistischen Agrarwirtschaft eine solidarische und ökologische Alternative entgegenzustellen. So haben wir einen Einblick in den Aufbau eines nicht-kapitalistischen „Produzent*innen-Konsument*innen“-Netzwerks erhalten. Mit dem folgenden Beitrag über die Oliven-Kooperative „Becollective“ auf Kreta kann dieser Eindruck weiter vertieft werden.

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,,Internationalismus ist die Strategie über Grenzen hinweg Antworten auf soziale Probleme zu finden“

Ein Interview mit der Soli-Gruppe Interbrigadas aus Berlin – Von Jan Schwab

Auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz, die traditionell jedes Jahr zum Gedanken an die von Freikorps ermordeten KomunistInnen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht stattfindet, hatte ich dieses Jahr die Möglichkeit ein Interview mit einer langjährigen Solidaritätsgruppe aus Berlin zu führen. Die Gruppe Interbrigadas eV besteht bereits seit 10 Jahren und verbindet einen Ansatz von politischer Bildung und Vernetzung mit konkreter internationaler Solidaritätsarbeit vor Ort. Wie das Ganze entstanden ist, was die GenossInnen gerade so machen und wie sie das alles organisieren, findet ihr im nachfolgenden Interview.

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Es rettet euch kein #Gottkanzler

Liebe Wähler*innen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: Seid doch einmal keine Büffel.

Auf der Videoplattform youtube findet sich ein süßer kleiner Animationsfilm, der dort unter dem Titel „tree trunk or crocodile“ eingestellt wurde. Zwei Büffel stehen am Rande einer Wasserstelle. Vor ihnen schwimmt etwas. Der eine Büffel behauptet, es sei ein Krokodil. Nein, sagt der zweite, es ist ein Baumstumpf. Ein Krokodil ist das, sagt der erste mit Nachdruck und wirft einen Stein auf das unbekannte Objekt. Es bewegt sich nicht. Siehst du, ein Baumstumpf, sagt der zweite. Der erste bleibt dabei und der Streit setzt sich fort, bis er zur Demonstration dessen, dass es sich wirklich um einen Aligator handelt, auf das schwimmende Ding springt. Und in der Tat, es war ein Krokodil und verschluckt ihn. Jetzt steht der Büffel, der das Ding für einen Baumstumpf gehalten hatte, alleine da und sagt: „Ok, war doch ein Krokodil“. Es tritt ein neuer zweifelnder Büffel hinzu und erklärt: „Nein, das ist ein Baumstumpf.“

Die Dynamik des SPD-Wählens in den vergangenen Jahrzehnten funktioniert nicht anders: Auf jede grauenhafte Regierungsperiode der Sozialdemokraten folgt eine kurze Phase ausufernder Wahlkampfversprechungen, in der sich die innerlich verrottete Establishment-Partei als frische Kraft des Wohlstandes für Alle darstellen will. Und immer finden sich genug Büffel, die erneut das Krokodil für einen Baumstumpf halten wollen. Es rettet euch kein #Gottkanzler weiterlesen

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Überlegungen zu einem neuen Internationalismus [I]

Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft globaler Gegenmacht

[Anm. der Red: Im folgenden veröffentlichen wir einen Text aus einem Arbeitskreis des Internationalistischen Zentrums Dresden. Die Gruppe organisiert mit uns und vielen anderen im April 2017 in Berlin den Kongress „Selber machen – Perspektiven auf Basisorganisierung, Gegenmacht und Autonomie“ . Im Vorfeld des Kongresses werden auf unseren Seiten gelegentlich Diskussionsbeiträge zur Vorbereitung des Kongresses erscheinen.]

„Wir brauchen Historie, aber wir brauchen sie anders, als sie der verwöhnte Müßiggänger im Garten des Wissens braucht.“ (Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben)

„Nur dem Geschichtsschreiber wohnt die Gabe bei, im Vergangenen den Funken der Hoffnung anzufachen, der davon durchdrungen ist: auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein.“ (Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte)

Die folgende Textreihe hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist nicht unser Ziel alle historischen Details darzulegen – das können und wollen wir auch nicht. Vielmehr geht es uns darum, schlaglichtartig die Geschichte des Internationalismus zu beleuchten und ein Basiswissen über diese zu verbreiten und anwendbar zu machen. Nach jedem Teil der Textreihe, werden wir ein Resümee ziehen und damit, so unser Anliegen und Wunsch, einen Debattenbeitrag zu dem Thema liefern. Außerdem wollen wir durch die Arbeit an der Textreihe, unsere eigenen Vorstellungen von einem neuen Internationalismus schärfen und theoretische Grundlagen für eine mögliche Praxis entwicklen. Denn in der Vergangenheit liegt die Möglichkeit die Jetztzeit, wie Walter Benjamin es nannte, aus dem Kontinuum der Geschichte herauszusprengen und Befreiungsperspektiven zu öffnen. [1] Überlegungen zu einem neuen Internationalismus [I] weiterlesen

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„Wir kämpfen für einen demokratischen Sozialismus“

 

Gespräch mit Rıza Altun

Rıza Altun ist eines der Gründungsmitglieder der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Er ist Mitglied im Zentralkomitee der PKK und gleichzeitig im Exekutivrat der KCK (Koma Civakên Kurdistan – Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans), einem Dachverband PKK-naher Organisationen. Nach den 1980er Jahren war er über zehn Jahre lang in türkischen Gefängnissen, unter anderem in den Folterzellen von Diyarbakır. Nach seiner Freilassung war er in vielen Bereichen für die PKK tätig. Zurzeit ist er Sprecher der Außenbeziehungs-Kommission der KCK.

Das Interview mit ihm wurde von GenossInnen vom Revolutionären Aufbau Schweiz Mitte Dezember 2016 in den Bergen Kandils geführt.

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