[Dersim Diaries – im Kofferraum durch Kurdistan IV]: Ziegenopfer und Rätedemokratie

Im vierten Teil der Dersim Diaries verlassen wir unser alevitisches Bergdorf, machen uns auf den Weg nach Ovacık, das im Genuss Munzurquelle (2)eines kommunistischen Bürgermeisters ist, und besuchen das 14. Munzur Doğa ve Kültür Festivali. Außerdem gibt’s ein Ziegenopfer.

Blutiges Erwachen

Weit später als geplant erwacht das österreichische Zimmer im alevitischen Haus und wir begeben uns auf die Terrasse. Das Haus spendet noch Schatten, als wir frühstücken und den Ausblick auf Täler und Berge bei Tageslicht genießen dürfen. Eine kleine Schotterstraße, die sich den Berg runter schlängelt, blaublühende Disteln am Wegesrand, vereinzelte Baumgruppen an den kahlen Hügeln. Was gestern schon angedeutet wurde, gibt’s jetzt live und in Farbe: wir erfahren, dass eine Ziege geschlachtet werden soll. Wo, wann und wie beantwortet sich von selber, als mir Genosse Ö. winkt, dass ich ihm nachgehen soll. Er und eine knapp siebzigjährige Frau holen die Ziege aus dem Stall. Mangels jeglicher Schlachtungs- oder genereller Ziegenerfahrung beschränke ich mich darauf die Stalltüren hinter ihnen zu schließen und nicht im Weg rumzustehen, als die beiden das Tier an den Hörnern heraus führen.  [Dersim Diaries – im Kofferraum durch Kurdistan IV]: Ziegenopfer und Rätedemokratie weiterlesen

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Die gespaltene Republik

QDcVs8wIn Istanbul ist es ungemütlich in den letzten Tagen. Der Himmel ist bedeckt, es blitzt, donnert, die Menschen suchen Schutz in den Geschäften und Passagen der Millionenstadt. Es braut sich etwas zusammen.

Ziemlich genau eine Woche bin ich nun hier. Istanbul. Die 14-Millionen-Einwohner Metropole ist das Zentrum und Aushängeschild der Türkei. Zentrum für Kultur, Handel, Medien und Finanzen. Die Stadt pulsiert, polarisiert und fasziniert. Nicht umsonst fiel die Entscheidung leicht hier zwei Monate zu verbringen um einen authentischen Blick auf die Türkei, ihre Bewohner, ihre Kultur und vor allem ihre Politik zu erhaschen. Die gespaltene Republik weiterlesen

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Die Hoffnung heißt nicht Amerika, sondern YPG

Zur Debatte um Waffenlieferungen in den Irak

ypgsingalJetzt, da es Aufruhr von Spiegel bis CDU gibt, fällt auf einmal auch dem Gros der deutschen Linken auf: Hui, in Syrien und im Irak gibt es KurdInnen. Und hui, da gibt es islamistische Milizen. War Kurdistan-Solidaritätsarbeit in den vergangenen Jahren eine Angelegenheit von ein paar hundert Paradiesvögeln bundesweit, die sich von der super-hyper-korrekt-emanzipatorischen Avantgarde allzu oft anhören durften, sie unterstützten dort doch nur „nationalistische“ Reaktionäre – gemeint war die PKK -, haben jetzt, da es an massenmedialer Berichterstattung nicht fehlt, auch jene Linken das Thema entdeckt, die von einer Projektionsfläche zur nächsten springen.

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[Dersim Diaries – Im Kofferraum durch Kurdistan III]: Wege ins Paradies und Plumpsklo-Komplikationen

alevidevrimci„Was zur Hölle macht also eine Hyundailadung österreichischer, türkischer und kurdischer GenossInnen in der Nacht beim alevitischen Dede im Bergdorf?“, nahmen wir uns als Arbeitsfrage vom zweiten Teil dieser Artikelserie mit. Die einfache Antwort: zuerst einmal Tee trinken.
Es ist kein Zufall, dass es RevolutionärInnen zum Übernachten in ein für AlevitInnen heiliges Haus verschlägt. Die Ausrichtung der AlevitInnen kann mit einer Spielart der Befreiungstheologie umrissen werden. Das AlevitInnentum (nicht zu verwechseln mit den AlawitInnen in Syrien) ist eine Glaubensrichtung, die ihren Ursprung im 13./14. Jahrhundert hat.

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[Dersim Diaries – Im Kofferraum durch Kurdistan II]: Her biji Kurdistan – Ankunft in Dersim

dersimd1Als gelernter Österreicher saugt man nicht nur bedenkliches Trinkverhalten und antipreußischen Reflex mit der Muttermilch auf, sondern auch eine gewisse Portion Granteln. Der Schädel brummt noch ein wenig von der feuchtfröhlichen und tanzfreudigen Erkundung des Istanbuler Nachtlebens vom Vortag, als wir in Kurdistan landen. Und während ich mich im ersten Teil über die Hitze in Istanbul mokiert habe, verschlägt es mir beim Ausstieg aus der Onurair-Maschine am Flughafen in Elazığ ob der Schönheit der kurdischen Berge nicht nur die Sprache, sondern wegen der trockenen, beißenden Hitze gleich noch den Atem dazu.

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[Dersim Diaries – Im Kofferraum durch Kurdistan I] Startschuss in Istanbul

fürjosedSibel Yalcin, Berkin Elvan und Kinder mit explodierenden Flaschen – Was man über die Millionenmetropole am Bosporus nicht in Reiseführern findet

Mein Weg in die Türkei und nach Kurdistan beginnt wie viele andere Tage auch: verkatert in Wien Ottakring. Er führt gekoppelt mit dem offenbaren Unvermögen der ÖBB grenzüberschreitende Zugreisen halbwegs vernünftig zu ermöglichen über die Stationen Wien-Graz-Spielfeld-Straß-Zidani Most-Ljubljana nach Istanbul.

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Ein Ruhekissen für die Übermenschenseele

Ayn Rands Philosophie anhand ihres Hauptwerks „Atlas Shrugged“

aynranddollsWas das vernunft-begabte Dingens Mensch im 21. Jahrhundert noch am Kapitalismus festhalten lässt, ja was ihn teilweise zum willenlosen Jubeln und Jauchzen bringt, wenn die Rede von den Errungenschaften des freien Marktes ist, lässt eine*n manchmal doch recht verdutzt zurück. Doch auch dem Kapitalismus ist ein ideologischer Überbau eigen, der die überalterten Moralismen in den Köpfen manifestiert und den Jetzt-Zustand als Ende der Geschichte, als beste aller möglichen Welten zementiert.

Weniger in Europa bzw. der Bundesrepublik, immanenter aber in den USA ist das philosophische Konstrukt Ayn Rands und ihr darauf sockelndes literarisches Werk Fundament der herrschenden Klasse in den Hirnwindungen breiter Bevölkerungsschichten, Legitimation ihrer Herrschaft und mehr als nur ein Opium für Kapitalist*innen. Ein Manifest der mammonistischen Aktion: „Atlas Shrugged“.

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Den Gefallen tu ich Dir nicht

Antwort an Deniz Yücel. Gastbeitrag von Thomas Seibert, organisiert in der Interventionistischen Linken, anlässlich der „Israelkritik“-Debatte in der taz.

demoisrael1Es ist gut und nicht schlecht, dass Deniz Yücel die Frage nach der Kritik dessen, was aktuell in Israel/Palästina geschieht, in sehr radikaler Weise stellt: als Frage nach einem „Menschenrecht auf Israelkritik“ und als Frage, die trotz des Unterschieds von Recht und Moral nur von einem „moralischen Imperativ“ aus zu beantworten sei. Es ist sehr schade, dass er wenig später nur noch Recht haben will und weit unter Niveau seines ersten Beitrags nachlegt. Grund genug, die Dinge richtig zu stellen, auf der Höhe der zunächst gestellten und tatsächlich zu beantwortenden Frage.

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