Gegenöffentlichkeit geht auch offline – Die Weddinger Stadtteilzeitung „Plumpe“

8. Juli 2019


Ende April erschien die dritte Ausgabe der Weddinger Lokalzeitung “Plumpe”. Seit gut einem Jahr berichtet eine kleine Redaktion von lokalen Aktivist*innen über Initiativen und Aktionen, erzählt aber auch Geschichten über die eigensinnigen Bewohner*innen des Stadtteils im Nord-Westen Berlins. Wir sprachen mit zwei Redakteur*innen über Gegenöffentlichkeit im Stadtteil und motivierende Momente beim Aufbau einer linken Stadtteilzeitung.

In der neuesten Ausgabe beschäftigt ihr euch mit dem Thema „Frauen im Wedding“. Wie wählt ihr denn die Themen für eure Zeitung aus? Über welche Themen schreibt ihr regelmäßig?

Elli: In unserer allerersten Ausgabe vor einem Jahr haben wir geschrieben: „Wir wollen über die sozialen Kämpfe in unseren Kiezen berichten und die Nachbar*innen darüber informieren, was nebenan passiert.“ Das gilt immer noch. Wir nehmen uns vor, über aktuelle Themen im Wedding zu berichten.

Als die letzte Ausgabe entstanden ist, waren die Vorbereitungen für den Frauen*streik am 8. März sehr aktuell. Da wir auch selbst Aktionen im Wedding organisiert haben, haben wir beschlossen umfangreicher in der Zeitung darüber zu berichten.

Björn: Allerdings ist uns auch wichtig, einen Blick über den Bezirk hinaus zu werfen. Wir wollen Kämpfe und Themen verbinden. Das geht oftmals schon im Stadtteil, aber eben nicht immer. Manche Themen können halt nicht nur so kleinteilig diskutiert werden. So ist unsere internationale Seite entstanden. Da haben wir eine kleine Reportage. Beim letzten mal war das leicht, weil der Frauenkampftag überall auf der Welt begangen wird. Davor haben wir aus Italien und Griechenland berichtet.

Elli: Wir wollen aber auch nicht nur über Probleme schreiben. Uns geht es auch um neue Perspektiven und Vorschläge. Dazu befragen wir aber nicht nur gestandene Initiativen. Wir wollen auch individuelle Meinungen. In der letzten Ausgabe gab es zum Beispiel ein Interview mit einer Friseurin aus dem Kiez. Solche persönlichen Geschichten sind auch total wichtig und machen beim Schreiben auch einfach Spaß.

Ihr sagt, dass ihr viel über die Gestaltung und das Ziel der Zeitung gesprochen habt, dass ihr keine der unzähligen Antifa-Stadtteilbroschüren sein wollt, die es immer mal wieder zum Mitnehmen in linken Kneipen gibt. Was seit ihr dann?

Elli: Das ist provokant gefragt. Wir sind natürlich Antifaschist*innen, stehen auch dazu und ich denke das spiegelt sich auch im Grundton unserer Zeitung wieder. Aber du hast recht, wir verzichten auf all zu offensive Symbolik und unsere Themen sind wesentlich breiter.

Björn: Wir wollen ja auch, dass die Zeitung regelmäßig erscheint. Da brauchen wir auch einfach mehr Themen als die hiesige AfD-Fraktion. Dasselbe gilt übrigens auch für das Thema Miete und Verdrängung. Es sind halt nicht die einzigen Kämpfe, die hier tagtäglich geführt werden.

Elli: Wenn Müll das große Thema im Bezirk ist, dann schreib ich über Müll. Ich bin da schmerzbefreit.

Was sind eure bisherigen Erfahrungen mit der Zeitung? Kommt die Zeitung gut an?

Björn: Bisher sind die Erfahrungen sehr positiv. Aber es zeigt sich auch, dass so eine Zeitung eher langfristig wirkt. Besonders die Interviews haben eine gute Wirkung, weil das sehr persönlich ist. Am Ende geht es uns ja um zwei Sachen. Zum einen diese persönlichen Beziehungen im Kiez zu stärken oder aufzubauen, die tagtäglich in einer neoliberalen, kapitalistisch organisierten Stadt zerstört werden. Zum anderen aber auch allen zu zeigen: Du bist nicht allein mit deinen Problemen. Demütigungen vom Jobcenter, Verdrängung, Rassismus oder Sexismus sind nichts, was wir hinnehmen müssen und es gibt viele im Kiez, die sich dagegen zur Wehr setzen.

Elli: Ich hab noch eine kleine Anekdote am Rande. Wir verteilen die Zeitung ja auch in den unzähligen Eckkneipen im Bezirk. Da hast du mit unserem Namen auch meistens direkt ein Gesprächsthema und kommst gar nicht mehr raus aus dem Laden.

Was sind eure nächsten Pläne mit der Zeitung? Wollt ihr expandieren?

Björn: Tatsächlich tauschen wir uns gerade mit Genoss*innen in anderen Stadtteilen aus, die ähnliche Projekte starten wollen. Das freut uns natürlich sehr, denn die Idee ist wirklich denkbar simpel. Aber gerade steht die Aufgabe an, die aktuelle Ausgabe unter die Leute zu bringen. Dass ist immer eine ganze Menge Arbeit. Außerdem haben wir schon die nächsten heißen Storys an denen wir dran sind. Ihr könnt also gespannt sein.

Interview: Hubert Maulhofer

Schreibe einen Kommentar Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.