Tolerante Familienclans: von bunt angemalten Kapitalistenschweinen

28. März 2019

Großkonzerne beschäftigen eine nicht geringe Anzahl hipper Typen und Girls zum Management der eigenen Öffentlichkeitsarbeit. Deren Job ist es, der Gesellschaft zu verklickern, dass das jeweilige Unternehmen dufte ist. Und weil in der liberalen Öffentlichkeit eine weichgewaschene und oberflächliche Antidiskriminierung als förderlich für das Image gilt, bringen diese hippen Typen und Girls hin und wieder Werbungen hervor, in denen sich richtige Schweinefirmen als progressive Kraft inszenieren.

Ganz in diesem Geiste haben deutsche „Familienunternehmen“ eine Kampagne ersonnen. „Made in Germany. Made by Vielfalt“, heißt das so widerwärtige wie dreiste Stück und soll der geneigten Öffentlichkeit verklickern: Wir sind coole, „weltoffene“ Dudes – denn „täglich geben Mitarbeiter/Innen aus aller Welt bei uns ihr Bestes.“

Initiator der neuen „Toleranz“-Kampagne deutscher Konzerne ist Timm Mittelsten Scheid, Gesellschafter bei Vorwerk sowie Mitglied der Vorwerk Unternehmerfamilie. Er habe irgendwie eine Verschärfung der politischen Debatte um Migrant*innen beobachtet und dann blablablala, Zeichen setzen, dies das. Andere Konzerne sprangen auf. Es entstand ein „Toleranz-Siegel“.

Sich durchzulesen, was die Macher*innen dieses Blödsinns über ihre Motive erzählen, ist verschwendete Zeit. Als was sie sich vermarkten wollen, sollte eigentlich niemanden interessieren. Was sie sind, was sie tun und wie sie so obszön reich geworden sind, wie sie sind – da sollte man genauer hinsehen.

Timm Mittelsten Scheids Kapitalistenfamilie beschäftigte zum Beispiel schon zwischen 1933 und 1945 gerne „Mitarbeiter/Innen aus aller Welt“ – als Zwangsarbeiter in der NS-Rüstungsindustrie. Die ebenfalls tolerante Oetker-Gruppe stieß sich im deutschen Faschismus gesund, das Siegel, das sie damals präferierte, war das des „Nationalsozialistischen Musterbetriebes“. Und auch Trigema, eine weitere Unterzeichnerin der kapitalistischen Charme-Offensive konnte in diesen dunklen Jahren doch ein wenig zulegen – durch die „Arisierung“ von Konkurrenzbetrieben.

Schwamm drüber, ist lange her – könnte man nun sagen, wenn man eine liberale Spiegel-Kolumnistin oder ein FDP-Politiker wäre. Doch die Geschichte dokumentiert auch für die Gegenwart wichtiges. Denn gerade in Deutschland haben sich kapitalistische Familiendynastien mit großer Kontinuität durch zwei Weltkriege entwickelt und sind alles in allem immer dieselben Schweine geblieben, die sie stets waren.

Um das zu verstehen, bräuchte es unter den Unterzeichnern nicht einmal ausnehmend besondere Schweine wie die Würth-Gruppe, die derzeit versucht, ihre Rüstungsexporte an das Mörderregime in Saudi-Arabien durchzuklagen. Es braucht das einfache Verständnis: Wer so reich wird, wie diese Familienclans, der wird das nur durch Ausbeutung anderer. Im internationalen Kapitalismus bedeutet das, und hier liegt der einzig wahre Satz im Toleranzgeschwurbel der Multis: Man beutet „Mitarbeiter/Innen aus aller Welt“ aus. Und zwar jene in den Zulieferbetrieben des Trikonts noch viel mehr als die hiesigen und manchmal bis zum Tod.

Die Diversity der Kapitalistenclans sollte niemanden darüber hinweg täuschen, dass Ausbeuter auch dann Ausbeuter bleiben, wenn sie sich bunt anmalen, auf queer machen oder sich feministisch geben. Was von diesen Konzernen zu wollen ist, ist nicht, dass sie netter reden oder einen auf liberal machen. Was von ihnen zu wollen ist, ist, dass sie aufhören zu existieren.

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