Scheiße lässt sich nicht wegbassen

4. März 2019

Autor*in

Bafta

In der letzten Kolumne ging es um Bequemlichkeit in der Politischen Arbeit, also das Bedürfnis, jene Dinge, die einem Spaß machen oder die man ohnehin schon im Alltag tut, als politische Praxis zu verkaufen. Die Partys der Szene sind da kaum anders. Ein Großteil dieser AfD/Patriarchat/alles-Schlechte-wegbassen-Partys sind nichts weiter als linke Selbstbespaßung. Bei denen wird natürlich „ein Zeichen gesetzt“ und sich eingeredet, politisch etwas erreicht zu haben. Sein wir ehrlich, das eigentliche Ziel ist es doch, abends oder morgens, nachdem man mit seinen Freund*innen und Gleichgesinnten ein bisschen tanzen war, mit gutem Gewissen ins Bett zu fallen und den Rausch auszuschlafen, damit man fit für die nächste Runde ist.

Keine dieser Aktivitäten kann szenefremde Menschen in irgendeiner Form ansprechen – und das ist auch beabsichtigt. Szenepartys sollen exklusive Orte sein, an denen sich Menschen, die nicht so aussehen, kleiden und sprechen wie Szeneangehörige, unwohl fühlen. Differenz ist unwillkommen, schließlich soll hier Identität gestiftet werden. Man weiß, dass man auf der richtigen Seite steht und geht dann heim. Alles, was eine wirkliche Auseinandersetzung mit anderen Menschen bedeutet und die eigene Fähigkeit mit Differenzen umzugehen auf die Probe stellt, ist da natürlich schädlich.

Was ist dann der Unterschied zwischen irgendwelchen anderen Szenen und dieser Art von Linken? Es gibt keinen relevanten, bis auf den kleinen Anspruch eine bessere Gesellschaft herbeiführen zu wollen. Wie man das macht, indem man auf Droge mit New Balance Schuhen in versifften Clubs feiert, bleibt unklar. Es werden Zeichen gesetzt. Jedes Wochenende aufs Neue. Zeichen setzten, heißt der Außenwelt zeigen, dass man „dagegen“ ist. Damit verkommt politische Haltung zu einer Lifestylefrage. Man drückt aus, wie man zu den Sachen steht in der Art, wie man sein Leben führt. Eine pluralistische Demokratie kann das aushalten, sie kann linke Positionen in ihr Projekt integrieren, weil Meinungen nicht ausschlaggebend sind. Das heißt: „Die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt.“

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