Die radikale jüdische Tradition von Donny Gluckstein und Janey Stone

8. Mai 2026

Das Buch „Die radikale jüdische Tradition“ von Donny Gluckstein und Janey Stone ist im Verlag „Die Buchmacherei“ erschienen und kostet 20 Euro.  Ein Interview mit den Autor:innen.


Euer Buch trägt den Titel „Die radikale jüdische Tradition“; im Untertitel werden Partisanen, Revolutionäre und Widerstandskämpfer erwähnt. Was bedeutet dieser Strang der revolutionären Geschichte für euch?

Unser Buch würdigt die Tradition des jüdischen Sozialismus, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht. Wie wir in der Einleitung erläutern, liefern wir eine schlüssige Argumentation, um dem entgegenzutreten, was der Historiker Salo Baron den „larmoyanten Begriff der jüdischen Geschichte“ bezeichnet – also die Fokussierung auf Juden als ewige Opfer von Ghettos, Pogromen, Diskriminierung und letztlich dem Holocaust. Die Annahme, dass Juden ewige Opfer wären, wurde und wird durch den Zionismus genutzt, sowohl in der Zeit seiner Entstehung als politische Strömung als auch heute, um den Staat Israel und dessen endlose Kriege gegen das palästinensische Volk und die umliegenden Länder zu rechtfertigen.

Juden haben zweifellos erhebliche Unterdrückung erfahren, doch das ist nicht die ganze Geschichte. Im Laufe ihrer Geschichte gab es immer wieder Widerstand und Juden haben sich, sehr oft in Solidarität mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, gegen diese Unterdrückung gewehrt. Wir betrachten Antisemitismus als eine Form des Rassismus und vertreten die Auffassung, dass er deshalb im Rahmen des Kampfes gegen alle Formen des Rassismus bekämpft werden muss.

In den 80 Jahren von 1881 bis 1948 ging der Widerstand überwiegend von der jüdischen Arbeiterklasse aus. Ausgehend von Osteuropa breitete sich dieser auf zahlreiche Länder aus, darunter Großbritannien und die USA. Sozialisten unterschiedlichster Überzeugungen, darunter der Jüdische Arbeiterbund, kommunistische Parteien in vielen Ländern, Anarchist:innen, Marxist:innen und andere linke politische Strömungen, nahmen den Kampf auf. Dieser hatte vielfältige Formen: von Streiks über sozialen Aktivismus bis hin zu Massenbewegungen. Während des Zweiten Weltkriegs kam es dann zum Untergrundwiderstand gegen die Nazis, zu den Aufständen in Ghettos und Konzentrationslagern, am bekanntesten ist der Aufstand im Warschauer Ghetto vom 19. April 1943. Wir arbeiten diese Geschichte auf, um ein alternatives Modell zu entwickeln, das die Möglichkeit bietet, den Antisemitismus endgültig zu besiegen, anstatt ihn weiter zu schüren, wie es die Politik Israels heute tun.

Welche historischen Erfahrungen der Arbeiter:innenklasse sind für euch exemplarisch mit den Bemühungen jüdischer Radikaler um revolutionäre Veränderung verbunden?

In unserem Buch diskutieren wir die Erfahrungen des jüdischen Proletariats in mehreren Ländern, insbesondere im zaristischen Russland, in Osteuropa (mit Schwerpunkt auf Polen), im Vereinigten Königreich und in den USA. Es kam historisch zu einer Konzentration von Juden in Osteuropa und in der Folge dann, aufgrund von Pogromen und Armut, zur Fluchtbewegung nach Westen. Diese jüdischen Arbeiter erlebten eine komplexe Kombination aus Unterdrückung in Form von Antisemitismus und Klassenausbeutung. Aus dieser doppelten Unterdrückung entstand häufig Kampfbereitschaft und Widerstand, was dazu führte, dass sich diese Kämpfe gegenseitig verstärkten. Infolgedessen nahmen Juden eine führende Rolle in den sozialistischen Bewegungen dieser Länder ein. Gleichzeitig waren die Kämpfe geprägt von Solidarität mit Nichtjuden.

Drei Beispiele.

Im zaristischen Russland waren Juden in den städtischen Gebieten im Westen, dem sogenannten Ansiedlungsrayon, konzentriert und gehörten zu den ersten Arbeitern, der neu entstehenden Arbeiterklasse, die sich gewerkschaftlich organisierten. Wie der russische Marxist Georgi Plechanow sagte, können die jüdischen Arbeiter als Avantgarde der Arbeiterarmee in Russland betrachtet werden. Der 1897 gegründete Jüdische Arbeiterbund war die erste revolutionäre Organisation in Russland und blieb ein Jahrzehnt lang die größte. Der Bund spielte eine führende Rolle in der Revolution von 1905.

Im Londoner East End lebten jüdische Einwanderer Ende des 19. Jahrhunderts in extremer Armut, sie wurden im Sweatshop-System ausgebeutet und waren Opfer des Antisemitismus der herrschenden Klasse. Klassenverhältnisse standen im Mittelpunkt, da die meisten Chefs der kleinen Fabriken und Werkstätten ebenfalls jüdisch waren. Doch innerhalb der Arbeiterklasse wurden über alle bestehenden Grenzen hinweg Beziehungen geknüpft. So fand ein Streik jüdischer Schneider im Jahr 1889 unerwartete Unterstützung durch katholische Hafenarbeiter. Dieser Gefallen wurde 1912 erwidert, als jüdische Familien die Kinder von Hafenarbeitern aufnahmen, damit diese ihren Streik aufrechterhalten konnten. Im Jahr 1936 waren es wieder die Hafenarbeiter, die während der Massendemonstration, die als „Battle of Cable Street“ in die Geschichte eingegangen ist, die militante Avantgarde der Bewegung bildeten. Sie hielten die Faschisten davon ab, durch East London zu marschieren.

Die Rolle der Juden in der New Yorker Arbeiterklasse ist berühmt. Wie der Historiker Tony Michels schreibt, waren „die Linke und die Juden so eng miteinander verflochten, dass man kaum unterscheiden konnte, wo das eine endete und das andere begann“1. Juden bildeten das Rückgrat des New Yorker Sozialismus. Zu dieser Zeit, vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurde die jüdische Arbeiterbewegung zur Massenbewegung. Sie umfasste Gewerkschaften, politische Parteien und Wohlfahrtsorganisationen und war, obgleich sie ihren Schwerpunkt in New York hatte, landesweit aktiv. Auf ihrem Höhepunkt im Jahr 1914 zählte die von Sozialisten geführte United Hebrew Trades eine Viertelmillion Mitglieder. Jüdische Gewerkschafter spielten in der Bekleidungsindustrie eine enorm wichtige Rolle. Der Workmen’s Circle, eine sozialistische Wohlfahrtsorganisation, die streikende Gewerkschaften unterstützte und in ihrer Blütezeit 87.000 Mitglieder hatte, geriet schließlich unter die Kontrolle des Bundes.

Ein zentrales Thema des Buchs, das ihr eben schon angesprochen habt, ist das Verhältnis zwischen kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung, in diesem Fall durch Antisemitismus. In den historischen Darstellungen lässt sich erkennen, wie unterschiedlich diese Frage von jüdischen Radikalen beantwortet wurde. Welche Lehren lassen sich aus diesen unterschiedlichen Antwortversuchen ziehen? Und wie sollte das Verhältnis zwischen dem Kampf gegen die wirtschaftliche Ausbeutung der Arbeiterklasse und dem Kampf gegen antisemitische Unterdrückung aussehen?

Es gibt heute eine starke Tendenz, den Kampf gegen Unterdrückung und den Kampf gegen Ausbeutung scharf voneinander zu trennen. Die Theorie des Patriarchats legt nahe, dass Männer für die Unterdrückung von Frauen verantwortlich sind und davon profitieren. Der Schwarze Nationalismus argumentiert, dass alle weißen in unterschiedlichem Maße „unbewusste“ oder bewusste Vorurteile haben und dass sie in gewisser Weise vom Rassismus profitieren. Der Zionismus glaubt, dass Antisemitismus unumgänglich ist. Es gibt ein übergreifendes Konzept, das all dies zusammenfasst: die Privilegientheorie. Sie legt nahe, dass Männer, weiße Frauen und Nichtjuden jeden Tag ihre „Privilegien überprüfen“ sollten, bevor sie aus dem Haus gehen.

Die Juden Europas litten alle aufgrund ihrer ethnischen Herkunft unter Unterdrückung. Während der industriellen Revolution entstanden innerhalb dieser Gemeinschaft jedoch Klassenunterschiede, die zu inneren Spaltungen führten, und in der Folge stand eine Mehrheit als Proletariat gegen die neuen kapitalistischen Ausbeuter.

Dies war die objektive Grundlage für eine Reaktion eines bedeutenden Anteils des jüdischen Proletariats. Sie entwickelten eine Tradition, die sich sowohl gegen antisemitische Unterdrückung als auch gegen Klassenausbeutung richtete. Aber es ging um mehr. Sie bekämpften nicht jeden Feind isoliert. Das jüdische Proletariat war in Osteuropa konzentriert, wo die Juden eine relativ kleine Minderheit der Bevölkerung darstellten. Sie waren zu wenige, um die rassistische Unterdrückung zu bekämpfen. Es bedurfte der klassenübergreifenden Solidarität.

Auch für Nichtjuden war klar, dass die für den Kampf gegen die Ausbeutung notwendige Klasseneinheit unmöglich zu erreichen war, solange das Proletariat durch Rassismus gespalten oder abgelenkt blieb. Als die zaristischen Pogrome unter der Parole „Rettet den Zaren, schlagt die Juden“ stattfanden, war klar, dass die jüdische Frage von Nichtjuden nicht länger ignorieren werden konnte.

Dies ist auch heute relevant. Die Superreichen, die den Planeten zerstören, Kriege führen, massive soziale Probleme, Armut und Elend verursachen, nutzen Rassismus, Sexismus, Transphobie und extremen Nationalismus als Waffen, um die Kontrolle zu behalten. Der Kampf gegen Unterdrückung allein reicht nicht aus, genauso wie der isolierte Kampf gegen Ausbeutung nicht ausreicht. Die radikale jüdische Tradition enthält daher viele Lehren für die Gegenwart, und diese sind nicht theoretischer Natur. Marx’ Autorenschaft des Kommunistischen Manifests, Trotzkis Rolle in der Russischen Revolution und die überproportionale Präsenz jüdischer Radikaler in linken Bewegungen zeigen, dass der Weg zu menschlicher Befreiung beide Kämpfe vereint.

Ihr habt euch dazu entschieden vor der israelischen Staatsgründung 1948 auch linkszionistische Perspektiven mit zur radikalen jüdischen Tradition zu zählen.​​​​​​​ In welcher Beziehung standen diese linken zionistischen Perspektiven zu anderen radikalen Bewegungen und zum allgemeinenZionismus? Und inwiefern ändert sich die Rolle der linken Zionisten nach der Nakba im Jahr 1948?

Der Zionismus als organisierte politische Strömung wurde auf seinem ersten Kongress im Jahr 1897 gegründet. Er spaltete sich schnell in verschiedene Strömungen auf. Die arbeiterzionistische (oder sozialistische zionistische) Strömung ist wichtig, da sich zahlreiche wichtige radikale Aktivisten aus der Arbeiterklasse an ihr beteiligten. In den Jahren des Ersten Weltkrieg, als die sozialistische Bewegung des 19. Jahrhunderts im Umbruch war und die bolschewistische Revolution von 1917 stattfand, versuchten einige jüdische Sozialisten, den Sozialismus mit dem jüdischen Nationalismus zu verbinden. In unserem Buch diskutieren wir Nachman Syrkin und Ber Borochov sowie ihre jeweiligen Organisationen, die Zionistische Sozialistische Arbeiterpartei und Poale Zion. Beide lebten in einer verkehrten Welt, in der sich Nationalismus und Sozialismus vermischten, während die Existenz der arabischen Mehrheit in Palästina ignoriert wurde. Diese Mischung von nationaler und klassenbezogener Identität ist dem linken Reformismus im Allgemeinen eigen, wo Widerstand gegen das System und die Vorstellung eines „nationalen Interesse“ nebeneinander existieren. Zwar waren ihre theoretischen Positionen widersprüchlich, doch waren ihre Mitglieder Teil der damaligen Kämpfe, insbesondere der jüdischen Selbstverteidigungsgruppen vor dem Ersten Weltkrieg gegen die Pogrome im zaristischen Russland.

Im Polen der 1930er Jahre war Poale Zion weiterhin innerhalb jüdischer Selbstverteidigungsgruppen aktiv. Eine andere sozialistische zionistische Jugendgruppe, Hashomer Hatzair, war in Polen ebenfalls zahlenmäßig erfolgreich, obwohl ihre Mitglieder größtenteils aus der Mittelschicht stammten. Die Gruppe bezeichnete sich als marxistisch und einige später bedeutende marxistische Führungspersönlichkeiten waren ursprünglich in dieser Organisation aktiv. Während des Zweiten Weltkriegs spielten Mitglieder von Hashomer Hatzair im besetzten Osteuropa zudem eine sehr bedeutende Rolle im Untergrundwiderstand gegen die Nazis. Am bekanntesten ist Mordechai Anielewicz, der Kommandant der jüdischen Kampforganisation während des Aufstandes im Warschauer Ghetto.

Bis 1948 waren alle Strömungen des Zionismus politische Parteien ohne Macht und dürfen nicht wie Staaten beurteilt oder mit ihnen verglichen werden.

Doch nach der Gründung des Staates Israel änderten sich die Umstände vollständig. Die dominierende politische Strömung in Palästina während des gesamten 20. Jahrhunderts war der Arbeiterzionismus, er führte die Kampagne der sogenannten „Eroberung der Arbeit“ an, die darauf abzielte, eine alternative Wirtschaft durch jüdische Siedler aufzubauen, die die Palästinenser ausschloss. Die Kibbuzim gaben vor, Pioniere einer sozialistischen Lebensweise zu sein, sie spielten jedoch eine zentrale Rolle bei der kolonialen Landbesiedlung, bei der Enteignung von Palästinensern und für das israelische Militär.

Nach 1948 dominierten Mitglieder des arbeiterzionistischen Flügels die israelische Regierung und deren expansionistische und Apartheids-Politik.

Das Buch schließt mit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. Welche Bedeutung hat das Erbe der radikalen jüdischen Tradition für jüdische und nichtjüdische Sozialisten heute?

Die radikale jüdische Tradition stand dem Zionismus aus mehreren Gründen grundlegend entgegen. Erstens bedeutete er die Aufgabe des Kampfes gegen den Rassismus im eigenen Land, da er die Flucht nach Palästina bedeutete. Zweitens akzeptierte er die Vorstellung, dass Juden und Nichtjuden nicht koexistieren können, er akzeptierte damit auch die Grundlage des Rassismus.

Der Staat Israel wurde 1948 nicht aufgrund des Holocausts und der „Endlösung“ gegründet, sondern war Folge der Politik im Nahen Osten – die Briten hatten ein grausames Spiel im Nahen Osten betrieben, indem sie zionistische Juden gegen die palästinensische Bevölkerung ausspielten. Als Großbritannien durch den Weltkrieg geschwächt war, nutzten die Zionisten die Gelegenheit, um die Kontrolle zu ergreifen und die Nakba voranzutreiben.

Die radikale jüdische Tradition hat daher mehrere Implikationen. Sie widerlegt die Behauptung der Zionisten, sie hätten stets die jüdische Mehrheit vertreten. Das ist schlichtweg falsch. Bevor Hitler an die Macht kam und der Weltkrieg begann, waren antizionistische Juden weitaus zahlreicher und die Zionisten wesentlich schwächer.

Daraus ergibt sich ein zweiter wichtiger Punkt. Israel behauptet, dass die Durchführung eines Völkermords in Gaza, eine Politik der Apartheid im eigenen Land oder die wiederholten Invasionen seiner Nachbarn das Schicksal der Juden und eine 2000 Jahre zurückreichende historische Kontinuität darstellen. Die Existenz der radikalen jüdischen Tradition in der Vergangenheit zeigt auch, wie falsch dies ist.

Daraus ergibt sich ein dritter Punkt. Diejenigen, die Israel heute kritisieren, ob sie nun jüdisch sind oder nicht, sind nicht antisemitisch, sie sind antizionistisch. Es ist der israelische Staat, der einen Bruch mit einer großartigen Tradition menschlicher Solidarität und des Sozialismus darstellt und diese zerstört.

Verschiedene Stimmen, beispielsweise Ilan Pappé, argumentieren, dass sich der Zionismus in einer schweren Krise befindet, die die Existenz des Staates Israel selbst in Frage stellt. Pappé betont dabei die Bedeutung der Entwicklung neuer jüdischer Identitäten und Perspektiven, die über das Ende des Zionismus hinausweisen können. Welche Rolle spielt eurer Meinung nach der Verweis auf die radikale jüdische Tradition, wie ihr sie beschreibt, in diesem Zusammenhang?

Wir sind hinsichtlich der Krise des Zionismus nicht so optimistisch wie Ilan. In gewisser Hinsicht ist das, worauf er hinweist, natürlich wahr. Die Geschichten, die der israelische Staat über sich erzählte, er sei die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten, mit der humansten Armee usw. usw., werden durch das, was in Gaza geschehen ist, völlig entlarvt. Die Lügen, die seit der Nakba im Jahr 1948 verbreitet wurden, werden heute von der überwiegenden Mehrheit der Weltbevölkerung als komplett hohl angesehen. Und innerhalb Israels selbst bröckelt die Vorstellung, dass das Land ein sicherer Ort für Juden sei, mit jeder fallenden Bombe und jedem neuen israelischen Angriffskrieg.

Betrachtet man jedoch die Meinungsumfragen, so ist keine Schwächung des Zionismus als Staatsideologie zu erkennen. Es herrscht Uneinigkeit darüber, welche Politik für diesen Staat am besten zu verfolgen ist, nicht jedoch über den grundlegenden zionistischen Glauben an einen exklusiven jüdischen Staat. Es gibt eine sehr wichtige Minderheit, die sich dagegenstellt, und sie verdient Respekt, aber sie ist eine Minderheit. Und angesichts der objektiven Vorteile, die selbst der ärmste jüdische Israeli gegenüber seinem arabischen Nachbarn hat, sowie der Flut von Waffen und der westlichen Unterstützung, die Israel zuteilwird, erscheint es unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der israelischen Bevölkerung mit dem Zionismus brechen und die Palästinenser als ihre Schwestern und Brüder annehmen wird.

Der Kern der radikalen jüdischen Tradition lässt sich durch das Zitat von Marek Edelman zusammenfassen, das am Ende des Buches steht. Er war einer der Kämpfer des Aufstands im Warschauer Ghetto und erkannte, dass die Palästinenser in der Intifada für dieselbe Sache kämpften – für Menschlichkeit und soziale Gerechtigkeit. Die radikale jüdische Tradition ist wichtig, weil sie ein Wegbereiter der größten internationalen politischen Bewegung der Weltgeschichte ist, der Bewegung, um Gaza gegen den Völkermord zu unterstützen. Der Kampf geht weiter, nicht nur in Gaza, sondern zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels auch im Libanon, gegen den Krieg im Iran und für den Sozialismus und gegen die Barbarei, die der Kapitalismus überall hervorbringt.


Das Buch „Die radikale jüdische Tradition“ von Donny Gluckstein und Janey Stone ist im Verlag „Die Buchmacherei“ erschienen und kostet 20 Euro. 


  1. Tony Michels (Hrsg.) 2012, „Introduction: the Jewish-Socialist nexus“, in Michels, Tony (Hrsg.), 2012, Jewish Radicals: a Documentary History, New York University Press, New York. ↩︎