Ist der Iran das Grab des US-Imperiums – Die Kosten des amerikanisch-israelischen Angriffskriegs

31. März 2026

Die Entwicklungen seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Israels und der USA auf die Islamische Republik Iran werfen viele große Fragen auf: Wie steht es wirklich um die nuklearen Pläne des Iran? Wie sehr erfolgte der Angriff auf israelischen Druck hin und gegen die Einschätzungen vieler US-Generäle? Welche Rolle haben dabei die Verbindungen zwischen dem Mossad und Trumps Lieblingskinderhändler Epstein gespielt? Auch für die Zukunft bleiben viele Fragen offen: Wie lange wird die militärische Eskalation noch andauern und wie viel zerstörerischer wird sie noch werden? Die Möglichkeiten scheinen von einer baldigen Lösung bis hin zum langwierigen Flächenbrand, der das Leben im Nahen Osten zu großen Teilen auslöscht, zu reichen. Welche Perspektiven gibt es für die iranische Protestbewegung nach einem solchen Krieg, ganz unabhängig davon, wer als „Sieger“ da steht?

Doch einige Folgen dieses Krieges lassen sich schon jetzt sehr klar erkennen. Fast schon unabhängig davon, ob es Trump und Netanjahu am Ende doch noch gelingt, die Islamische Republik zu stürzen: Das US-Imperium hat jetzt schon Schläge eingesteckt, die nicht einfach so verschwinden werden und die Macht des Welthegemon wird vermutlich nie wieder dieselbe sein wie vor dem 28. Februar 2026.

Ein neues Vietnam? 

Während sich der aktuelle Kriegsverlauf in deutschen Medien vor allem daraus ablesen lässt, wie sehr sich europäische Regierungen, sehr zu Trumps Unmut, vom Krieg zu distanzieren versuchen und vor weiteren Eskalationen warnen, zeichnet sich international ein deutlicheres Bild ab: Zähneknirschend geben selbst die meisten Verteidiger des US-Imperialismus zu, dass der schnelle Regimechange nach dem Vorbild Maduro im Iran offensichtlich nicht funktioniert, Trump verkündet in seinen Pressekonferenzen beinahe in jedem Satz widersprüchliche Einschätzungen der Lage und Analysten sprechen teilweise von einem militärischen Desaster in einer Liga mit der Niederlage von Vietnam.

Auch wenn im Vorhinein der jetzigen militärischen Eskalation propagandistisch immer wieder die Schwäche des iranischen Staats betont wurde, so ist es doch erstaunlich, dass die USA so von der iranischen Gegenwehr überrascht sind. Schon Jahre zuvor warnten Experten innerhalb und außerhalb der US-Regierung davor, dass ein amerikanisch-zionistischer Angriff auf den Iran nur wenig Erfolgsaussichten habe. Insbesondere die geografische Lage des Iran – wie eine natürliche Festung von Bergen eingerahmt und mit der strategisch bedeutsamen Position an der Straße von Hormuz – wurde dabei schon in den vergangenen Jahren als entscheidender Faktor betont, der zum einen das Lahmlegen der gesamten Weltwirtschaft ermöglicht und zum anderen jeden Versuch einer Bodeninvasion zum Selbstmordkommando machen muss.

Zusätzlich scheinen die Entscheidungsträger dieses Angriffs in Washington und Tel Aviv tatsächlich ihrer eigenen Propaganda geglaubt zu haben und die zurückhaltende militärische Aktivität, die die islamische Republik über die letzten Jahre zeigte, als Zeichen gedeutet zu haben, dass mehr nicht möglich sei. Wie falsch diese Einschätzungen waren, zeigen die iranischen Raketenangriffe, die trotz der modernsten Luftabwehrsysteme von USA und Israel immer wieder ihr Ziel erreichen. Vor allem mit kostengünstigen Raketen und Drohnen werden die Kapazitäten der Abfangsysteme kontinuierlich überlastet. Eine Shahed-Drohne im Wert von ca. 20.000 $ kann dabei Abfangmunition mit 50 bis 200fachen Wert verbrauchen. Und das, während die iranischen Streitkräfte ihre modernsten und effektivsten Raketen vermutlich noch zurückhalten. Dass der Iran über wesentlich besser entwickelte Waffensysteme als angenommen verfügt, zeigte der Treffer eines F-35 Jets, der anschließend notlanden musste. Der F-35 galt bisher als DAS Symbol amerikanischer Überlegenheit, sollte er doch quasi für alle Waffensysteme so gut wie unsichtbar sein und bisher noch in keinem Konflikt getroffen worden sein.

Gleichzeitig erreicht der Iran seine Kriegsziele mit diesen militärischen Leistungen, ohne sich auf die von Trump immer wieder angesprochenen Verhandlungen einzulassen. Geforderte Reparationen lassen sie sich so durch die Gebühren finanzieren, die sie in der Straße von Hormuz einnehmen und das Aufheben von Sanktionen, das seit Jahren eins der obersten Ziele iranischer Außenpolitik ist, wurde Ihnen von Trump nun zugestanden, nur um die in die Höhe schießenden Ölpreise wenigstens etwas zu verlangsamen.

Anders als es wenigstens Trump also angenommen zu haben scheint, war die zurückhaltende militärische Aktivität des Iran über die letzten Jahre kein Zeichen dafür, dass für die iranischen Streitkräfte mehr nicht möglich ist, sondern vielmehr dafür, dass sie den Konflikt mit dem Westen nicht nur auf dem rein militärischen Feld führen.

Wer sind hier eigentlich die Guten?

Der Iran war über Jahrzehnte einer der isoliertesten Staaten der Welt. Insbesondere mit den Protestwellen der letzten Jahre hatte er auch in der moralischen Bewertung der internationalen Gesellschaft nicht gerade einen vorteilhaften Stand. Dass es der iranischen Regierung dennoch gelingt, die öffentliche Meinung so stark gegen die angreifenden USA zu wenden, spricht Bände über die strategischen Totalausfälle der Trump-Regierung, aber auch darüber, dass die iranische Strategie offensichtlich aufgeht. Entgegen amerikanischer und israelischer Propaganda, die den Iran über Jahre als großen Aggressor darstellen sollte, zeigt das jetzige Vorgehen doch, dass über die letzten Jahre mit großer Zurückhaltung gehandelt wurde und auch das jetzige militärische Vorgehen scheint trotz der sehr viel höheren Aktivität doch das Bild wahren zu wollen, dass der Iran sich nur im Rahmen notwendiger Verteidigung bewegt. Auch gegenüber den arabischen Nachbarstaaten wird immer wieder betont, dass die Angriffe lediglich der amerikanischen Militärpräsenz gelten und nicht den Staaten selbst.

Der Kampf darum, wem hier die Sympathien der Weltöffentlichkeit zustehen, wird dabei von beiden Seiten auch auf Social Media geführt. Auf der einen Seite greifen die amerikanischen Verbündeten – von den Golfstaaten bis Israel – zu genau dem Mittel, das doch eines der Argumente für die Bosheit des Iran war: rigorose Zensurmaßnahmen, um zu verbergen, wie schwer die Schäden im eigenen Land tatsächlich sind. Auf der anderen Seite wird auch KI von beiden Seiten eingesetzt, sodass Videos von Raketenschlägen, brennenden Flugzeugträgern und angeblichen Treffern immer doppelt und dreifach hinterfragt werden müssen. Mit die absurdeste Form dieser Entwicklung stellen wohl KI-generierte Propagandavideos sowohl der amerikanischen als auch der iranischen Regierungen dar, die die eigene Überlegenheit betonen und den Gegner lächerlich machen. Auch dabei gelingt es dem Iran, die Oberhand zu gewinnen. Auch dank selbstbewusster Reaktionen auf Trumps widersprüchliche Aussagen, die immer wieder mit einem lächelnden „na dann komm doch, wir warten“ antworten, geht die iranische Medienstrategie voll auf.

Auch das Moment, das der Iran durch die Blockade der Straße von Hormuz geschaffen hat, nutzt er bewusst, um sowohl Druck auf die USA aufzubauen und gleichzeitig eigene internationale Beziehungen zu stärken. Während Trump am 24.03. bekannt gab, er habe ein persönliches Geschenk vom Iran erhalten, das den Verhandlungswillen der iranischen Regierung zeige, ließ die auch diese Behauptung nicht lange unwidersprochen stehen. Tatsächlich bezog Trump sich dabei auf die iranische Zusage, ‚nicht-feindlichen‘ Schiffen die Durchquerung der blockierten Meerenge zu erlauben. Alles andere als ein Geschenk an die USA, sondern vielmehr ein Zeichen an den Rest der Welt, dass der Iran mit den Schlägen gegen die Weltwirtschaft nur die USA und ihre engen Verbündeten adressiert und für eine positive Beziehung mit anderen Staaten mehr als bereit ist. Wie sehr das die Hegemonie der US-Weltordnung untergraben soll, zeigt auch, dass für die Durchfahrt teilweise Gebühren erhoben wurden, die aber nicht in US-Dollar, sondern in chinesischen Yuan bezahlt werden müssen. Damit untergräbt das iranische Vorgehen auch die Dominanz des ‚Petrol-Dollar‘ als Weltwährung.

Bleibende Schäden für US-Hegemonie im Mittleren Osten

Unabhängig davon, ob es der Koalition von Trump und Netanjahu am Ende doch noch gelingt, den Iran in die Knie zu zwingen oder die USA irgendwann ihr Scheitern eingestehen: Die Vorherrschaft der USA über den Nahen Osten wird wohl nie wieder die gleiche sein wie zuvor. Die Golfstaaten stehen zwar aktuell noch klar auf der Seite der USA, fordern härtere Angriffe gegen den Iran und versuchen neben den bereits erwähnten Repressionen mit gezielten Influencerkampagnen die Gefahr kleinzureden, in der sie schweben.

Am Ende ist eines aber klar: Die USA konnten ihr Versprechen nicht einhalten, dass die Stationierung ihrer Militärbasen auf dem Gebiet der Golfstaaten mehr Sicherheit bringen würden. Im Gegenteil, gerade diese Militärbasen sind jetzt der Grund für die massiven Luftangriffe durch den Iran. Dass die Golfstaaten im Falle eines Kriegs mit dem Iran zu den größten Verlierern gehören könnten, dürften auch die diplomatischen Anstrengungen zeigen, die vor Kriegsbeginn auf eine nicht-militärische Lösung hinarbeiteten und allem Anschein nach zumindest den Beginn des amerikanisch-israelischen Angriffs hinauszögern konnten. Und die Zerstörung droht noch deutlich größer zu werden. Als Antwort auf angedrohte und mittlerweile teilweise begonnene Angriffe auf die iranische Stromversorgung, die die iranische Gesellschaft hart treffen würden, kündigte die Regierung an, die Wasserversorgung der Region in irreversiblem Maße lahm zu legen. Da die Golfstaaten zwischen 70 und 90 % ihrer Wasserversorgung
in aufwendigen Entsalzungsanlagen aufbereiten müssen, könnte das den kompletten Zusammenbruch des gesellschaftlichen Lebens für diese Staaten bedeuten. Sollten sie diese drohenden Eskalationen überstehen, dürfte danach die Frage aber klar im Raum stehen, wie stark eine primäre Fokussierung auf die USA als Schutzmacht, wirklich den Interessen der Golfstaaten entspricht. 

Die Risse im Imperium zeigen sich weltweit 

Und nicht nur im Nahen Osten müssen US-Verbündete überdenken, wie verlässlich US-Sicherheitsgarantien tatsächlich sind. Der Fakt, dass US-Militärbasen auf dem eigenen Staatsgebiet weniger Schutz als Zielscheibe darstellen könnten, dürfte auch für Staaten im Spannungsfeld zwischen dem Westen und Russland oder China ein mahnendes Beispiel darstellen. Noch viel mehr, da die USA deutlich machen, wie wenig Verlass auf die von ihnen gegebenen Sicherheitsgarantien ist, wenn sich die Interessen der Weltmacht verschieben. So zogen die USA, als klar wurde, wie schnell Irans Drohnen die Arsenale an Abfangraketen der Verbündeten im Nahen Osten verbrennen, schon kurz nach Beginn des Krieges ein THAAD-Raketenabwehr-System (eines von acht weltweit) aus Südkorea ab, um es in den Nahen Osten zu verschiffen. Und auch in Bezug auf die Ukraine kündigte Trump an, für den Krieg gegen Russland bestimmte NATO-Mittel in Höhe von 750 Mio. US$ umzufunktionieren, um auf den Mangel an Patriot und THAAD-Abwehrraketen im Nahen Osten zu reagieren. So wie Trump die Sanktionen gegenüber iranischem Öl ausgesetzt hat, hat er auch die Sanktionen gegenüber Russland pausiert.

Damit entwickelt sich der Krieg also auch ohne deren direktes Eingreifen in eine sehr positive Richtung für die beiden großen Konkurrenten der amerikanischen Weltherrschaft Russland (Schwächung der Ukraine, Sanktionen ausgesetzt) und China (wachsende Bedeutung des Yuan, amerikanische Verbündete, die sich vermutlich nicht mehr einseitig auf amerikanische Garantien verlassen werden wollen).
Sieg oder Niederlage – am Ende dieses Krieges wird das US-Imperium mit Sicherheit noch nicht in Trümmern oder im Grab liegen, aber es wird doch ein ganzes Stück schwächer und instabiler sein als zuvor. Und das in einer Zeit der zunehmenden Krisen, in der es sich das eigentlich nicht wirklich leisten kann.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_first_of_two_Terminal_High_Altitude_Area_Defense_(THAAD)_interceptors_is_launched_during_a_successful_intercept_test_-_US_Army.jpg