Kampf für den Kongo – im Klammergriff von Krieg und neokolonialer Ausbeutung

15. Januar 2026

Daniel Kalalizi ist ein junger kongolesischer Aktivist, der sich für Klimagerechtigkeit, Menschenrechte und politische Bildung einsetzt. Er ist Mitbegründer einer von Jugendlichen geführten Organisation namens „Act for Tomorrow“, die im Osten des Kongo tätig ist. Act for Tomorrow organisiert insbesondere Gemeinschaftsaktionen und Bildungen für Jugendliche aus armen Verhältnissen. Daniel befindet sich derzeit im Osten des Kongo, in der Stadt Bukavu, die von der durch Ruanda gesteuerten M23-Miliz besetzt ist. 

Hallo Daniel, kannst du uns einleitend etwas über die Lage in der Demokratischen Republik Kongo erzählen? 

Im Allgemeinen ist unser Land in einer schwierigen Situation. Im Osten, wo ich mich gerade befinde, dauern die bewaffneten Konflikte an. Außerdem werden die natürlichen Ressourcen ausgebeutet, insbesondere durch den Bergbau. Die Bevölkerung lebt in einer prekären Situation mit begrenztem Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Nahrungsmitteln. Gemeinsam mit den Jugendlichen kämpfen wir mit der lokalen Bevölkerung um Lösungen für diese Probleme. Das gilt vor allem für die Menschen, die unter der Besatzung der M23-Miliz leiden. (Anfang 2025 wurde der Krieg im Osten des Kongos ausgeweitet und die Großstädte Goma und Bukavu durch die M23 Miliz besetzt, welche dadurch Rohstoffreiche Regionen unter ihre Kontrolle bringen konnten ,Anm. d. Red.

Im Dezember wurde durch Donald Trump ein Friedensabkommen zwischen Kongo und Ruanda geschlossen. Es wurde viel geredet, aber konkrete Ergebnisse blieben aus. In Wirklichkeit gibt es keinen Frieden, er existiert nur auf dem Papier. Auch das von den USA vermittelte Friedensabkommen dient letztendlich der Ausbeutung des Kongo. Es ermöglicht den USA die langfristige Ausbeutung der Bergbaugebiete im Osten des Landes und ist somit ein regelrechter Ausbeutungspakt, der die Souveränität unseres Landes bedroht. Die auferlegten Bedingungen ermöglichen amerikanischen multinationalen Konzernen freien Zugang zu den Bodenschätzen, oft ohne echte Garantien für die lokale Bevölkerung oder die Einhaltung von Umweltstandards. Es ist notwendig, solche schädlichen Abkommen anzuprangern und dagegen Widerstand zu leisten.

Wie können wir uns die Situation unter der Besatzung der M23-Miliz vorstellen und welche internationale Dimension hat der Krieg?

Im Ostkongo sind die Grenzen geschlossen, was bedeutet, dass keine Importe und Exporte möglich sind. Auch die Banken sind geschlossen. Die M23-Miliz steht in direkter Verbindung zu Ruanda. Ruanda nutzt die kongolesische Bevölkerung für seine Zwecke aus. Wir müssen aber auch fragen, warum an den Verhandlungen über einen Waffenstillstand, an denen Katar und die USA beteiligt sind auch Ruanda beteiligt ist. Kein anderes Nachbarland des Kongos außer Ruanda ist in diesen Verhandlungen beteiligt. 

Wenn über die Freiheit Gazas gesprochen wird, ohne auch über die Freiheit des Kongos zu sprechen, dann ist das, wie Fufu ohne Fleisch zu essen. Die Verbindung zwischen dem Kongo und Gaza besteht in einem gemeinsamen Kampf gegen koloniale und neokoloniale Unterdrückung. Wir leiden unter einem System, das unsere Ressourcen und unser Land ausbeutet und uns gleichzeitig unser Recht auf Selbstbestimmung verweigert. Ich rede also von einer internationalen Solidarität unter den Opfern von Krieg, ausländischer Herrschaft und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit, die es braucht. 

In deinen Projekten arbeitest du mit Jugendlichen zusammen, die in den Minen arbeiten. Auch Waisenkinder sind darunter. Wie ist die Situation dieser Menschen? 

Die Kinder hier im Osten des Kongo leben unter schlechten Bedingungen. Unsere Organisation „Act for Tomorrow” setzt sich gegen Kinderarbeit ein. Aufgrund der Kriegssituation schließen sich viele junge Menschen bewaffneten Organisationen an oder führen Raubüberfälle durch, um zu überleben. Wir haben eine Kampagne gegen Kinderarbeit gestartet und helfen Waisen und anderen Menschen. Wir sprechen mit den Familien und diskutieren mit ihnen, wie sie verhindern können, dass ihre Kinder in den Minen arbeiten müssen. Die meisten jungen Menschen sind etwa 18 Jahre alt, wenn sie dort zu arbeiten beginnen. Wir möchten ihnen einen Eindruck von den schweren Arbeitsbedingungen und den Gefahren in den Minen vermitteln.

Diese Minen haben einen großen Einfluss auf die Umweltverschmutzung und zerstören das Leben der Menschen. Unser Ziel ist es, diese jungen Menschen zu bilden, damit sie sich auch in Zukunft für einen besseren Kongo einsetzen können. Wir veranstalten deshalb auch gemeinsame Mittagessen, ein sogenanntes Solidaritätsessen, und wir tanzen viel. Teilweise laufen wir für diese Veranstaltungen kilometerweit von Dorf zu Dorf, aber das zahlt sich aus. Zu unserem letzten Solidaritätsessen kamen 150 Kinder und ihre Familien.

Kannst du uns noch etwas über die Ziele deiner Arbeiten erzählen?

Im östlichen Teil des Kongo gibt es wirklich viele Bergbaustätten. Es gibt einerseits den industriellen Bergbau und andererseits den Abbau von Rohstoffen ohne viele Mittel. Das bedeutet, dass eigentlich jeder graben und den Schlamm verkaufen kann, aus dem dann die Rohstoffe gewonnen werden. 

Im Kongo können Länder wie China und die USA mit dem Bergbau viel Geld verdienen. All die Ungerechtigkeiten die mit dieser Situation einhergehen habe ich um mich herum gesehen und musste deshalb aktiv werden. Für mich war klar, dass ein Wandel nicht von oben kommen würde, sondern von der Basis, von den jungen Menschen. Wir wollen eine gerechte Gesellschaft aufbauen, in der alle Kongolesen in Würde leben und an den Entscheidungen, die sie betreffen, mitwirken können. Wir wollen, dass die Menschen in Frieden leben können. Unsere Aktionen werden Wirkung zeigen. Ich möchte wiederholen: Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden. Wir müssen arbeiten und vielleicht müssen wir auch leiden.

Im Dezember 2024 entkam ich selbst nur knapp einer Entführung in Bukavu. Drei Personen versuchten, mich zu entführen, aber ich konnte fliehen. Zu dieser Zeit war die M23-Miliz nicht in dieser Stadt, also war die kongolesische Regierung verantwortlich dafür. Sie fragten mich nach meinem Namen und warum ich Aktivist bin und was ich in Süd-Kivu, in unserer Region, ändern möchte. In dieser Zeit hatten wir eine Kampagne gegen eine Ölgesellschaft, die für viel Plastikverschmutzung verantwortlich ist. Damit wurde auch Druck auf die Leute in der Regierung ausgeübt, weil sie auch Geld von diesen Unternehmen verdienen. Trotzdem kämpfe ich weiter für einen freien Kongo.

Wie hängt deiner Meinung nach der Kampf für die Umwelt mit anderen Kämpfen zusammen? 

Das Thema Ökologie ist eng mit Armut verbunden. Die Ausbeutung führt zu einer Unterdrückung der schwächsten Menschen im Kongo. Kinder werden gezwungen, Rohstoffe abzubauen, was auch die Umwelt zerstört. Hier für das Klima zu kämpfen bedeutet auch, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Wir haben in 11 Schulen eine Kampagne zur Klimabildung durchgeführt, bei der wir mit den Kindern über den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf ihre Bildung und ihr Leben gesprochen haben. Gemeinsam haben wir beispielsweise Bäume gepflanzt. 

Die Auswirkungen des Bergbaus sehen wir in der Umgebung der Bergbaustätten. Pflanzen können aufgrund der verwendeten Chemikalien nicht wachsen, und diese werden einfach in die Flüsse gekippt. Auch die Gesundheit der Menschen in der Umgebung ist stark beeinträchtigt. Die Regierung erlaubt den Unternehmen den Bergbau und zwingt die armen Menschen, ihre Häuser zu verlassen, ohne ihnen eine andere Bleibe zu bieten. Wenn wir nicht handeln, werden wir den Kongo verlieren. Deshalb müssen wir uns um die schutzbedürftigen Menschen und diejenigen kümmern, die vom Krieg betroffen sind. Auch wenn ich aus dem Kongo komme, muss ich mich für den Sudan und Palästina einsetzen. Lasst uns also zusammenkommen und alles tun, was möglich ist, um den Kongo zu verändern.