Sudan: Öffentliche Erklärung zum Massaker an Krankenhaus von Ed-Daein

30. März 2026

Seit April 2023 hält der Krieg im Sudan an. Seit fast drei Jahren liefern sich die ‚Sudanesischen Streitkräfte‘ und die ‚Rapid Support Forces‘ brutale Kämpfe um die Vorherrschaft und damit die Kontrolle der Ressourcen des Landes. Beide Seiten führen gedeckt durch eine Vielzahl regionaler Mächte einen rücksichtslosen Krieg, in dem Schätzungen zufolge bereits über 250.000 Zivilist:innen getötet wurden. Eine immer größere Rolle bei diesen Massakern spielen, wie in so vielen Kriegen heutzutage auch hier Drohnen. Der Einsatz westlicher Technik bei dem zahlreichen Blutvergießen ist so gut wie sicher. Im vergangenen Jahr wurden bereits Sturmgewehre von Heckler und Koch auf Seiten der RSF-Miliz gesichtet, die über die Vereinigten Arabischen Emirate ins Land gespült sein sollen. Am 22. März wurden in einer erneuten Gräueltat 64 Menschen, darunter 13 Kinder, bei der Bombardierung eines Krankenhauses in der Region Ost-Darfur hingerichtet. 

Im Folgenden veröffentlichen wir eine Übersetzung der Erklärung zu den Ereignissen aus dem Al-Maidan, der Zeitung der Kommunistischen Partei Sudan.


Öffentliche Erklärung zum Massaker am Krankenhaus von Ed-Daein

Erneut fallen sudanesische Zivilistinnen und Zivilisten unter dem Hagel des Schweigens und der Komplizenschaft der internationalen Gemeinschaft, während die beiden Kriegsparteien weiterhin Massaker an einer wehrlosen Bevölkerung verüben. Dieses sich wiederholende Bild macht das Leid des Sudan zu einem Schandfleck auf der Stirn der Menschheit.

Die Bombardierung und Zerstörung des Krankenhauses von Ed-Daein ist ein weiterer Beleg für die Entschlossenheit beider Kriegsparteien, den Krieg fortzusetzen, Sudanesen zu töten und die öffentliche Infrastruktur systematisch zu zerstören.

Das Leugnen der Verantwortung durch beide Seiten für die Verbrechen und die weitreichenden Verstöße gegen das Völkerrecht und das humanitäre Völkerrecht erfordert unabhängige internationale Untersuchungen.

Die Massaker in Darfur stellen eine Fortsetzung der Politik des Regimes von Omar al-Bashir dar, die Region durch Völkermord, Kriegsverbrechen und Zwangsvertreibung zu entvölkern, um die Kontrolle über Land und Ressourcen zu erlangen. Diese Politik wird heute von beiden Kriegsparteien umgesetzt.

Bloße Verurteilungen und Bekundungen der Empörung reichen nicht aus angesichts der anhaltenden Massaker, der Zerstörung öffentlicher und privater Einrichtungen sowie der Tötung Unschuldiger – einschließlich Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in verschiedenen Teilen des Sudan.

Der Angriff auf das Krankenhaus von Ed-Daein mittels bewaffneter Drohnen führte zum Tod einer großen Zahl von Kindern, Kranken, Ärztinnen und Ärzten sowie medizinischem Personal.

Das Massaker von Ed-Daein steht im Zusammenhang mit der systematischen Bombardierung von mehr als zweitausend Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land, die laut zahlreichen Berichten vertrauenswürdiger Quellen zum Tod von über 220 Ärztinnen und Ärzten sowie mehr als 300 medizinischen Fachkräften geführt hat.

Verurteilungen allein reichen nicht aus, um diesen fortgesetzten systematischen Verbrechen und weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen entgegenzutreten, die seit mehr als zwei Jahrzehnten andauern, insbesondere in Darfur sowie in den Nuba-Bergen und im Bundesstaat Blauer Nil.

Die Kommunistische Partei ruft zur Bildung einer breiten Front aller Kriegs-gegnerischen Kräfte innerhalb und außerhalb des Sudan auf, um Proteste vor den Einrichtungen der United Nations – insbesondere in New York –, vor dem Menschenrechtsrat in Genf sowie vor internationalen Vertretungen und sudanesischen Botschaften weltweit zu organisieren. Dies soll im Rahmen einer koordinierten Kampagne mit Kräften im Inland geschehen, um den breiten Widerstand gegen die Fortsetzung des Krieges zum Ausdruck zu bringen.

Das Massaker am Krankenhaus von Ed-Daein stellt eine Wiederholung der Politik des Regimes von Omar al-Bashir gegenüber der Bevölkerung Darfurs dar. Tausende Dörfer und öffentliche Einrichtungen – darunter Krankenhäuser, Schulen, Märkte und Wasserressourcen – wurden durch Luftangriffe zerstört, sei es durch den Abwurf von Fassbomben oder durch Raketenangriffe von Antonow-Flugzeugen und Kampfhubschraubern, häufig wahllos und insbesondere in dicht besiedelten Stadtgebieten.

Der Einsatz bewaffneter Drohnen durch beide Kriegsparteien seit Beginn der Kämpfe am 15. April 2023 zeigt ihre Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben der Zivilbevölkerung sowie ihre Missachtung des internationalen Strafrechts, des humanitären Völkerrechts und internationaler sowie regionaler Abkommen. Dies bestätigt, dass beide Seiten zwei Seiten derselben Medaille sind – eine gemeinsame Hand, die den Sudan zerstört – und dass sie gemeinsam und jeweils einzeln für alle Verbrechen in Darfur verantwortlich sind, einschließlich Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord, ethnischer Säuberungen und Kriegsverbrechen.

Beide Parteien tragen die Verantwortung für sämtliche Verbrechen und weitreichenden Menschenrechtsverletzungen, die seit dem 15. April 2023 begangen wurden.
In diesem Zusammenhang ist es unerheblich, darüber zu spekulieren, wer den ersten Schuss in diesem anhaltenden Krieg zwischen zwei putschistischen Kräften abgegeben hat, die ohne Mandat des Volkes um die Macht ringen.

Die Sudanesische Kommunistische Partei bekräftigt ihre feste Position zur Notwendigkeit von Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht für alle an diesen Verbrechen Beteiligten sowie zur Auslieferung von Omar al-Bashir und seinen Mitstreitern, gegen die Haftbefehle des International Criminal Court in Den Haag vorliegen.

Sudanesischen Kommunistischen Partei
26. März 2026