Trumps Interesse an Grönland dürfte nicht nur, wie von ihm öffentlich behauptet, sicherheitspolitischer, sondern auch ökonomischer Natur sein.
Von Thomas Tews
In seiner am 21. Januar auf dem Jahrestreffen 2026 des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum, WEF) in Davos gehaltenen Rede begründete US-Präsident Donald Trump seine Ansprüche auf Grönland mit Sicherheitsinteressen aufgrund der „strategisch wichtigen Lage zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China“ – ein mehr als fadenscheiniger Vorwand, denn ein am 27. April 1951 mit Dänemark geschlossenes Militärabkommen gestattet es den USA, auf der seit 1814 zu Dänemark gehörenden Insel Grönland nach Belieben Militärbasen zu errichten und zu unterhalten (wobei von den während des Kalten Krieges auf Grönland bestehenden 17 US-Militärbasen mit zeitweise mehr als 10.000 Soldaten nur die Thule Air Base, die 2023 in Pituffik Space Base umbenannt wurde und in der kaum 200 Soldaten stationiert sind, verblieben ist). Zugleich bestritt Trump in Davos, extraaktivistische Ziele auf Grönland zu verfolgen, denn, „um an diese Seltenen Erden heranzukommen“, müsse „man Hunderte von Metern Eis durchdringen.“i
Trumps Negierung ökonomischer Interessen erscheint wenig glaubhaft angesichts der Tatsache, dass die arktische Region nicht nur an Seltenen Erden, sondern auch an anderen natürlichen Ressourcen wie Erdöl, Gas, Gold, Silber und Zink reich ist und weitere größere Rohstoffvorkommen unter dem Eis vermutet werden. Durch den Klimawandel könnten die Rohstoffe unter dem arktischen Eis zugänglich werden, was in den vergangenen Jahren zu verstärkter Explorationsaktivität führte. Von Grönlands Fläche von 2.166.086 km2 sind bereits 410.450 km2 eisfrei.ii
Wie schon W. I. Lenin in seiner vor 110 Jahren verfassten Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ darlegte, sind „nicht allein die bereits entdeckten Rohstoffquellen […] für das Finanzkapital von Bedeutung, sondern auch die eventuell noch zu erschließenden, denn […] Ländereien, die heute unbrauchbar sind, können morgen brauchbar gemacht werden“. Darin erblickte Lenin den Grund für „das unvermeidliche Streben des Finanzkapitals nach Erweiterung des Wirtschaftsgebietes, ja des Gebietes schlechthin.“ So sei „das Finanzkapital im allgemeinen bestrebt, möglichst viel Ländereien an sich zu reißen, gleichviel welche, gleichviel wo, gleichviel wie, immer auf mögliche Rohstoffquellen bedacht und von Angst erfüllt, in dem tollen Kampf um die letzten Stücke der unverteilten Welt oder bei der Neuverteilung der bereits verteilten Stücke zu kurz zu kommen.“iii
So vermag es nicht zu verwundern, dass Trump nach seiner Rede in Davos und seinem anschließenden dortigen Gespräch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC offen zugab, dass sich die USA und ihre NATO-Verbündeten im Rahmen ihrer künftigen Vereinbarung, auf deren Rahmen er sich mit Rutte geeinigt habe, Mineralrechte in Grönland teilen würden: „[…] und sie werden sich an den Mineralrechten beteiligen, genauso wie wir.“iv
Damit erweist sich einmal mehr die bereits von Lenin festgestellte „Tatsache, dass der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist“v, oder wie es Rosa Luxemburg formulierte: „Das Kennzeichen des Imperialismus als des letzten Konkurrenzkampfes um die kapitalistische Weltherrschaft ist […] die besondere Energie und Allseitigkeit der Expansion […].“vi
i „Greenland is a vast, almost entirely uninhabited and undeveloped territory, sitting undefended in a key strategic location between the United States, Russia and China. […] It’s not important for any other reason. You know, everyone talks about the minerals, there’s so many places… There’s no rare earth. No such thing as rare earth. There’s rare processing, but there’s so much rare earth, then to get to this rare earth, you have to go through hundreds of feet of ice. That’s not the reason we need it. We need it for strategic national security and international security.“ (https://www.weforum.org/stories/2026/01/davos-2026-special-address-donald-trump-president-united-states-america/ [letzter Zugriff am 24.01.2026]).
ii Der neue Kosmos Welt-Almanach & Atlas 2026. Daten, Fakten, Karten. Columbus, Krauchenwies 2025, S. 101, 468.
iii W. I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Gemeinverständlicher Abriß. In: W. I. Lenin, Werke. Band 22: Dezember 1915 – Juli 1916. Dietz, Berlin 1960, S. 189–309, hier S. 265 f.
iv „[…] and they’re going to be involved in mineral rights, and so are we.“ (https://www.cnbc.com/2026/01/21/trump-interview-live-updates.html [letzter Zugriff am 24.01.2026]).
v Lenin (Anm. 3), S. 260.
vi Rosa Luxemburg, Mensch sein ist vor allem die Hauptsache. Gedanken einer Revolutionärin. Hrsg. von Bruno Kern. 4. Auflage. Marix Verlag, Wiesbaden, S. 71.
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Iceberg_in_the_Arctic_with_its_underside_exposed.jpg