Archiv der Kategorie: Deutsch

[Grüße aus dem Binnenland VIII] Zehntausend gegen Erdogan

IMG_4081Mehr als 10.000 Menschen sind am Donnerstag in Wien gegen einen Besuch des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan auf die Straße gegangen. Aufgerufen hatte ein Bündnis von mehr als 40 migrantischen und linken Gruppen. Schon lange gab es keine so IMG_4121große Demo mehr in Wien. Vom Praterstern aus ging es nach der Auftaktkundgebung in der Venediger Au über die Reichsbrücke bis zur Albert-Schultz-Eishalle, wo ebenfalls mehr als 10.000 Erdogan-Fans auf ihr Idol warteten. Die Abschlusskundgebung der linken Demo und das Fan-Treffen waren durch Polizeiabsperrungen voneinander getrennt. [Grüße aus dem Binnenland VIII] Zehntausend gegen Erdogan weiterlesen

Hooligans in Uniform

Berlin: Polizei greift kurdische Demonstration an.

IMG_7064Eigentlich hätte es eine Demonstration wie jährlich dutzend andere auch werden können. Etwa 400 Unterstützerinnen und Unterstützer der kurdischen Befreiungsbewegung waren heute gegen 17 Uhr am Kottbusser Damm im Herzen Berlin-Kreuzbergs zusammengekommen, um gegen die jüngsten Übergriffe des türkischen Militärs in Lice zu demonstrieren. In der zur Provinz Diyarbakir gehörenden Stadt hatten in den vergangenen Wochen tausende Menschen gegen den Neubau eines Militärpostens protestiert, mittlerweile gibt es mindestens zwei Tote unter den Demonstranten, andere Quellen sprechen gar von vier. (Updates auf Englisch hier)

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Du sollst den Staat nicht verunglimpfen!

In Kreuzberg lassen Bullen die Feuerwehr anrücken, weil sie sich durch die Parole „Staat und Nazis Hand in Hand“ diskriminiert fühlen.

nsuplakatIn Berlin-Kreuzberg steht – an der Ecke Manteuffel- und Skalitzer Straße – ein Haus, dessen Wand von linken Bösewichten des öfteren zur Meinungsbekundung missbraucht wird. Neuerdings hing dort ein Plakat, auf dem an den Nagelbombenanschlag am 9. Juni 2004 in der Kölner Keupstraße erinnert wurde. Der mittlerweile den Neonaziterroristen des NSU zugeordnete Angriff war lange ungeklärt. Auf dem Plakat auch zu lesen war das Statement „Staat und Nazis Hand in Hand“. Das geht nun aber doch gar nicht, beschloss die Einsatzleitung der Berliner Polizei, und so rückte man am heutigen Dienstag Vormittag an, und entfernte zusammen mit der Feuerwehr (denn es hing schon recht hoch, das Ding) die inkriminierten Passagen. Genau: Nur die betreffende Formulierung wurde herausgerissen, der Rest darf hängen bleiben, schließlich haben wir Meinungsfreiheit in Schland, die Freiheit meinen zu dürfen, was wir meinen sollen.

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„Wir sind jetzt sichtbar“

Über Folter und Unterdrückung, Widerstand und die Auswirkungen von Gezi. Interview zur LGTB-Bewegung in der Türkei.

yildizWir haben uns mit Yildiz Tar getroffen, Journalist*in, Autor*in des Buches „Genosse, ich bin eine Schwuchtel“, seit acht Jahren Aktivist*in in der lesbian, gay, bisexual, transgender Bewegung (LGBT). Yildiz ist Redakteur*in des Magazins und der Website von KAOS GL (eine anarchistische LGBT Organisation die 1994 Gegründet wurde). Außerdem ist Yildiz Mitglied bei Lamda Istanbul (einer sozialistischen LGBT Organisation die 1993 nach dem Verbot des Cristopher Street Day’s gegründet wurde.)

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[Istanbul Diaries IX] Angriff auf Jugendföderation

Erdogan lässt die Muskeln spielen und hunderte Bullen in linke Kieze einreiten.

jfoederation4„Nachdem die Antiterroreinheiten das Dach und die Fenster aufgebrochen hatten, schossen sie mit Pepperballs und Gasgranaten rein, sie stürmten das Haus und zerstörten alles, was ihnen in den Weg kam. Sie haben unsere Laptops verbrannt, unsere Zimmer verwüstet und selbst unserem Vogel haben sie den Hals umgedreht. Dann haben sie uns mit auf die Station genommen wo wir weiter geschlagen und Misshandelt wurden“, erzählt mir Mustafa*, ein Jugendlicher aus dem linken alevitischen Stadtteil Okmeydani in Istanbul.

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Der Tourist

Julius_Fučík_2Buchrezension zu Julius Fučíks „Eine Reise nach München“ von 1934     Von Pat Batemensch

„Menschen, ich hatte euch lieb, seid wachsam!“ Es ist ein ungebrochener Trend bürgerlicher Erinnerungskultur, zu reduzieren und damit an immer falscher Stelle zu relativieren. Was bringt es auch, sich mit Menschen und ihrem Schaffen auseinanderzusetzen, wenn den absoluten und gottgleichen Überblick doch eh nur der ominöse Datenkrake von aus dem All erlangen kann. Nein, lieber ins gemachte Nest setzen, sich das schmucke Che-Shirt überstreifen, Punkt 20.15 Uhr den neuesten alten Schmodder von Stefan Raab anschalten, so lange, bis dann endlich alle mal sagen: „Eigentlich…“ Der Tourist weiterlesen