Archiv der Kategorie: Deutsch

Du sollst den Staat nicht verunglimpfen!

In Kreuzberg lassen Bullen die Feuerwehr anrücken, weil sie sich durch die Parole „Staat und Nazis Hand in Hand“ diskriminiert fühlen.

nsuplakatIn Berlin-Kreuzberg steht – an der Ecke Manteuffel- und Skalitzer Straße – ein Haus, dessen Wand von linken Bösewichten des öfteren zur Meinungsbekundung missbraucht wird. Neuerdings hing dort ein Plakat, auf dem an den Nagelbombenanschlag am 9. Juni 2004 in der Kölner Keupstraße erinnert wurde. Der mittlerweile den Neonaziterroristen des NSU zugeordnete Angriff war lange ungeklärt. Auf dem Plakat auch zu lesen war das Statement „Staat und Nazis Hand in Hand“. Das geht nun aber doch gar nicht, beschloss die Einsatzleitung der Berliner Polizei, und so rückte man am heutigen Dienstag Vormittag an, und entfernte zusammen mit der Feuerwehr (denn es hing schon recht hoch, das Ding) die inkriminierten Passagen. Genau: Nur die betreffende Formulierung wurde herausgerissen, der Rest darf hängen bleiben, schließlich haben wir Meinungsfreiheit in Schland, die Freiheit meinen zu dürfen, was wir meinen sollen.

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„Wir sind jetzt sichtbar“

Über Folter und Unterdrückung, Widerstand und die Auswirkungen von Gezi. Interview zur LGTB-Bewegung in der Türkei.

yildizWir haben uns mit Yildiz Tar getroffen, Journalist*in, Autor*in des Buches „Genosse, ich bin eine Schwuchtel“, seit acht Jahren Aktivist*in in der lesbian, gay, bisexual, transgender Bewegung (LGBT). Yildiz ist Redakteur*in des Magazins und der Website von KAOS GL (eine anarchistische LGBT Organisation die 1994 Gegründet wurde). Außerdem ist Yildiz Mitglied bei Lamda Istanbul (einer sozialistischen LGBT Organisation die 1993 nach dem Verbot des Cristopher Street Day’s gegründet wurde.)

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[Istanbul Diaries IX] Angriff auf Jugendföderation

Erdogan lässt die Muskeln spielen und hunderte Bullen in linke Kieze einreiten.

jfoederation4„Nachdem die Antiterroreinheiten das Dach und die Fenster aufgebrochen hatten, schossen sie mit Pepperballs und Gasgranaten rein, sie stürmten das Haus und zerstörten alles, was ihnen in den Weg kam. Sie haben unsere Laptops verbrannt, unsere Zimmer verwüstet und selbst unserem Vogel haben sie den Hals umgedreht. Dann haben sie uns mit auf die Station genommen wo wir weiter geschlagen und Misshandelt wurden“, erzählt mir Mustafa*, ein Jugendlicher aus dem linken alevitischen Stadtteil Okmeydani in Istanbul.

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Der Tourist

Julius_Fučík_2Buchrezension zu Julius Fučíks „Eine Reise nach München“ von 1934     Von Pat Batemensch

„Menschen, ich hatte euch lieb, seid wachsam!“ Es ist ein ungebrochener Trend bürgerlicher Erinnerungskultur, zu reduzieren und damit an immer falscher Stelle zu relativieren. Was bringt es auch, sich mit Menschen und ihrem Schaffen auseinanderzusetzen, wenn den absoluten und gottgleichen Überblick doch eh nur der ominöse Datenkrake von aus dem All erlangen kann. Nein, lieber ins gemachte Nest setzen, sich das schmucke Che-Shirt überstreifen, Punkt 20.15 Uhr den neuesten alten Schmodder von Stefan Raab anschalten, so lange, bis dann endlich alle mal sagen: „Eigentlich…“ Der Tourist weiterlesen

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[Grüße aus dem Binnenland VI] Hunde gegen AntifaschistInnen

Für die österreichische Polizei wird das Niederprügeln antifaschistischer Demos offenbar gerade zum vierteljährlichen Routinevergnüngen. Nach dem Knüppel- und Pfefferspray-Einsatz gegen die Proteste rund um den „Akademikerball“ Ende Jänner wurde am vergangenen Samstag nun schon zum zweiten Mal in IMG_20140517_152952895_HDRdiesem Jahr eine Demonstration gegen Rechts völlig unverhältnismäßig von den Bullen attackiert. Die „Identitären“ – der neueste Versuch rechtsradikaler Dumpfbacken, mittels „seriösem“ Auftreten in die Mitte der Gesellschaft einzubrechen – hatten einen Marsch durch Wien angemeldet. Dem Aufruf der Barbourjacken-Faschos waren etwa 50 bis 70 Menschen gefolgt, zu einem Gutteil waren diese offenbar aus den Nachbarländern angereist – die Mobilisierungsfähigkeit der in Frankreich erfundenen „Bewegung“ hält sich hierzulande in sehr engen Grenzen.

 

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„Schicksal“ oder Mord?

somatitelNach einem technischen Defekt in einer Kohlemine sterben in der Türkei hunderte Arbeiter. Die linke Bewegung spricht von einem „Massaker“.

Soma, eine kleine Stadt in der Westtürkei, hat etwa 100 000 Einwohner und ein Kohlebergwerk. Letzteres wird betrieben von der Soma Holding, deren Vorstandsvorsitzender Alp Gürkan der Regierungspartei AKP nahesteht. Der Konzern hatte zuletzt immer weitere Einsparungen umgesetzt, man rühmte sich damit, die Kohle massiv verbilligt zu haben. Eine von der Oppositionspartei CHP angemahnte Sicherheitskontrolle wurde vor wenigen Wochen von Erdogans AKP abgelehnt, und so kam es, wie es kommen musste: Nach einem „technischen Defekt“ sind – nach derzeitigem Stand 282 Arbeiter tot, die Zahl steigt aber permanent und über 100 gelten als noch vermisst. Unter den Toten befindet sich allem Anschein nach auch ein 15-jähriger, der in der Mine gearbeitet hat.

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[Istanbul Diaries VIII] „Mehr als ein Spiel“ – Die Ultras von KızılAslan

kizilaslan1Während des Juni-Aufstandes in der Türkei 2013 spielte die Präsenz von Fußball-Fangruppen eine große Rolle. Sie brachten der Bewegung eine ganz spezielle Dynamik und Bewegung und Fangruppen beeinflussten sich wechselseitig. Wir haben die Fangruppe „KızılAslan“ interviewt, um zu erfahren, warum sich diese Gruppe gegründet hat und um allgemein mehr über die linke Fanszene in der Türkei zu erfahren.

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[Istanbul Diaries VII] Türkische Polizei und Pressefreiheit

IMG_6360Wir waren ja nicht die einzigen Journalisten, die sich im Zeitraum um den ersten Mai in Istanbul aufhielten. Einige Freunde aus Frankfurt waren auch da, sie arbeiten gerade an einer Video-Dokumentation. Das wiederum gefiel Erdogans Schlägerbande nicht, also gerieten sie in den Fokus der Zivilpolizei. Wir dokumentieren das Gedächtnisprotokoll der Genossen.

Der 1. Mai 2014 begann für uns schon am 26.04.2014. Wir sind nach dem Geziprotest erneut nach Istanbul gereist um eine Doku über den Einfluss der Geziproteste auf die türkische Gesellschaft zu drehen. Im Rahmen dessen haben wir einige Termine mit verschiedenen Menschen vereinbart, die wir Interviewen wollten. Sei es IHD (Menschenrechtsverein), CHD (Anwälte), Gewerkschaften (DISK und KESK), Journalisten, Parteien wie die BDP, HDP, CHP, TGB – und natürlich auch die revolutionären Gruppen.

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[Istanbul Diaries VI] Hinter den Barrikaden

Der erste Mai in Istanbul. Einige Bemerkungen und Tipps zur Straßenmilitanz

IMG_6428Wir haben auf den Seiten unseres schmucken Magazins sehr oft über die politische Situation in der Türkei und die Gründe, warum hier nicht erst seit Gezi viele die Schnauze voll haben, geschrieben. Weil das so ist, dürfen wir für das folgende einfach voraussetzen, dass wir uns alle einig sind, dass Widerstand in diesem Land legitim ist, und er notwendiger Weise militant sein muss, da zumindest in diesem Staat ansonsten nichts zu erreichen ist. Was im allgemeinen gilt, gilt auch für den ersten Mai. Die türkische Regierung hat ihn verboten und die gesamte Stadt zu einer quasimilitärisch besetzten „Gefahrenzone“ gemacht.

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