Archiv der Kategorie: Deutsch

Rassenkrieg für Europas Werte

runenknarren
Runen, Hakenkreuze, Waffen – Screenshot von der Facebook-Seite eines „Azov“-Kämpfers

Die internationalen Unterstützer der ukrainischen Faschisten – eine Tour durch das soziale Netzwerk des „Azov“-Bataillons.

Olga S., eine Italienerin mit weißrussischen Wurzeln, kämpft für Europa. „Auf Wiedersehen, Feinde Europas“ steht auf einer Grafik, die einen spartanischen Kämpfer mit Axt und Schwert zeigt. Neben diese hat sie eine andere Grafik gepostet, die eine U-Bahn zeigt, in der People of Coulour sitzen. „Verschiedenheit = Genozid an den Weißen“ und „Zerschlagt den Kulturmarxismus“, sagt die Bildunterschrift.

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Ich bin so glücklich, ich könnte twittern

9783462046755In und um Dave Eggers „Der Circle“ scharen sich Expert*innen für Kultur, Logistik und Demokratie

Kein Buch – ob wissenschaftlich oder belletristisch – hat in den hiesigen Feuilletons der letzten Wochen mehr Wellen geschlagen, und damit Datenmüll, unmotivierte Debatten und Pseudo-Aufreger fabriziert, als Dave Eggers „The Circle“ bzw. die von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann vorgenommene, und diesen August im kleinen Buchladen umme Ecke und beim Intelligenzler-Feind des Monats amazon.de erwerbbare deutsche Übertragung „Der Circle“. Durch den welken Blätterwald der auf Online-Betrieb umsattelnden Tages- und Wochenzeitungen wehten die Ausdünstungen eines Berges an „Brave New World“- und „1984“-Vergleichen. Höhepunkte des Rummels, waren u.a. ein pfützentiefes Interview der FAZ mit dem Autor (geb. 1970 in Boston, Massachusetts, USA). Der Kulturteil der Frankfurter Allgemeinen war sowieso schon Tage und Wochen vorher totalitär auf das Thema getrimmt worden, und eine Rezension in der Links-Rechts-Flügelstürmerin taz, die sprachliche Eloquenz bewies und „Der Circle“ ein „okayes Buch“ nannte. Chapeau! Da will sich das Lower Class Mag nicht lumpen lassen und drückt dem Datenhaufen seine rote Kirsche auf. Ich bin so glücklich, ich könnte twittern weiterlesen

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Krieg gegen unten

Tactical teams move in to disburse protestorsDie Polizei in Ferguson, Missouri macht, wozu sie ausgerüstet wurde: sie bekämpft Aufruhr und Unmut, deren Ursachen Rassismus und soziale Ungleichheit sind.

Fast hat man den Eindruck, deutschsprachige Medien wissen nicht recht, wie sie mit den Ereignissen in der US-amerikanischen Kleinstadt Ferguson umgehen sollen. Klar, Polizeimorde, deren Zusammenhang mit tief verwurzelten rassistischen Strukturen auch oberflächlichsten BeobachterInnen klar vor Augen stehen, findet Krieg gegen unten weiterlesen

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[Nerdnews] Schutzlos gegen “network injection“-Angriffe

schro1Es ist mal wieder an der Zeit für einen Realitätsabgleich, was so alles möglich ist, in der Welt der Überwacher. Zeit für ein Paranoia-Upgrade.

Kürzlich hat der Journalist und Forscher Morgan Marquis-Boire beim Citizen Lab an der University of Toronto’s Munk School of Global Affairs Forschungsergebnisse über gezielte Manipulation unverschlüsselter Datenströme im Internet publiziert und bei The Intercept einen Artikel dazu veröffentlicht. Während selbst erfahrene Internetnutzer bisher davon ausgegangen sind, dass,  wer sich einen Virus einfing, dazu seinen Teil beigetragen habe – sei es durch das öffnen von Mailanhängen unbekannter Absender oder Besuchen ominöser Websites -, zeigen die neuen Veröffentlichungen nun: Um einem Ziel einen Virus unterzujubeln reicht es aus, dass dieses eine harmlose Seite wie YouTube aufruft.   [Nerdnews] Schutzlos gegen “network injection“-Angriffe weiterlesen

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[Dersim Diaries – im Kofferraum durch Kurdistan IV]: Ziegenopfer und Rätedemokratie

Im vierten Teil der Dersim Diaries verlassen wir unser alevitisches Bergdorf, machen uns auf den Weg nach Ovacık, das im Genuss Munzurquelle (2)eines kommunistischen Bürgermeisters ist, und besuchen das 14. Munzur Doğa ve Kültür Festivali. Außerdem gibt’s ein Ziegenopfer.

Blutiges Erwachen

Weit später als geplant erwacht das österreichische Zimmer im alevitischen Haus und wir begeben uns auf die Terrasse. Das Haus spendet noch Schatten, als wir frühstücken und den Ausblick auf Täler und Berge bei Tageslicht genießen dürfen. Eine kleine Schotterstraße, die sich den Berg runter schlängelt, blaublühende Disteln am Wegesrand, vereinzelte Baumgruppen an den kahlen Hügeln. Was gestern schon angedeutet wurde, gibt’s jetzt live und in Farbe: wir erfahren, dass eine Ziege geschlachtet werden soll. Wo, wann und wie beantwortet sich von selber, als mir Genosse Ö. winkt, dass ich ihm nachgehen soll. Er und eine knapp siebzigjährige Frau holen die Ziege aus dem Stall. Mangels jeglicher Schlachtungs- oder genereller Ziegenerfahrung beschränke ich mich darauf die Stalltüren hinter ihnen zu schließen und nicht im Weg rumzustehen, als die beiden das Tier an den Hörnern heraus führen.  [Dersim Diaries – im Kofferraum durch Kurdistan IV]: Ziegenopfer und Rätedemokratie weiterlesen

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Die gespaltene Republik

QDcVs8wIn Istanbul ist es ungemütlich in den letzten Tagen. Der Himmel ist bedeckt, es blitzt, donnert, die Menschen suchen Schutz in den Geschäften und Passagen der Millionenstadt. Es braut sich etwas zusammen.

Ziemlich genau eine Woche bin ich nun hier. Istanbul. Die 14-Millionen-Einwohner Metropole ist das Zentrum und Aushängeschild der Türkei. Zentrum für Kultur, Handel, Medien und Finanzen. Die Stadt pulsiert, polarisiert und fasziniert. Nicht umsonst fiel die Entscheidung leicht hier zwei Monate zu verbringen um einen authentischen Blick auf die Türkei, ihre Bewohner, ihre Kultur und vor allem ihre Politik zu erhaschen. Die gespaltene Republik weiterlesen

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Die Hoffnung heißt nicht Amerika, sondern YPG

Zur Debatte um Waffenlieferungen in den Irak

ypgsingalJetzt, da es Aufruhr von Spiegel bis CDU gibt, fällt auf einmal auch dem Gros der deutschen Linken auf: Hui, in Syrien und im Irak gibt es KurdInnen. Und hui, da gibt es islamistische Milizen. War Kurdistan-Solidaritätsarbeit in den vergangenen Jahren eine Angelegenheit von ein paar hundert Paradiesvögeln bundesweit, die sich von der super-hyper-korrekt-emanzipatorischen Avantgarde allzu oft anhören durften, sie unterstützten dort doch nur „nationalistische“ Reaktionäre – gemeint war die PKK -, haben jetzt, da es an massenmedialer Berichterstattung nicht fehlt, auch jene Linken das Thema entdeckt, die von einer Projektionsfläche zur nächsten springen.

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[Dersim Diaries – Im Kofferraum durch Kurdistan III]: Wege ins Paradies und Plumpsklo-Komplikationen

alevidevrimci„Was zur Hölle macht also eine Hyundailadung österreichischer, türkischer und kurdischer GenossInnen in der Nacht beim alevitischen Dede im Bergdorf?“, nahmen wir uns als Arbeitsfrage vom zweiten Teil dieser Artikelserie mit. Die einfache Antwort: zuerst einmal Tee trinken.
Es ist kein Zufall, dass es RevolutionärInnen zum Übernachten in ein für AlevitInnen heiliges Haus verschlägt. Die Ausrichtung der AlevitInnen kann mit einer Spielart der Befreiungstheologie umrissen werden. Das AlevitInnentum (nicht zu verwechseln mit den AlawitInnen in Syrien) ist eine Glaubensrichtung, die ihren Ursprung im 13./14. Jahrhundert hat.

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[Dersim Diaries – Im Kofferraum durch Kurdistan II]: Her biji Kurdistan – Ankunft in Dersim

dersimd1Als gelernter Österreicher saugt man nicht nur bedenkliches Trinkverhalten und antipreußischen Reflex mit der Muttermilch auf, sondern auch eine gewisse Portion Granteln. Der Schädel brummt noch ein wenig von der feuchtfröhlichen und tanzfreudigen Erkundung des Istanbuler Nachtlebens vom Vortag, als wir in Kurdistan landen. Und während ich mich im ersten Teil über die Hitze in Istanbul mokiert habe, verschlägt es mir beim Ausstieg aus der Onurair-Maschine am Flughafen in Elazığ ob der Schönheit der kurdischen Berge nicht nur die Sprache, sondern wegen der trockenen, beißenden Hitze gleich noch den Atem dazu.

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