Archiv der Kategorie: Deutsch

Keine Ruhe für diese Ordnung

Zum revolutionären Erbe Rosa Luxemburgs

Die Ordnung herrscht in Berlin“ – so lautet die Überschrift des letzten Artikels von Rosa Luxemburg in der Roten Fahne, der, einen Tag vor ihrer Ermordung durch rechte Militärs, veröffentlicht wurde. Unter dieser Losung jubelte zuvor die bürgerliche Presse über die Rückeroberung der Druckereien der SPD-Zeitung ‚Vorwärts‘, die am 5. Januar 1919 als Reaktion auf deren Stimmungsmache gegen die Arbeiter*innen- und Soldatenräte besetzt wurde. Mit einer spontanen Großdemonstration von etwa einer halben Millionen Menschen gegen die Entlassung des Polizeipräsidenten Eichhorn, aus der die Besetzungen verschiedener Druckereien bürgerlicher Presseorgane hervorgingen, hatte an diesem Tag der sogenannte Spartakusaufstand begonnen. Große Teile der Arbeiter*innenschaft versuchten die Fortsetzung der revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft, die am 9. November begonnen hatte, gegen die sozialdemokratische Regierung zu erkämpfen. Diese hatte in der Zwischenzeit den Schulterschluss mit der alten Elite vollzogen, um genau das zu verhindern und “Ruhe und Ordnung“ wiederherzustellen. Keine Ruhe für diese Ordnung weiterlesen

Rassismus und tödliche Polizeigewalt: Oury Jalloh war kein Einzelfall

Bei Walter Benjamin heißt es: „Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der ‚Ausnahmezustand‘, in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht. Dann wird uns als unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands vor Augen stehen; und dadurch wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus sich verbessern.“ Die Geschichte des Todes von Oury Jalloh und der Kampf für seine Aufklärung sind symbolisch für diesen Ausnahmezustand. Rassismus und tödliche Polizeigewalt: Oury Jalloh war kein Einzelfall weiterlesen

Zum ewigen Geschichtsrevisionismus der SPD

Wie wir wissen sind Traditionen Sachen die man irgendwann aus guten oder schlechten Gründen anfängt und dann früher oder später für unabdingbaren Teil der eigenen Identität erklärt. Im Januar fangen wir mit solch einer Tradition für uns als Lower Class Magazine an und präsentieren die monatliche Kolumne: Bafi im Bann der Dämonen. Unsere Kolumnistin Bafta fängt mit einer sehr niedrig hängenden Frucht an – der SPD.

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Hamburg: Zwischen Obdachlosigkeit und Dekadenz

Containerfrachter und Kaikräne, Schwimmdocks und Museumsschiffe, die Köhlbrandbrücke und die Speicherstadt, der ganze Hamburger Hafen – die Aussicht von den oberen Etagen der Elbphilharmonie ist grandios. Und unbezahlbar, zumindest für Normalsterbliche. Am 3. Dezember berichtete das Hamburger Abendblatt, Leib- und Magenzeitung des Hamburger Bürgertums, die letzte der 44 Luxuswohnungen in dem vor allem für seinen Konzertsaal bekannten Prachtbau sei verkauft. Und eine dieser Wohnungen habe mit 38.588 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2018 auf dem Immobilienmarkt der Stadt einen Rekord aufgestellt. Die Wohnung ließ sich der Käufer schlappe 11,07 Millionen Euro kosten! Hamburg: Zwischen Obdachlosigkeit und Dekadenz weiterlesen

»Musik kann Kraft geben, runterziehen und Solidarität vermitteln«

Der Rapper Zynik hat gerade seine neue EP „Wahnsinn der Normalen“ veröffentlicht. Im Interview spricht er über linke Kunst, Sexismus im Rap und darüber, was Rap für ihn bedeutet.

Du verarbeitest auf deiner neuen EP ganz unterschiedliche Themen. Was ist das Konzept?

Es war jetzt kein klassisches Konzeptding. Die Themen sind auch recht breit gestreut. Trotzdem gibt es einen roten Faden, der sich auf unterschiedliche Weise durch alle Tracks zieht. Es geht kurz gesagt darum, wie wahnsinnig vieles ist, was als normal wahrgenommen wird, wie wahnsinnig die gesellschaftlichen Verhältnisse mit all ihren Perversionen eigentlich sind. »Musik kann Kraft geben, runterziehen und Solidarität vermitteln« weiterlesen

Öffentlichkeitsscheu und gewaltbereit

Hamburger Aktivist*innen wollen mit ihrem Projekt „copwatch“ Polizeigewalt dokumentieren – und verhindern. Doch die Behörde will durch Klagen verhindern, dass man ihr auf die Finger schaut.

Die Luft wird dünner. Wer sich heute noch entschieden gegen den Umbau des Landes in einen Polizei- und Überwachungsstaat stellt, steht mit einem Bein im Knast. Spätestens der G-20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 sollte das jedem klar gemacht hat. Wer gegen das Treffen der Herrschenden aufmuckte, wurde brutal zusammengeschlagen oder landete in den winzigen fensterlosen Zellen der Gefangenensammelstelle an der Peripherie.

Seitdem ist es nicht besser geworden. Das linke Portal linksunten.indymedia.org wurde verboten, dasselbe wird derzeit bei der Roten Hilfe versucht. In den Bundesländern sind neue Polizeigesetze entweder schon durchgesetzt oder geplant, die der Behörde kaum noch zu kontrollierende Durchgriffsmöglichkeiten verleihen. Umso wichtiger ist eine Bewegung, die hierzulande noch relativ jung ist, aber hoffentlich weiter wachsen wird: Copwatch. Öffentlichkeitsscheu und gewaltbereit weiterlesen

»Revolutionäre Organisationen auf der Grundlage von sozialem Wandel formen«

Nicolás ist Student und militanter Anarchist in Paris. Seit dem 8. Dezember nimmt er an den Protesten der »Gilets Jaunes« teil und ist über Unterstützungsgruppen aktiv an der Mobilisierung der Universitäten beteiligt.

Online findet man eine Liste von 42 Forderungen der »Gilets Jaunes«. Gefordert werden unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns, der Rücktritt von Präsident Emanuel Macron und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer »ISF«, welche Macron zu Beginn seiner Amtszeit außer Kraft setzte. Die »Gilets Jaunes« sind eine breite Massenbewegung. Wer spricht für die Bewegung und wie ist sie organisiert?

Die sogenannten Rädelsführer sind schwierig zu definieren: viele von ihnen wurden von den »Gilets Jaunes« denunziert, da sie keine Mandate hatten um für die Bewegung zu sprechen, andere weil sie extrem rechts sind. Es gibt keine politische Koordinierung auf nationaler Ebene. Die Demonstrationen werden über die sozialen Medien, vor allem Facebook, angekündigt. Dort finden sich je nachdem wo man sucht verschiedenste soziale Forderungen. Allerdings gibt es durch die Heterogenität der Bewegung auch Forderungen die kritisch zu betrachten sind – einige sind pro Migration zum Beispiel, andere aber auch rassistisch. »Revolutionäre Organisationen auf der Grundlage von sozialem Wandel formen« weiterlesen

„Hört auf, der Türkei Waffen zu liefern“

Als das Erdogan-Regime das nordsyrische Afrin Anfang 2018 militärisch besetzte, wurden hunderttausende Menschen vertrieben. Ein Besuch bei Geflüchteten in Til Temir.

Seit einigen Wochen werden die Angriffsdrohungen der Türkei gegen die verbleibenden beiden Kantone der demokratischen Selbstverwaltung im Norden Syriens, Kobane und Cizire, konkreter. Der türkische Autokrat Recep Tayyip Erdogan will die Auslöschung aller kurdischen Verbände. Schon Anfang 2018 durfte er, unterstützt von den USA, Russland und Deutschland, diesen Vernichtungswillen an einer nordsyrischen Provinz – Afrin – erproben. Das Gebiet wurde besetzt, türkisiert, geplündert, hunderttausende wurden vertrieben. Heute wird Afrin von islamistischen Terrorbanden und der türkischen Armee verwaltet.

Unser Reporter in Syrien, Bernd Machielski, besuchte Ende November Til Temir, eine Stadt, in deren Umgebung zahlreiche geflüchtete Familien aus Afrin Zuflucht fanden. Er sprach mit dem Vorsitzenden der lokalen Kommune, Bave Demhat, über den Krieg in Afrin. „Hört auf, der Türkei Waffen zu liefern“ weiterlesen

Kolumbien: Der Kampf um freie Bildung

In Kolumbien sind die Studierenden seit zwei Monaten im Ausstand. Einstürzende Universitätsgebäude und unbezahlbare Studiengebühren will hier niemand. Endlich reagiert die Regierung mit einem Finanzierungsvorschlag. Unsere Autorin berichtet aus Bogotá.

Donnerstag, 13. Dezember, der 64. Tag des nationalen Bildungsstreiks in Kolumbien. Wieder versammeln sich Studierende in ganz Kolumbien mit Flaggen und Parolen enthusiastisch auf den Hauptplätzen ihrer Universitäten um zusammen zu demonstrieren. Nicht nur Studierende sind anwesend. Große Teile der Bevölkerung unterstützen mittlerweile ihre Forderungen. Den Streikenden ist anzusehen, dass sie erschöpft sind. Es sind nicht mehr die gleichen Menschenmassen, wie bei den ersten Demonstrationen, aber die Motivation hält weiter an. Sie sehen Hoffnung in den wöchentlich organisierten Protesten. Kolumbien: Der Kampf um freie Bildung weiterlesen