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„Hier gibt es keine Gerechtigkeit für Hasan“

Aktivisten in Istanbul fordern Gerechtigkeit für Hasan Ferit Gedik
Aktivisten in Istanbul fordern Gerechtigkeit für Hasan Ferit Gedik

In Istanbul hat der Prozess gegen die Mörder eines kommunistischen Aktivisten begonnen.

Zwei Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge, Polizisten in Kampfuniform, ausgestattet mit Maschinengewehren – Die traurige Bilanz eines Mittwochs in Istanbul. Doch wofür das alles? Sieben Personen sitzen friedlich am Rande der Istiklal, der Haupteinkaufsstraße Istanbuls. Niemand von ihnen erweckt den Anschein etwas im Schilde zu führen. Sie alle sind Freunde Hasan Ferit Gediks, der am 29. September 2013 erschossen worden war.

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[Szenetagebücher – Episode III] Hallo, wir sind´s, die Guten

Fährst du zur Arbeit, zünd´ ich Dir die S-Bahn an. Kritik einer  entgleisten Form von Militanz

feuerundflammeEs ist nicht das erste Mal, dass einige Autonome meinen, einen Stromverteiler der Berliner S-Bahn anzünden zu müssen, um den „Normalbetrieb“ zu stören. Bereits im Mai 2013 fand eine derartige Aktion statt, vorgestern nun wieder. Ich will zwei Dinge vorweg schicken: Erstens, ich finde Militanz für eine radikale Linke unerlässlich. Zweitens: Militanz hat gewisse Kriterien zu erfüllen, will sie beanspruchen können, ein ernstzunehmender politischer Akt zu sein. Diese Aktion tut das nicht. Die Aktion – und mit ihr ihre Begründung, die immer notwendig ein Teil der Aktion ist, ja ohne die (egal ob sie explizit geäußert wird, oder implizit in der „Tat“ enthalten ist) die Aktion sinnlos ist – ist kontraproduktiv und schlecht begründet.

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Rassenkrieg für Europas Werte

runenknarren
Runen, Hakenkreuze, Waffen – Screenshot von der Facebook-Seite eines „Azov“-Kämpfers

Die internationalen Unterstützer der ukrainischen Faschisten – eine Tour durch das soziale Netzwerk des „Azov“-Bataillons.

Olga S., eine Italienerin mit weißrussischen Wurzeln, kämpft für Europa. „Auf Wiedersehen, Feinde Europas“ steht auf einer Grafik, die einen spartanischen Kämpfer mit Axt und Schwert zeigt. Neben diese hat sie eine andere Grafik gepostet, die eine U-Bahn zeigt, in der People of Coulour sitzen. „Verschiedenheit = Genozid an den Weißen“ und „Zerschlagt den Kulturmarxismus“, sagt die Bildunterschrift.

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Ich bin so glücklich, ich könnte twittern

9783462046755In und um Dave Eggers „Der Circle“ scharen sich Expert*innen für Kultur, Logistik und Demokratie

Kein Buch – ob wissenschaftlich oder belletristisch – hat in den hiesigen Feuilletons der letzten Wochen mehr Wellen geschlagen, und damit Datenmüll, unmotivierte Debatten und Pseudo-Aufreger fabriziert, als Dave Eggers „The Circle“ bzw. die von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann vorgenommene, und diesen August im kleinen Buchladen umme Ecke und beim Intelligenzler-Feind des Monats amazon.de erwerbbare deutsche Übertragung „Der Circle“. Durch den welken Blätterwald der auf Online-Betrieb umsattelnden Tages- und Wochenzeitungen wehten die Ausdünstungen eines Berges an „Brave New World“- und „1984“-Vergleichen. Höhepunkte des Rummels, waren u.a. ein pfützentiefes Interview der FAZ mit dem Autor (geb. 1970 in Boston, Massachusetts, USA). Der Kulturteil der Frankfurter Allgemeinen war sowieso schon Tage und Wochen vorher totalitär auf das Thema getrimmt worden, und eine Rezension in der Links-Rechts-Flügelstürmerin taz, die sprachliche Eloquenz bewies und „Der Circle“ ein „okayes Buch“ nannte. Chapeau! Da will sich das Lower Class Mag nicht lumpen lassen und drückt dem Datenhaufen seine rote Kirsche auf. Ich bin so glücklich, ich könnte twittern weiterlesen

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Krieg gegen unten

Tactical teams move in to disburse protestorsDie Polizei in Ferguson, Missouri macht, wozu sie ausgerüstet wurde: sie bekämpft Aufruhr und Unmut, deren Ursachen Rassismus und soziale Ungleichheit sind.

Fast hat man den Eindruck, deutschsprachige Medien wissen nicht recht, wie sie mit den Ereignissen in der US-amerikanischen Kleinstadt Ferguson umgehen sollen. Klar, Polizeimorde, deren Zusammenhang mit tief verwurzelten rassistischen Strukturen auch oberflächlichsten BeobachterInnen klar vor Augen stehen, findet Krieg gegen unten weiterlesen

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Die Hoffnung heißt nicht Amerika, sondern YPG

Zur Debatte um Waffenlieferungen in den Irak

ypgsingalJetzt, da es Aufruhr von Spiegel bis CDU gibt, fällt auf einmal auch dem Gros der deutschen Linken auf: Hui, in Syrien und im Irak gibt es KurdInnen. Und hui, da gibt es islamistische Milizen. War Kurdistan-Solidaritätsarbeit in den vergangenen Jahren eine Angelegenheit von ein paar hundert Paradiesvögeln bundesweit, die sich von der super-hyper-korrekt-emanzipatorischen Avantgarde allzu oft anhören durften, sie unterstützten dort doch nur „nationalistische“ Reaktionäre – gemeint war die PKK -, haben jetzt, da es an massenmedialer Berichterstattung nicht fehlt, auch jene Linken das Thema entdeckt, die von einer Projektionsfläche zur nächsten springen.

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[Dersim Diaries – Im Kofferraum durch Kurdistan III]: Wege ins Paradies und Plumpsklo-Komplikationen

alevidevrimci„Was zur Hölle macht also eine Hyundailadung österreichischer, türkischer und kurdischer GenossInnen in der Nacht beim alevitischen Dede im Bergdorf?“, nahmen wir uns als Arbeitsfrage vom zweiten Teil dieser Artikelserie mit. Die einfache Antwort: zuerst einmal Tee trinken.
Es ist kein Zufall, dass es RevolutionärInnen zum Übernachten in ein für AlevitInnen heiliges Haus verschlägt. Die Ausrichtung der AlevitInnen kann mit einer Spielart der Befreiungstheologie umrissen werden. Das AlevitInnentum (nicht zu verwechseln mit den AlawitInnen in Syrien) ist eine Glaubensrichtung, die ihren Ursprung im 13./14. Jahrhundert hat.

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[Dersim Diaries – Im Kofferraum durch Kurdistan II]: Her biji Kurdistan – Ankunft in Dersim

dersimd1Als gelernter Österreicher saugt man nicht nur bedenkliches Trinkverhalten und antipreußischen Reflex mit der Muttermilch auf, sondern auch eine gewisse Portion Granteln. Der Schädel brummt noch ein wenig von der feuchtfröhlichen und tanzfreudigen Erkundung des Istanbuler Nachtlebens vom Vortag, als wir in Kurdistan landen. Und während ich mich im ersten Teil über die Hitze in Istanbul mokiert habe, verschlägt es mir beim Ausstieg aus der Onurair-Maschine am Flughafen in Elazığ ob der Schönheit der kurdischen Berge nicht nur die Sprache, sondern wegen der trockenen, beißenden Hitze gleich noch den Atem dazu.

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