Politik bleibt Handarbeit

Du kannst heute die AfD wegbassen und das Patriachat wegstricken, dein Kater nach Neujahr kann Kapitalismus zerstören und Nazis kannst du durch ein Bad richtig eins auswischen oder du tweetest sie einfach durch ein #NazisRaus weg. Das Bedürfnis das private Hobby oder jede alltägliche Banalität zu einer politischen Praxis zu erklären ist allgegenwärtig.

Das ist schlicht falsch und dem liegt ein grundlegendes Missverständnis darüber, wie die bürgerliche Gesellschaft funktioniert, zugrunde. Schon Marx schreibt im Kapital, dass der Individuelle Konsum des Arbeiters, also essen, wohnen etc. auch Teil der Reproduktion des Kapitals ist, weil der Arbeiter indem er sich reproduziert die wichtigste Kapitalquelle, nämlich seine Arbeitskraft, reproduziert.

Das heißt nicht, dass man nicht dafür sorgen sollte, dass es einem gutgeht. Im Gegenteil es ist wichtig körperlich und psychisch einigermaßen Gesund zu sein um überhaupt in der Lage zu sein vernünftig politisch zu arbeiten ohne sich selbst dabei kaputt zu machen. Der Punkt ist nur: an der normalen Funktionsweise des Kapitalismus ändert es einfach nichts, es ist schlicht irrelevant.

Die Abschaffung des Kapitalismus und der Kampf gegen Faschismus erfordern aber eine kollektive Organisierung, die so etwas wie Bewusstseinsbildung über das was an dieser Gesellschaft falsch läuft und einer Vorstellung darüber welche Gesellschaft man möchte, sowie konkret strategischem Handeln erfordert. Dass das aufwendig ist und nach weniger Spaß klingt als einfach Party zu machen, sich zu betrinken oder einen Wellnesstag zu machen ist klar, aber Politik ist nun mal kein Hobby und kein Lifestyle. Es ist selten erfüllend und es ist oft genug frustrierend, weil die Gesellschaft es nun mal ist. Es reicht nicht sich einfach abstrakt als „links“ zu positionieren und weiterzumachen wie bisher, weil Politik keine Frage der Identität ist.

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