Keiner starb öfter. Best of Jesus-Filme – Teil 5

Wir sind wie immer viel zu langsam. Während in den Kinos derzeit mit „Maria Magadalena“ ein Film zu sehen ist, der endlich mal eine der Frauen um Jesus in den Mittelpunkt rückt, sind wir gerade erst im Jahr 2016 angekommen. Damals lief eine nicht minder originelle Interpretation der allseits bekannten Geschichte, deren filmische Bearbeitungen wir an dieser Stelle Jahr für Jahr am Sterbe- und Wunderwochenende abarbeiten (siehe auch die Teile 1, 2, 3 und 4 unserer Jesus-Film-Serie). Zudem wollten wir unser bereits wiederholt gezeigtes Interesse an Judas noch etwas weiter vertiefen. Der Revolutionär und Verräter seines Meisters, der durch diesen Verrat überhaupt erst Kreuzigung, Auferstehung und alles Folgende auslöst, gefällt uns einfach am besten. Mehr dazu gleich. Zunächst zu einer Version der Jesus-Geschichte aus 2016, die sich einem Kapitel aus dem Leben Jesu widmet, das in den Evangelien relativ kurz behandelt wird: die ersten Lebensjahre des Religionsstifters. Wie immer gilt für das Folgende: höchste Spoiler-Alarmstufe!

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„Wir führen jetzt einen Guerilla-Krieg“

Der Widerstand gegen die Besatzer im Norden Syriens ist nicht vorbei. YPG und YPJ werden Afrin nicht aufgeben. Interview mit Şoreş Ronahî

#Şoreş Ronahî ist Mitglied der Leitung der Jugendunion Rojavas (Yekitiya Ciwanen Rojava, YCR) und zur Zeit in Shehba, Afrin.

Für uns ist die Situation in Afrin zur Zeit sehr undurchsichtig. Von Seiten der YPG gibt es lediglich das Statement, dass so viele Zivilist*innen wie möglich in Sicherheit gebracht wurden und der Krieg nun in eine neue Phase übergeht. Seitens der Türkei finden sich Propagandameldungen über die vollständige Einnahme der Stadt ohne nennenswerten Widerstand. Wie ist die Situation vor Ort, wie ist die Situation der Zivilist*innen, der Menschen in der Stadt?

Der Widerstand geht natürlich weiter. Klar behauptet der türkische Staat, Afrin wäre ohne Widerstand gefallen. Es wäre ja auch genau in ihrem Sinn, wenn ihre Offensive so glatt vorangegangen wäre. Aber natürlich ist das Gegenteil Fall.

Wie aus dem Statement der YPG erkennbar, haben wir lediglich eine neue Phase des Widerstands eingeleitet, die auch schon begonnen hat, und zwar mit dem Rückzug aus der Stadt. Sie läuft also seit 3,4 Tagen. In diesem Zuge wurden schon viele erfolgreiche Aktionen durchgeführt. Am 18. und 19. März gab es in Bilbile, Jinderese und Rajo Aktionen, bei denen über 70 feindliche Elemente, also sowohl dschihadistische Bandenmitglieder als auch türkische Soldaten, getötet wurden. So wird es jetzt weiter gehen.

Natürlich lassen wir Afrin nicht fallen und wir werden es auch nie aufgeben. Und wenn der Krieg 100 Jahre weitergeht, dann werden wir noch 100 Jahre Widerstand leisten. Klar, es ist eine kritische Situation, es sind hunderttausende Menschen auf der Flucht. Vor allem die Bilder der letzten Tage, was wir hier erlebt haben und was wir organisieren müssen, erinnern stark an das, was 2014 in Şengal passiert ist. Hunderttausende Menschen auf der Straße, ohne Essen und Trinken, ohne Dach über dem Kopf und ohne ausreichende medizinische Versorgung. Wir versuchen jetzt, für diese Menschen zumindest vorübergehende Lösungen zu finden. „Wir führen jetzt einen Guerilla-Krieg“ weiterlesen

Linke Theorie und die Universitäten – ein schwieriges Verhältnis

Torkil Lauesen und Gabriel Kuhn zum Spannungsfeld von Theorie und Praxis

In diesem Artikel geht es um linke Theorie, insbesondere ihr Verhältnis zur universitären Welt. Wir, die Autoren, versuchen seit vielen Jahren zu linker Theoriebildung beizutragen. Wir haben an Universitäten studiert und wir verwenden akademische Quellen und Methoden in manchen unserer Arbeiten. Aber wir verfolgen keine akademische Karriere. Wir sind an theoretischen Fragen interessiert, weil wir unsere politische Praxis verbessern wollen.

Historisch gesehen war der Einfluss von Akademiker*innen auf linke Theoriebildung eher unbedeutend. Die Entwicklung linker Theorie wurde von Menschen getragen, die unmittelbar in politische Kämpfe verwickelt waren. Klare Grenzen lassen sich hier freilich nicht ziehen: es hat immer schon Aktivist*innen mit akademischen Hintergrund gegeben genauso wie Akademiker*innen, die in politischen Kämpfe involviert waren. Aber während politische Kämpfe im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert für die Entwicklung linker Theorie prägend waren, sind es heute akademische Debatten.

Das Verhältnis zwischen politischen Kämpfen und akademischen Debatten ist ein kompliziertes. Es gibt Vorurteile auf beiden Seiten, das heißt akademische Überheblichkeit ebenso wie vulgäre Theoriefeindlichkeit. Manchmal scheint es so, als hätten wir es mit zwei getrennten Welten zu tun. Doch eine engere Zusammenarbeit von Theoretiker*innen und Praktiker*innen würde linken Bewegungen sicher gut tun. Ohne persönliches Engagement und politische Erfahrung kann es keine relevante linke Theorie geben. Gleichzeitig helfen uns theoretische Reflexion und wissenschaftliche Analyse, die Bedingungen unserer Kämpfe zu verstehen. Linke Theorie und die Universitäten – ein schwieriges Verhältnis weiterlesen

Afrin-Solidarität: Der Hauptfeind steht im eigenen Land

Wie weiter für Afrin? Zu den Aufgaben des Widerstands nach der Einnahme der Stadt Afrin durch die türkischen Besatzer

Dschihadistische Banden ziehen, plündernd und mordend, durch den gesamten Kanton Afrin – inklusive der gleichnamigen Provinzhauptstadt. Die Lage ist unübersichtlich, klar ist aber bislang, dass sich die Hauptkampfverbände der Verteidiger*innen Nordsyriens aus der Stadt zurückzogen, wohl um den verlustreichen Kampf Straße um Straße, Haus um Haus zu vermeiden. Viele tausende Zivilist*innen wurden evakuiert, es verbleiben aber auch noch Menschen in dem besetzten Gebiet. Sie sind dem Terror diverser dschihadistischer und nationalistischer Kräfte ausgeliefert. Afrin-Solidarität: Der Hauptfeind steht im eigenen Land weiterlesen

Organisierung statt Befriedung

Wie weiter in den Mietenkämpfen? Überlegungen zum Konzept einer Mieter*innengewerkschaft.

Die gute Nachricht zuerst: es bewegt sich was in Berlin und anderswo. Genauer: Die Mieter*innen bewegen sich. Mittelpunkt des Geschehens ist dabei mal wieder Kreuzberg, also der Bezirk, der in Hinsicht auf Mietenkämpfe auf eine sehr bewegende Geschichte, teilweise immer noch auf Personal und Strukturen, ganz sicher aber auf einen kämpferischen Geist zurückgreifen kann. Die Kiezversammlungen, die die Initiative „Zwangsräumen verhindern“ alle paar Monate im SO36 veranstaltet, platzen aus allen Nähten.

Als das Café Filou und der Buchladen „Kisch & Co“ von der Räumung bedroht waren, wurden diese durch Protestaktionen der Nachbar*innen, Demos und neugegründete Initiativen gestoppt. Die neuen – wie Boss&U aus der Otto-Suhr-Siedlung – ließen sich von den „alten Hasen“ wie Kotti&Co, die mittlerweile seit fast sieben Jahren am Kottbusser Tor um ihre Häuser kämpfen, beraten. Das Neue Kreuzberger Zentrum ging – mit viel Glück – nicht an einen privaten Investor, dort kämpft jetzt ein Mieter*innenrat um Selbstverwaltung, ein einmaliges Projekt im ehemaligen sozialen Wohnungsbau. Viele Häuser, die bereits vom Vorverkaufsrecht gebraucht gemacht haben und sich nun teilweise selbst verwalten, schließen sich zusammen, um nicht unpolitisch zu werden und nur noch im Eigenheim-Saft zu schmoren. Organisierung statt Befriedung weiterlesen

Afrin ist nicht gefallen

Es ist mittlerweile fast zwei Monate her, seit am 20. Januar 2018 die türkische Besatzungsarmee zusammen mit zehntausenden Dschihadisten-Söldnern die Grenze nach Afrin überschritt.Seit diesem Tag häufen sich die Meldungen über Hinrichtungen, Folter, Leichenschändung durch Erdogans Gotteskrieger, die sich kaum von den Waffenbrüdern des „Islamischen Staates“ unterscheiden.

Der Krieg gegen Afrin offenbart ein weiteres Mal den Charakter der Revolution in Rojava. Er zeigt einerseits, dass die demokratische Selbstverwaltung im Norden Syriens keinesfalls ein Proxy-Projekt eines der imperialistischen Machtblöcke ist – sowohl Russland als auch die NATO haben ganz offensichtlich ihr Einverständnis zum Einmarsch der Türkei gegeben. Afrin ist nicht gefallen weiterlesen

„Deutschland war und ist Teil des Krieges gegen Kurden“

Berlins Rolle bei der Unterdrückung der kurdischen Befreiungsbewegung hat eine lange Tradition. Interview mit dem Mitglied des PKK-Exekutivrat Duran Kalkan

Befreundete Journalisten haben ein längeres Gespräch mit dem Exekutivratsmitglied der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geführt. Wir veröffentlichen vorab einen kurzen – leicht redigierten – Auszug.

Das vollständige Interview, das einen umfassenden Überblick über die deutsch-türkischen Beziehungen und die Rolle Deutschlands in der „Kurdenfrage“ gibt, könnt ihr in den kommenden Tagen in mehreren Episoden auf der deutschsprachigen Seite der kurdischen Nachrichtenagentur ANF lesen.

# Zur Person: Duran Kalkan, Organisationsname Heval Abbas, gilt als einer der wichtigsten Vordenker der PKK. 1954 im türkischen Güzelim geboren, lebt Kalkan seit Jahrzehnten das Leben eines Guerillas. Heute ist er Mitglied im Exekutivrat der Organisation.

Sie waren einer jener Politiker, gegen die Deutschland im Rahmen des „Düsseldorfer Verfahrens“ Ende der 1980er vorging. Der deutsche Staat hat von Anfang an eine feindselige Haltung gegen die kurdische Freiheitsbewegung eingenommen. Warum?

(…) England, Frankreich, Russland und Amerika haben im Mittleren Osten Strategien verfolgt, die mehr darauf abzielten, mit lokalen Autoritäten und verschiedenen gesellschaftlichen Kräften Beziehungen aufzubauen. Die deutsche Staatspolitik und Kapitalexpansion hingegen versuchte, alles über die zentralen Beziehungen mit dem Osmanischen Reich und dem Iran, später der Türkei aufzubauen. „Deutschland war und ist Teil des Krieges gegen Kurden“ weiterlesen

Militanter Frauenstreik: Für einen Feminismus der 99%

Der 8. März, der Internationale Frauenkampftag, steht wieder vor der Tür. Ein Tag, an dem man als linke Frau gute Nerven haben muss. Schon Tage vorher ist der Posteingang voll. Angeboten werden Dinge, die uns »empowern« sollen: Kosmetik, Sextoys, Unterwäsche und ein Vergünstigungs-Gutschein für ein Candle-Light-Dinner sind dieses Jahr mit dabei. Wir können uns heute aber nicht nur zwischen Produkten, sondern sogar zwischen verschiedenen Frauen entscheiden. Auf der Seite von Edition F, dem hiesigen Zentralorgan des neoliberalen Feminismus, dürfen wir wählen, zwischen »25 Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren«, weil »Frauen in Führungsetagen und insbesondere in Vorständen stark in der Minderheit« sind. Natürlich gibt es auch dieses Jahr einige kluge Veranstaltungen zum Thema und unter anderem in Berlin eine große Demo. Die neoliberale Feminismus-Version, die lediglich um Teilhabe und Aufstieg ringt oder ihre kommerzielle Schwester, die vor allem T-Shirts, Popalben und Bodylotion an die Frau bringen soll, ist trotzdem omnipräsent.

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SPD – alter Revisionismus in neuem Gewand

Die Zigarette danach: Mit Kevin Kühnert auf dem Dach“ titelt vorgestern der Mario Barth unter den pseudo-jugendlichen Webmagazinen: Bento. Untertitel: „Der Juso-Chef hat verloren – trotzdem geht er in die Offensive.“

Die Tränen kann sich der durchschnittlich 25 Jahre alte Leser und Jodel-Experte bei diesem emotionalen Artikel wohl nicht verkneifen. Der Held der sozialdemokratischen Revolution, geschlagen auf dem Dach, Kippe im Mund, blaue Augen nach vorne. „Er sei schon enttäuscht, sagt er, auch wenn er gerade das Lächeln nur schwer aus seinem Gesicht verbannen kann. Der Druck falle halt gerade von ihm ab. „Ist nur schade, dass er mit diesem Ergebnis abfällt.““ SPD – alter Revisionismus in neuem Gewand weiterlesen