Der innere und äußere Pogrom in Südkurdistan

Das Chaos der letzten Wochen fand in den letzten Tagen einen weiteren, traurigen Höhepunkt.

Am Sonntag kündigte Mesud Barzani, der verfassungswidrig weiter am Amt haltende de facto Präsident der Autonomen Region Kurdistan1 an, kein weiteres Mal antreten zu wollen und die Machtverteilung in Kurdistan dezentralisieren zu wollen.2 Das Ganze wurde theatralisch vor dem vollkommen irrelevanten Parlament der KRG vorgelesen. Was darauf folgte war ein kleiner Vorgeschmack auf den faschistoid-feudalen Siff, den der Barzani-Klan nach Jahrzehnten der Korruption und des Betrugs hinterlässt. In Scharen mobilisierten sich Jugendliche in den Straßen von Hewler und Zaxo und stürmten das Parlament. Dort griffen sie oppositionelle Abgeordnete an, die nach ihrem Demokratieverständnis illegitime Verräter sind, und hielten diese teilweise als Geiseln.3 Des Weiteren wurden Journalisten von NRT, einem parteiunabhängigen Sender, der in der Hand eines kurdischen Oligarchen ist, mit Stöcken angegriffen und verletzt. Auch ihre Büros wurden gestürmt4. Zudem wurden die Parteibüros von YNK und Gorran angezündet5. Der innere und äußere Pogrom in Südkurdistan weiterlesen

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Tunnelblick statt Panorama – Kritikaufschlag die Zweite

Liebe Kolleg*innen von Panorama.

Vorweg schon einmal danke, dass ihr euch bemüht habt, euch unserer Kritik anzunehmen und an dieser Stelle sei auch selbstkritisch angemerkt: unsere Kritik war sehr polemisch und an einigen Stellen überzogen. Selbstredend halten wir euch nicht für „Lügenpresse“ oder „Fake News“, diese Kategorien halten wir insgesamt für, sagen wir, schwierig.

Allerdings ist es in der Tat ein Problem, dass sich die Medien heutzutage immer häufiger boulevardesker Methoden bedienen und somit an ihrer Glaubwürdigkeit gezweifelt wird. Eben weil wir die Arbeit von Panorama schätzen, waren wir vom Ton und der scheinbaren „Botschaft“ des Beitrags nicht bloß überrascht, sondern frustriert. Unser Ziel war es nicht, Kolleg*innen zu diffamieren, sondern sie an Prinzipien journalistischer Ethik zu erinnern. Darunter sind unter anderem die enorme Wichtigkeit direkter Observation vor Ort statt ideologischer Schwarzweißmalerei aus europäischen Büros, kritischem Engagement mit komplexen Themen statt Banalisierung der Simplizität halber und dem korrekten Übersetzen und Wiedergeben der Worte wichtiger Akteure. Tunnelblick statt Panorama – Kritikaufschlag die Zweite weiterlesen

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Boulevard statt Analyse – Panorama unter BILD-Niveau

Dies ist eine kritische Analyse des Panorama-Beitrags „Krieg gegen den IS: Der US-Pakt mit Marxisten“ vom 26.10.17. Die Journalisten Stephen Buchen und Karaman Yavuz wollen beweisen, dass hinter den Syrisch-Demokratischen Kräften (SDF) eigentlich die Arbeiterpartei Kurdistans PKK steckt. Doch beweisen die Journalisten nur eines, ihre eigene Unfähigkeit.

Dieser Beitrag macht alles falsch, was falsch gemacht werden kann. Wie dieser den letzten journalistischen Faktencheck überstehen konnte, der zumindest bei der Konkurrenzsendung Monitor gang und gäbe ist, bleibt das Geheimnis der Panorama-Redaktion. Er wird ein Beispiel dafür bleiben, wie Journalismus nicht zu betreiben ist. Boulevard statt Analyse – Panorama unter BILD-Niveau weiterlesen

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1974, 1996, 2017: Die Geschichte des Verrats wiederholt sich

Nun haben wir es also offiziell. Entgegen all der jubelnden Gesänge, der Autokorsos und Banner, der großen Reden und der vor Selbstsicherheit nur so strotzenden Ansprachen ist es nun Geschehen: Das Ergebnis des Referendums, nach dem 93% der Wählerinnen und Wähler für die Unabhängigkeit Kurdistans sind, wurde nun von Mesut Barzani höchstpersönlich auf Eis gelegt. Wieder einmal winselt er um Verständigung, um Dialog und Austausch mit Baghdad. 1974, 1996, 2017: Die Geschichte des Verrats wiederholt sich weiterlesen

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War inside my head

Der hier vorliegende Beitrag schließt an unseren ersten Teil „Die Illusion der Gewaltfreiheit“ an. In diesem haben wir, Hubert Maulhofer und Dieter Oggenbach, Rahmenbedingungen für eine wirkungsvollere militante Praxis auf der Straße, im Anschluss an bzw. im Kontext der G20-Straßenkämpfe, diskutiert. Im Folgenden Beitrag wollen wir das Feld des Militanzbegriffs erweitern. Wir wollen uns entfernen von einer Erzählung, die Militanz auf soziale Gegengewalt reduziert oder im bürgerlichen Sprech „Chaos“ und „Gewalt“. Im Folgenden Beitrag soll es um Grundlagen der und Perspektiven auf die „militante Persönlichkeit“ gehen. War inside my head weiterlesen

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Kirkuks Lehre über das Recht Geschichte schreiben zu können

Dass die Kurdinnen und Kurden als eine Nation ohne Staat einfach nicht im Besitz einer geografisch-politischen Entität sind, ist mitnichten das einzige Problem dieses Volkes. Auf vielen Ebenen wird gekämpft, in vielen Bereichen sehnt sich diese Nation nach Befreiung. Der mittlerweile wohl bekannteste emanzipatorische Kampf, der aus dem zunächst ethnischen Befreiungskampf entstanden ist, ist nun der Kampf um die Befreiung der Frau. Theorie und Praxis der kurdischen Freiheitsbewegung zeigen, wie es Kämpfe innerhalb von Kämpfen geben kann. Befreiung intersektional zu sehen ist ein großer Verdienst dieser Bewegung. Kirkuks Lehre über das Recht Geschichte schreiben zu können weiterlesen

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„Für Daesh sind wir ein beliebtes Ziel“

Frontsanitäter im Krieg um Syrien.
Interview mit heval Agit und heval Jiyan

Vorspann

Es war Freitag, der 8. September und wie immer war es warm. Die Klimaanlage in dem kleinen Vorzimmer einer diplomatischen Einrichtung für Ausländer aller Art im nordsyrischen Qamislo hatte ihren Geist aufgegeben, regungslos schwitzte ich vor mich hin und starrte auf eine kalte Cola. In weniger als 48 Stunden sollte ich aufbrechen. Nach Raqqa, in die umkämpfte ehemalige Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat. Ich hatte mich an vieles gewöhnt in den vergangenen acht Monaten in Kurdistan, aber die Geschichten, die man über Raqqa hörte, zeichneten ein nicht gerade einladendes Bild der (früher, klar) malerischen Metropole am Eufrat. Ein Wort eines befreundeten Kämpfers der Kurdenmiliz YPG hallte in meinem Kopf wieder: meatgrinder, meatgrinder, meatgrinder„Für Daesh sind wir ein beliebtes Ziel“ weiterlesen

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Erneute Massaker in Kolumbien

„Wut. Trauer.“ Viel mehr bekommt mein Bekannter am Telefon nicht heraus. Er war gestern dabei. Fast genau am Jahrestag der feierlichen Bekanntgabe des Friedensnobelpreises an den amtierenden Präsidenten Juan Manuel Santos begehen unter seinem direkten Befehl stehende Militär- und Polizeieinheiten ein weiteres Massaker an der Zivilbevölkerung. Mindestens 9 Personen sterben, viele weitere sind verletzt. Erneute Massaker in Kolumbien weiterlesen

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love in a hopeless place

Unser Redakteur Peter Schaber war in Raqqa – nicht als Journalist, sondern in den Reihen der YPG. Seine Fronterfahrungen hat er für uns aufgeschrieben.

Eigentlich könnte ich längst wieder in Deutschland sein. Als ich vor acht Monaten nach Nordsyrien einreiste, hatte ich weder geplant, so lange zu bleiben, noch eine Waffe in die Hand zu nehmen. Zuerst arbeitete ich als Journalist, mein Beruf eben. Dann manchmal als Bauarbeiter, als Sozialarbeiter, als Koch, Putzkraft, Übersetzer. Die Revolution hat viele Seiten und so muss man viele verschiedene Dinge tun. Auch welche, die man erst ganz neu lernen muss.

Für mich war das zum Beispiel das Handwerk, eine Revolution auch auf dem Schlachtfeld zu verteidigen, gegen diejenigen, die sie ersticken wollen. Ich wusste vorher nicht, wie man ein Gewehr bedient, eine Handgranate oder eine Panzerfaust. Ich ging also in die Lehre. Und irgendwann kam dann der Tag, als ich mit drei anderen Internationalisten gemeinsam in ein Auto nach Raqqa stieg. love in a hopeless place weiterlesen

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