Warum ich nicht wählen gehe…

Es ist wieder soweit. Die Bundestagswahl steht vor der Tür und von allen Seiten wird man eingeschworen: Geh wählen! Wer nicht wählt, wählt die AfD! Klar, die anderen Parteien sind auch nicht alle dufte, aber wir müssen eben in den sauren Apfel beißen und das kleinere Übel wählen.
Zunächst einmal dazu: Wer die AfD wählt, wählt die AfD. (Punkt)

Dann aber zum eigentlich entscheidenden Punkt, zur Mär vom kleineren Übel: Die Bundestagswahl 2017 ist nicht die erste und wird nicht die letzte Wahl sein, bei der dieses Narativ gebetsmühlenartig heruntergebetet werden wird. Als es in den USA hieß Trump oder Clinton, waren sich alle einig: Clinton! Klar, sie steht fürs Establishment, für gnadenlosen Drohnenkrieg und imperialistische Interventionen in aller Welt. Aber hey, immer noch besser als Trump! Der steht schließlich fürs … Establishment … imperialistische Interventionen und Drohnenkrieg und ist zudem noch ein Rassist und Frauenfeind.

Nun ist es für afghanische Dorfbewohner und jemenitische Kinder völlig egal, ob die Bombe, die sie in Stücke reißt, von einer Multimillionärin, die sich verbal liberal gibt, geworfen wird oder von einem Milliardär, der rassistisch, frauenfeindlich, homophob etc. ist.

Nun zurück zum eigentlichen Thema, zur Bundestagswahl. Wieder sind sich alle einig: Alles außer die AfD ist das kleinere Übel! Wirklich? Die AfD ist eine Partei von Rassisten, Antisemiten, Frauenfeinden schlicht eine Partei voller Arschlöcher. Soweit, so schlecht. Doch wer hat die letzten 25 Jahre dieses Land regiert? Wer ist verantwortlich für die zahlreichen Asylrechtsverschärfungen, direkte und indirekte Kriegsbeteiligungen in aller Welt, Paktieren mit den widerwärtigsten Regimen auf dem Globus, die Festung Europa und, um auch innenpolitisch zu werden, Hartz IV, Hungerlöhne, privatisierte Wohnungen, Vorratsdatenspeicherung und Massenüberwachung?

Verantwortlich sind die Parteien, die kollektiv zum »kleineren Übel« verharmlost wurden: CDU, FDP, SPD und Grüne. Ist es also wirklich besser, eine dieser Parteien zu wählen und sich damit von denen repräsentieren zu lassen, anstatt nicht zu wählen und damit »der einzelnen Stimme mehr Gewicht zu geben, weil ja weniger Leute wählen gehen« und damit kleineren Parteien einen mathematischen Vorteil zu verschaffen?

Meiner Meinung nach nicht. Eine Demokratie, in der ich mich lediglich zwischen Rassisten, Mördern und Menschenfeinden verschiedenster Coleur entscheiden kann, ist keine Demokratie. Es ist es generell anzuzweifel, ob ein Kreuz alle vier (bald fünf) Jahre als demokratische Mitbestimmung, als Einbeziehung in den demokratischen Prozess und die Gestalltung der Gesellschaft gelten kann. Es es ist allemal besser, am Sonntag nicht wählen zu gehen, mich für keines der Übel zu entscheiden und ruhig in dem Wissen zu schlafen, dass ich, wenn es um gesellschaftliche Veränderung geht, nicht kompromissbereit bin.

Ich glaube nicht ans kleinere Übel. Für mich ist die westliche Spielart der Demokratie Teil des kapitalistischen Systems, das es zu überwinden gilt und das, egal mit welcher Farbe man es anstreicht, menschenfeindlich und reaktionär bleibt.

PS.: Wer trotzdem wählen geht, wählt bitte Die PARTEI. Die sind wenigstens lustig.

# Karl Plumba

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3 Gedanken zu „Warum ich nicht wählen gehe…“

  1. Sry Karl,
    Aber das was Du schreibst stimmt so nicht. Wenn tatsächlich nur die establishment – Parteien zur Wahl Stunden, wäre ich 100 % Deiner Meinung.
    Würde aber, hypothetisch alle wahlberechtigten Menschen wählen gehen, auch die, die eben nicht die 5 Reiter der Apokalypse wählen, dann hätten wir wohl auch eine buntere Parteienlandschaft im Bundestag.
    Wenn die 50% unserer Bevölkerung alle wählen gegen, könnten ganz viele der Parteien, die jetzt unter „andere“ laufen Sitze zur Mitsprache haben.
    Was meinst Du, was mit den ganzen Anzug-Liberalen-Volksverrätern los wäre, wenn auf einmal regionale Kleinparteien oder eben z. B. Cedar Dominic mit im Bundestag sitzen würden und die rethorisch Scheiße eines Aktmeiers oder eines Demeziers zerlegt?
    Das, aber wird nur gelingen, wenn genug von uns den Arsch hoch kriegen und auch eben solchen Randparteien eine Chance geben.
    Aber natürlich ist es viel einfacher, wie Du es tust, als Muppetopa in der letzten Reihe zu sitzen und mit dem Finger zu zeigen.
    LG, Andreas

  2. Es ist Richtig sich zu entscheiden nicht wählen zu gehen meiner Meinung nach den auf die Frage warum ich nicht wählen gehe antworte ich ähnlich „warum Soll ich jemanden wählen der sein eigenes Gehalt bestimmen kann“ ?? und in einer Demokratie Leben wir hier Garantiert nicht , da der bürger nur Minimal Beteiligt wird … Genau wir die gesetze … es scheint so als müssten sich nur kleine bürger daran halten und die wohlhabenden sich nur im geringen maße … den wenn wir mal ein blick auf die arbeitnehmerschutzgesetze richten .. denken wir uns toll das es sowas gibt aber die realität der umsetzung ist doch eher erschreckend … ich kenne keinen aus meiner umgebung der nicht schonmal in einer Firma war die diese gesetze ingnoriert zb. Pausenzeiten,arbeitszeiten ect.

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