Die Gewalt kommt nach Hause – abweichende Meinungen zum Thema Hamburg

Die Grundlagen

Das Bürgertum ist schockiert, die Presse entsetzt. Politikerinnen und Politiker aller Parteien schütteln die Köpfe und distanzieren sich von der „sinnlosen“ Gewalt, die in Hamburg am Rande des G20 Gipfels eskalierte. Sie tun das, als ob sie jemals einen Ausbruch von Gewalt als sinnvoll anerkennen würden. Martin Schulz weigert sich den Randalierenden und „marodierenden Banden“ das Linkssein anzuerkennen und tut dabei so, als ob er selbst noch irgendetwas Linkes an sich hätte. Die Republik steht Kopf, weil ein paar Tausend losgezogen sind, bewaffnet mit nicht viel mehr als Steinen und Flaschen und ein bisschen Benzin gegen eine militärisch hochgerüstete Polizeimaschinerie. Worauf man eigentlich nur eines sagen müsste: wenn es wirklich so einfach ist, mit so geringen Mitteln die Staatsmacht zum Wanken zu bringen, dann ist das Ding mit der Revolution offenbar einfacher als wir denken.

Doch so weit ist es wohl noch nicht. Leider.

Fakt ist, dass die Polizei und die Politik in Hamburg sehr gute Grundlagenarbeit geleistet hat, um sich den Hass der Demonstrierenden aber auch der ganz normalen Bevölkerung zuzuziehen. Die Arroganz, mit der Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz den G20 Gipfel als persönliches Prestigeprojekt in seine Stadt holte, die Frechheit mit der Innensenator Andy Grote gegenüber der Bevölkerung auftrat und das betonkopfartige Verhalten des G20-Einsatzleiters Hartmut Dudde hinterließ tiefe Spuren innerhalb der Hamburger Einwohnerschaft.

Das Verhalten der Einsatzkräfte vor Ort, die aus Berlin, Sachsen, Thüringen, Hessen (die beiden Wappen verwechsle ich immer) Baden Württemberg, Bayern und sogar aus Österreich und somit aus dem benachbarten Ausland kamen, setzte dem Ganzen die Krone auf. Die Polizistinnen und Polizisten waren angewiesen, jegliche Form von kreativen Protest im Keim zu ersticken und sie nahmen in ihrer unfassbaren Dummheit und Hörigkeit diesen Auftrag sehr, sehr ernst. Sie setzten Wasserwerfer gegen Menschengruppen ein, die sich zum massenhaften Rumcornern getroffen haben. Sie zeigten ihr wahres Gesicht als gewaltbereite Hooligans, als es darum ging, den Gipfel wegzubassen und sie teilten offensichtlich mit Freude aus, als sie angewiesen wurden, die Welcome to Hell Demo nach ungefähr 100 Metern zu stoppen. Polizistinnen und Polizisten vollstreckten extralegale Bestrafungen, indem sie Leute umwarfen und verprügelten. Alle, die dabei waren wissen das. Alle, die etwas anderes behaupten, lügen. Wie kommt es eigentlich, dass nach Ausbruch der sogenannten Gewalttätigkeiten kaum Festnahmen durchgeführt wurden? Wie kommt es, dass sich am Donnerstag Abend als die Lage anscheinend schon eskalierte gerade einmal eine Handvoll Menschen in polizeilichem Gewahrsam befanden? Das kommt daher, dass die – übrigens überwiegend vermummt – auftretenden Polizeikräfte es vorzogen, mit voller Wucht Leute umzurennen, ihnen die Fresse einzuschlagen, sie in großem Stil mit Pfefferspray einzusprühen und mit ihren ausziehbaren Totschlägern auf Menschen einzuprügeln, anstatt sie in Gewahrsam zu nehmen.

Das Ohnmachtsgefühl im Angesicht dieser hochgerüsteten Armeen, die abgestellt waren ein paar Staatenlenker zu beschützen, war überwältigend und steigerte sich hin bis zur ohnmächtigen Wut: Man wollte diesen Schweinen weh tun. Ganz einfach weh tun und wer nicht dabei war, weiß es einfach nicht und wer etwas anderes sagt, war nicht dabei. Ganz Hamburg hasst die Polizei – nie war dieser Spruch wahrer als in dieser Nacht. Es war so eklig, sich so schwach zu fühlen, und es war klar – da musste noch was kommen.

Gute Ansätze, strategische Fehler – Guerillakampf

Der Freitagmorgen begann aus militärischer Sicht gesehen sinnvoll. Während ein Teil des Protestes versuchte den Hafen zu blockieren oder von den Landungsbrücken aus zum G20 Festivalgelände vorzudringen, zerlegten mehrere Klein- bis Großgruppen dezentral ein paar Stadtteile. Die eingesetzte Polizei war überfordert. Überall brannte es und die Feuerwehr kam kaum noch hinterher. Verstärkung wurde angefordert, weil die eingesetzten Kräfte offensichtlich nicht ausreichten, um der Lage Herr zu werden. Die Guerillataktik ging auf: an verschiedenen Stellen angreifen und wieder verschwinden, die Mittel, die zur Verfügung stehen, realistisch einschätzen und sich auf keine großangelegten Straßenschlachten einlassen, bei denen der Feind seine Übermacht ausspielen kann. Das war gut.

Diese Taktik wurde allerdings viel zu früh wieder aufgegeben und vor allem – sie wurde nicht ausgeweitet. Während es mit den Angriffen in Altona und auf der Elbchausee wenigstens noch ein bis zwei Immobilienmakler traf, ein paar Banken und einen Großkonzern wie IKEA, wurde mit der Verlagerung der Kämpfe ins Schanzenviertel tatsächlich wieder nur das tendenziell eigene Viertel kaputt gehauen. Dass es bei diesen Aktionen auch Kleinwagen der Marke Fiat Punto (in rot) traf, die in Flammen aufgingen, ist dumm. Auch der 3er BMW des albanischen Kioskbesitzers ist kein lohnendes Angriffsziel und verspielt die Zuneigung derjenigen, für die man sich einsetzt. Aus diesem Grund wäre es dringend notwendig gewesen, die Einsätze dort fortzusetzen, wo es eine hohe Chance gibt, dass es nicht die Falschen trifft. Dort, wo die Reichen wohnen. Das ist in Hamburg relativ gut einzugrenzen und so wäre sinnvoll gewesen, sich Stadtteilen wie Blankenese und den anderen Elbvororten zuzuwenden und dort die Porsche Cayennes in Brand zu setzen, die da zuhauf auf der Straße herumstehen. Dort könnte man sich auch relativ sicher sein, dass es sich bei der abgefackelten Luxuskarosse nicht um die zum Familienerwerb dringend notwendige Familienkutsche handelt, sondern wahrscheinlich nur um den sportlichen Zweit- oder Drittwagen. Wer das jetzt zynisch oder menschenverachtend findet, hat den Zusammenhang zwischen Elbvorot und diesem System nicht verstanden. Dort sitzen nämlich die Menschen, die von diesem System profitieren. In diesen Gegenden wohnen die Entscheider*innen, die Influencer*innen und Eigentümer*innen, die diese Gesellschaftsordnung am Laufen halten.

Zur Erinnerung: eine Gesellschaftsordnung, in der sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet und die Not, Hunger, Kriege und Elend in diese Welt bringt und das nicht etwa, weil es Naturkatastrophen gibt, sondern weil sie auf Konkurrenz beruht. Weil es dort, wo es Gewinner*innen gibt, auch Verlierer*innen geben muss. Eine Gesellschaftsordnung, die ihre Herrschaft mit aller Gewalt aufrecht erhält und die trotz allem von sich behauptet, friedlich und demokratisch zu sein und es deshalb auch für vollkommen legitim hält, einen Gipfel abzuhalten auf dem 20 Staatenlenkerinnen und Staatenlenker militärisch abgeschirmt über das Schicksal der Welt entscheiden, ohne dass die Leute die es betrifft auch nur ansatzweise mitsprechen dürfen.

Die Profiteure dieser Gesellschaftsordnung, diejenigen, die Macht und Einfluss haben, leben zum großen Teil eben nicht in der Schanze (auch wenn sich ihre Kinder dort eine schicke Stadtwohnung gönnen) sondern in den besagten Stadtteilen hinter den Mauern und den weißgetünchten Fassaden, dem korrekten Benehmen, der Etikette und dem vornehmen Auftreten. Sie sitzen dort und fühlen sich zurecht sicher. Sie schütteln am Frühstückstisch die Köpfe darüber, dass die armen Schweine aus der Innenstadt ihr eigenes Viertel zerlegt haben und lachen vielleicht auch darüber, dass niemand auf die Idee gekommen ist, den Hass vor ihre Haustür zu tragen. Dabei wäre es so leicht und Blankenese ist erreichbar. Doch was ist nicht ist, kann ja noch werden. Entsprechend der Forderung die Kampfhandlungen räumlich auszudehnen und zu dezentralisieren, könnte man auch die Forderung aufstellen, sie auch zeitlich auszudehnen und eben nicht nur auf das Gipfelwochenende zu beschränken. G20 ist immer und könnte noch ein paar Wochen länger dauern.

Die Öffentlichkeitsarbeit – der rote Fiat Punto und andere Sinnbilder

Nun geht er also los, der Kampf um die Deutungshoheit der Ereignisse des G20-Wochenendes und auch hier stehen wir einer geballten Übermacht gegenüber, die aus allen Propagandarohren schießt. Ganz vorne mit dabei, die alte Parole von „Linksextremismus gleich Rechtsextremismus“. Wer das grölt, hat den Unterschied zwischen Autos anzünden und vermeintliche Ausländer durch die Stadt jagen noch immer nicht verstanden und will den auch nicht verstehen. Ansonsten steht das Mitleid mit den „Opfern des linken Terrors“ im Fokus der öffentlichen Berichterstattung, und die ganz normalen Menschen für die sich ansonsten nie jemand interessiert stehen plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Ob diese Menschen tagtäglich unterm Terror des Arbeitsamtes zu leiden haben oder in den gesamten letzten Wochen vor G20 die Schikanen der Polizei ertragen mussten, spielt im Normalfall keine Rolle. Ob sie unter ihren Chefs knuffen müssen, ob sie nicht wissen wie sie die nächste Mieterhöhung bezahlen sollen oder ob das Hartz IV reicht wird erst dann relevant, wenn das Auto im Arsch ist und sie als Beleg herhalten dürfen, dass der linke Mob die falschen Ziele ausgewählt hat.

Entschädigungszahlungen an diese Leute wurden bereits zugesagt. Das ist okay, hängt wahrscheinlich die ein oder andere Existenz an dem abgefackelten roten Kleinwagen. Trotzdem hat dieser allzu hastige Zusicherung von Geldern einen faden Beigeschmack. Erinnern wir uns beispielsweise an die lächerlichen Zahlungen an Angehörige von durch den NSU Ermordeten, ganz zu schweigen von bis heute nicht entschädigten Opfern des zweiten Weltkrieges.

Außerdem verweisen wir auf die Millionen an Geldern, die zum Schutz des Gipfels ausgegeben wurden, und fordern dass dessen Ausrichter, die in ihrer Überheblichkeit eine solch undemokratische Veranstaltung durchgeprügelt haben, doch noch ein bisschen mehr in ihre vom Kreditgeld gefüllten Taschen greifen um die Auswirkungen ihres Hochmuts auszugleichen. Der Presse empfehlen wir, mit der gleichen Vehemenz über die Probleme der Menschen im Schanzenviertel oder anderen weniger betuchten Stadtteilen von Hamburg zu schreiben wie über die Randale der letzten Tage.

 

 

 

 

 

 

Wobei wir beim nächsten Punkt wären: es hätten sich Personen an den Straßenschlachten beteiligt, die gar nicht aus der linken Szene kommen und auch keine Politaktivisten sind, die „gelangweilten und gewaltgeilen Kids“, die ohne politische Ziele ihrer bloßen Zerstörungswut nachgegeben hätten . Wirklich? Ist ja unglaublich. Wenn dem so ist, dann ist das ein Grund zur Freude, denn dann haben nämlich auch diejenigen mitgemacht, die allen Grund dazu haben, sauer auf dieses System zu sein, weil sie sich nämlich nicht nur abgehängt fühlen, sondern auch abgehängt sind. Diejenigen, die immer schon unten waren und immer unten bleiben werden. Diejenigen, bei denen die Chance größer ist, bei Aldi an der Kasse zu enden, als in der eigenen Anwaltskanzlei, egal wie viel sie im Kopf haben. Diejenigen, die sich zwischen Ticken auf der Straße und Hartz IV selbstverwirklichen dürfen. Diejenigen, die aus den Häusern verdrängt werden, in denen sie aufgewachsen sind, weil ihr Stadtteil plötzlich hip geworden ist und sie sich die Mieten nicht mehr leisten können. Diejenigen, die mit ihrem ausländisch klingenden Nachnamen sowieso keine Chance auf dem Wohnungsmarkt mehr haben. Diejenigen, die so viel Frust und Dreck in sich angesammelt haben, weil sie Tag für Tag von der Polizei gegängelt und schikaniert werden, die Hass haben, auf dies und jenes aber vor allem darauf, dass sie spüren, nichts wert zu sein in dieser Gesellschaft. Die, die aus diesen Gründen auch kein Problem damit haben, eine Flasche zu nehmen und sie dem erstbesten Polizisten aus Baden Württemberg in die Fresse zu schlagen.
Das die plötzlich mitmachen bei so einem Gewaltexzess, das verwundert Euch?
Ein Wunder ist es, dass so etwas nicht öfter passiert.
Ein Wunder ist es, dass da nicht mehr passiert ist.
Ein Wunder ist es, dass die meisten Menschen die ganze Scheiße so ruhig und gelassen und voll innerem Selbsthass ertragen anstatt auf die Barrikaden zu gehen und den Frust raus zu lassen.
Ein Wunder ist es, dass die nicht öfter einen Laden wie REWE aufmachen, um dann mit großen Augen zwischen den Regalen zu stehen und festzustellen, dass während der G20 Öffnungszeiten alles umsonst ist. Manchmal trennt einen vom guten Leben eben nur eine Schaufensterscheibe.

So handelt es sich sehr wohl um politische Konflikte, die auf die Straße getragen wurden, auch wenn sie zum Teil nicht eingebettet waren in eine politische Idee. Doch auch Aktivist*innen waren unter den sogenannten „Chaoten“. Die Freundinnen und Freunde aus Südeuropa zum Beispiel, die da dabei waren, die einen ganz anderen Tatendrang zur Schau stellten und dem Anschein nach weniger aus Langeweile einen kleinen Teil von Deutschland in Schutt und Asche legten als aus echter Frustration. Vielleicht über die undemokratischen Verhältnisse innerhalb der EU. Vielleicht über den schlechten Zustand der parlamentarischen Demokratie. Vielleicht auch über die gängelnde Austeritätspolitik der bundesdeutschen Regierung, Gründe für diese Frustration gäbe es wirklich zuhauf.

Doch gehen wir mal davon aus, dass die politisch Aktiven in der Minderheit und die „Gelangweilten“ und „Gewaltgeilen“ in der Überzahl waren, dann sei der Presse, den eingesetzten Polizistinnen und Polizisten, den Ordnungskräften und der Bevölkerung die sich jetzt über die Randalenächte echauffiert folgendes gesagt: Ihr könnt froh sein, dass die meisten Abgehängten und Verzweifelten ihre Wut und Verzweiflung noch in sich hineinfressen und sie nicht in Form solcher Aktionen zum Ausdruck bringen. Vielleicht werden viel mehr von ihnen nämlich auch eines Tages auf der Matte stehen und dann Gnade Euch Gott. Denn unter Umständen kommen Teile dieser Leute nicht mit der Utopie eines herrschaftsfreien menschlichen Zusammenlebens, sondern mit weitaus garstigeren und weniger fortschrittlichen Ideen.

Die Vorboten der Apokalypse sind schon jetzt zu spüren. Ein System wie das, in dem einige Wenige prächtig leben, viele so lala und sehr viele richtig beschissen, so ein System wird sich weder wegtanzen noch wegbassen lassen. Die Mächtigen werden sich ihre Macht auch nicht aus der Hand diskutieren lassen. Wenn ansonsten nichts mehr bezahlt wird, die Sicherheitskräfte werden bis zum Schluss ihren Sold bekommen. Ein Aufstand, eine Revolution ist kein Blumenpflücken, dessen sollten sich all jene bewusst sein, die von einer Veränderung träumen. Unsere Aufgabe ist es, Ideen einer besseren, solidarischen, gerechten Welt in den Köpfen dieser Leute zu verankern. Es wäre möglich. Wir müssen es nur wollen. Die Zeit sich zu entscheiden rückt näher und die Entscheidung heißt heute, genauso wie vor hundert Jahren: Sozialismus* oder Barbarei?

#Jens Ulfkotte

#Fotos: Willi Effenberger

 

*Wem das Wort Sozialismus sauer aufstößt, der kann das natürlich auch durch blumigere Umschreibungen ersetzen. Mit dem Wort Sozialismus soll eine Wirtschaftsordnung beschreiben sein, die auf solidarische Kooperation statt Konkurrenz setzt und in der es vor allem darum geht, den materiellen Reichtum einer Gesellschaft zu mehren, statt den Geldreichtum einiger weniger. Würde auch diese lästige Wachstumsdiskussion beenden, weil man dann auch mal aufhören könnte, unsinnigen Scheiß zu produzieren, Ressourcen zu verschwenden und Leute auszubeuten, einzig und allein aufgrund der Prämisse, aus Geld mehr Geld machen zu müssen. Das würde schon so einige Probleme beheben, die wir so haben auf der Welt und über die anderen könnte man sich dann ja auch noch vielleicht einig werden.

 

 

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6 Gedanken zu „Die Gewalt kommt nach Hause – abweichende Meinungen zum Thema Hamburg“

  1. Der bislang beste Text zum G20. Schön, dass Du/Ihr Euch etwas Zeit genommen habt, die ganze Misere zu analysieren, um sie dann glasklar auf den Begriff zu bringen. Danke auch für den Nachtrag zum Sozialismus.

  2. „Der Freitagmorgen begann aus militärischer Sicht gesehen sinnvoll. Während ein Teil des Protestes versuchte den Hafen zu blockieren oder von den Landungsbrücken aus zum G20 Festivalgelände vorzudringen, zerlegten mehrere Klein- bis Großgruppen dezentral ein paar Stadtteile. Die eingesetzte Polizei war überfordert. Überall brannte es und die Feuerwehr kam kaum noch hinterher. Verstärkung wurde angefordert, weil die eingesetzten Kräfte offensichtlich nicht ausreichten, um der Lage Herr zu werden. Die Guerillataktik ging auf: an verschiedenen Stellen angreifen und wieder verschwinden, die Mittel, die zur Verfügung stehen, realistisch einschätzen und sich auf keine großangelegten Straßenschlachten einlassen, bei denen der Feind seine Übermacht ausspielen kann. Das war gut.“

    Das ist so dermaßen verkehrt, großmäulig und dumm. Wie weich in der Birne muss einer sein, so einen dreisten Scheiß zu labern, und das ohne rot zu werden. Wenn 200 Vollhonks auf der Elbchaussee und in Altona mehr als 2 Stunden(!!) ungestört und wahllos Autos in Brand setzen konnten, dann doch nicht deswgen, weil ein paar Tausend Demonstranten und ein paar plietsche Hundert Autonome das Hamburger Besatzungsregime, bestehend aus Tausendschaften nationaler wie internationaler Geheimdienst- und Polizeitruppen, ÜBERFORDERTEN und am Nasenring herumführten! Keine 5 Minuten, und die Honks wären Gemüse, wenn die Befehlshaber des angeblich so überforderten und ausgetricksten Apparates das angeordnet hätten!

    1. das stimmt halt so nicht. ich habe zwar auch in hh die direkten konfrontationen von polizei und wütenden leuten auch als sehr feige, unorganisiert und naiv erlebt. das ändert aber nichts an dem fakt, dass du mit einer gewissen menge leute, die dezentral agieren, in kurzer zeit eine ganze stadt auf den kopf stellen kannst. gegen die leute, die dezentral in den (reichen) außenbezirken autos anzünden und polizeistationen angreifen, kannst du halt nichts machen. auch wenn die polizei vom militär unterstützt würde und auf alle leute auf der straße scharf schießen würde, hätte sie wenig dagegen machen können. die leute, die dezentral unterwegs waren, haben ja nicht mal polizisten zu sehen bekommen. wenn du in alle außenbezirke polizisten schickst, wirst du kaum die vielen brandherde löschen und neben jeden porsche drei polizisten stellen können und du müsstest eine große demonstration in der stadtmitte allein lassen, was nicht geht (weil die ja gewaltvoll aufgelöst werden soll).
      nur: darauf sollten wir uns nur nicht so viel einbilden. denn den staatlichen machtapparat zu überforden, heißt ja nicht ihn abzuschaffen oder zu ersetzen. und letzteres ist halt nicht nur eine frage des mobilisierungsgrades. sondern die frage ist: wie organisieren wir uns, welche vom staat unabhänigen strukturen können wir aufbauen? mobilierung und organisation – das ist halt nicht das gleiche. in dieser hinsicht waren die tage in hamburg ziemlich ernüchternd.

      1. Jo, hättest Du auch nur eine vage realistische Vorstellung von dem, was sich dort an militärischen Potenzen und technischen Equipment am Boden und in der Luft befanden, würdest Du nicht so einen naiven Unfug aufschreiben. Du kannst davon ausgehen, dass der gesamte Marsch besagter „Autonomen“- Truppe, die da am frühen Morgen durch Ottensen marodierte, von Polizei und Militär aus mehreren Perspektiven, aus der Luft und vom Boden aus, durchgehend begleitet, überwacht und aufgezeichnet wurde. Die sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Bullentruppen griffen nicht nur Stundenlang nicht ein, sondern brachten es sogar fertig, niemanden aus besagter Truppe einzukassieren.

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