„Utopien lebendig machen“

Am Samstag fand in Berlin die Social Center 4 All-Konferenz statt. Ziel war es Ideen und Konzepte zu erarbeiten, wie ein solcher Raum jenseits staatlicher Regularien in Berlin aussehen kann.
Aufgeteilt in fünf Arbeitsgruppen tauschten sich über 100 AktivistInnen angeregt aus und entwarfen Konzepte.e
Unser Ziel war es, viele verschiedene Initiativen an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam die Idee eines Social Center 4 All zu füllen. Da wir festgestellt haben, dass es bei den ersten beiden Besetzungen immer ganz schön gedauert hat unsere Message zu transportieren, entstand bei uns die Idee in Form eines Kongresses möglichst viele Leute in unseren Prozess mit einzubinden.
Es gab fünf Workshops, die waren sehr konstruktiv und ich würde sagen, wir sind heute dem Grundstein eines sozialen Zentrums in Berlin ein Stück näher gekommen. Wir haben verbindliche Verabredungen getroffen und es haben sich Diskussionspunkte herauskristallisiert, die wir bei Folgetreffen noch weiter besprechen müssen. erzählte Jörg Blau, Aktivist der Social Center 4 All Kampagne.

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Graffiti in der Köpi36

Eine der fünf Arbeitsgruppen beschäftigte sich so zum Beispiel mit dem Thema Bildung im SC4A, aber wie?. Sie gelangten zu dem Ergebnis, dass gegenseitige Bildung ohne Kosten und ohne Zwang fest zu einem sozialen Zentrum gehören sollte und sich besonders dadurch auszeichnet, frei von Hierarchien und Dienstleistungsmentalitäten zu sein.
So sollen durch ein „each one teach one-Konzept alle Interessierten eingebunden und gleichzeitig eine Atmosphäre der gegenseitigen Solidarität geschaffen werden.
Schon darin sieht auch Jörg Blau bereits einen Erfolg. „Es ist für Berlin schon etwas besonderes, wenn soviele unterschiedliche Menschen und Initiativen sich gemeinsam an einen Tisch setzen und konstruktiv arbeiten, anstatt sich aneinander abzuarbeiten.“
Eine andere Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dem Thema Was wir wollen. Dort ging es vor allem um die Realisierung von gleichberechtigter Teilhabe am Social Center 4 All und um gemeinsame Strategien zur Schaffung des Zentrums und zur Verankerung in der Nachbarschaft.
Ganz oben auf der Liste der Kriterien für ein soziales Zentrum stand hier, einen Raum zu schaffen, der nicht-staatlich, angstfrei und konfliktfähig ist. Einen Ort, an dem die Nachbarschaft sich vernetzen kann, Inis Platz für ihre Arbeit finden, einen Ort des politischen Austauschs und der gegenseitigen Hilfe. Kurz: einen Ort der gelebten Utopie.
Luca Schaefer ist durch Freunde auf den Kongress aufmerksam geworden. Ich fand das schon bei der ersten Besetzung eine gute Idee und wollte mich jetzt einfach mal weiter informieren und reinschauen, wie das so ist. erzählt er im Gespräch. Für ihn war die unverändert schlechte Situation von Geflüchteten der ausschlaggebende Grund, selber aktiv zu werden.
Ich bin positiv überrascht, dass so viele Menschen gekommen sind. Auch die Diskussionen waren schlüssig und spannend, mit wichtigen Beiträgen und vielen Ideen, die auch realisierbar scheinen und das alles in sehr angenehmer Atmosphäre. Außerdem war das Essen großartig resümiert er.

Im Haus war die Stimmung ausgelassen, für Musik, kühles Bier und genügend Raum für politischen Austausch war schließlich gesorgt.
Im Haus war die Stimmung ausgelassen, für Musik, kühles Bier und genügend Raum für politischen Austausch war schließlich gesorgt.

Auf einem gemeinsamen Abschlussplenum am Abend wurde eine erste Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse und Forderungen vorgestellt.
Wir wollen Utopien lebendig machen und radikal-demokratische Perspektiven schaffen, einen Raum der Menschen einlädt zu kommen, zu bleiben und sich zu engagieren. Wir wollen Hilfe weiterdenken und Hilfe politisieren und dadurch einen Raum schaffen, der fest im Kiez verankert ist. Unter Beifall wurden auch die Besetzungen in Mannheim und Leipzig gegrüßt.
Im Anschluss an den offiziellen Teil der Konferenz wurde ein Brief solidarischer AktivistInnen verlesen, die bereits während der Konferenz ein Haus besetzt hatten und nun alle zu einem gemeinsamen Abend dorthin einluden.
Fast alle TeilnehmerInnen machten sich daraufhin auf den Weg in die Köpenicker Straße.
Auf dem Weg dorthin erklärte Jörg Blau noch einmal, warum trotz der bisherigen Misserfolge von Besetzungen in Berlin an der Strategie festgehalten wird:
Wir denken, dass die Besetzung die naheliegende Option ist. Keiner von uns ist Millionär, so dass ein Hauskauf schlicht nicht drin ist. Wir haben aber auch immer klar gemacht, dass wir auch andere Möglichkeiten ergreifen würden ein Haus zu bekommen, sofern es die denn gibt. Wenn uns jemand ein Haus zu Verfügung stellen möchte, werden wir das annehmen. Solange wir das nicht haben, bleibt uns nur die Möglichkeit der Besetzung.
Am Haus angekommen, war die Stimmung ausgelassen. Besonders da schon am frühen Abend die Nachricht verkündet wurde, dass die Besetzungen in Leipzig und Mannheim vorerst geduldet werden und die Verhandlungen um ein soziales Zentrum diese Woche mit Gesprächen am runden Tisch in die nächste Runde gehen sollten.
Nur in Berlin sollte Henkels Gurkentruppe den AktivistInnen mal wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Kaum angekommen, erteilten die Einsatzhundertschaften erst einmal Platzverweise an jedEn, der oder die sich vor dem Gebäude aufhielten, Begründungen dafür wollten sie nicht liefern.
Innerhalb kurzer Zeit kam dann auch der Hausmeister des Hauses und erklärte dem Einsatzleiter, dass er das Hausrecht innehabe und kein Problem mit der Party im Haus hätte. Damit hätte der Einsatz eigentlich beendet werden können, aber geht es um Linke und

Henkels Gurkentruppe ließ sich natürlich nicht Lumpen und kam uneingeladen und mit allem, was noch nicht völlig zugekokst auf der Wache lag angedüst. Letztendlich scheiterten sie am Türsteher.
Henkels Gurkentruppe ließ sich natürlich nicht Lumpen und kam uneingeladen und mit allem, was noch nicht völlig zugekokst auf der Wache lag angedüst. Letztendlich scheiterten sie am Türsteher.

ihre Ideen entwickeln deutsche Beamte ungeahnten Tatendrang und so wurde doch noch die Eigentümerin des Hauses aufgespürt. Diese hatte, anders als ihr Hausmeister, keine Lust auf eine politische Party in ihrem Haus (welches eh bald abgerissen werden soll), erklärte sich jedoch bereit auf Anzeigen gegen die BesetzerInnen/Partygäste zu verzichten, sollten diese freiwillig herauskommen. Sehr zum Unmut der eingesetzten Polizeikräfte nahmen diese das Angebot auch an und kamen nach mehreren Stunden der Besetzung und unter Beifall der Besucher einer vor dem Haus angemeldeten Kundgebung aus dem Gebäude.

– Karl Plumba

Auch wenn diesmal (soweit wir wissen) zu keinen neuen Repressionskosten gekommen ist, gibt es noch offene Rechnungen von den letzten Besetzungen. Wenn ihr die GenossInnen und die Kampagne unterstützen wollt, dann spendet an:

Rote Hilfe e.V.
IBAN: DE55430609674007238317
BiC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: socialcenter4all

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