[Fotostory] Proteste gegen Hochschulrat in Istanbul

Der 6. November ist der Jahrestag der Gründung des türkischen Hochschulrates (Yükseköğretim Kurulu kurz YÖK). Dieser wurde 1981 von der neuen Putschregierung etabliert um die Universitäten zu entpolitisieren und sie unter staatliche Kontrolle zu stellen. Dies war ein harter Schlag gegen die revolutionäre Studentenbewegung, denn vorher waren die Universitäten weitgehend Selbstverwaltet, seit seiner Gründung entscheidet nun der (zu zwei drittel staatlich kontrollierte) Hochschulrat über Lehrpläne und die Aufnahmeverfahren für Studenten. Er ernennt sogar die auch die Dekane.
Aus Protest dagegen fanden in zahlreichen Bezirken Istanbuls und anderen Städten sowie an der Istanbul Universität Protest – und Boykottaktionen statt. Wie in Erdogans Türkei nicht anders zu erwarten, wurden diese mit massiver Polizeigewalt versucht zu unterbinden.

Wir schlossen uns einer Gruppe Schüler aus Okmeydani an, welche an ihrer Schule sowie in ihrer Nachbarschaft zum Boykott aufriefen. Vor der Schule wurden sie allerdings bereits von gepanzerten Polizeifahrzeugen (Akreps) erwartet, welche die Schüler unmittelbar angriffen.
Die Schüler zogen sich in den Kiez zurück, begannen Barrikaden zu errichten und bereiteten sich auf den Angriff der Polizei vor. Dieser kam sehr schnell und sehr heftig. Inerhalb weniger Minuten patrouillierten diverse Akreps durch den Kiez und jagden die Schüler durch die Gassen, selbst ein Wasserwerfer war aufgefahren.
Immer wieder versuchten sich die Schüler mit Barrikaden und Feuerwerk zu schützen, einige Male gelang es ihnen die Akreps mit Molotows anzugreifen und sie so zum Rückzug zu zwingen. Im Allgemeinen hatten sie jedoch den Panzerfahrzeugen, welche den Kiez immer wieder in Schwaden von Tränengas ertränkten wenig entgegenzusetzen.
Auch in Gazi Mahallesi kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit den Cops, welche auf Steine mit scharfer Munition antworten und mindestens eine Person schwer verwundeten. Eine weitere Person wurde durch eine Gasgranate am Kopf schwer verletzt.
Die demonstrierenden Studenten vor der Istanbul Universität wurden von der Polizei mit Tränengas und Pepperballs angegriffen, wobei es ebenfalls zahlreiche Verletzte und Festnahmen gab.

Vorbereitung ist alles: Molotovs wurden an diversen Stellen im Kiez gebunkert.
Vorbereitung ist alles: Molotows wurden an diversen Stellen im Kiez gebunkert.
Während dem Boykott blieben alle Läden im Kiez geschlossen.
Während dem Boykott blieben alle Läden im Kiez geschlossen.
Bereits vor der Schule kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Schülern.
Bereits vor der Schule kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Schülern.
Immer wieder schossen die Cops mit Tränengasgranaten in den Kiez und zielten dabei auf alles was sich bewegte.
Immer wieder schossen die Cops mit Tränengasgranaten in den Kiez und zielten dabei auf alles was sich bewegte.
Durch Barrikaden sollten die Akreps auf Abstand gehalten werden.
Auch geöffnete Gullideckel sind erstaunlich effektiv gegen Fahrzeuge.
Auch geöffnete Gullideckel sind erstaunlich effektiv gegen Fahrzeuge.
Erst seit kurzem im Einsatz: Panzerfahrzeuge nach israelischem Vorbild.
Erst seit kurzem im Einsatz: Panzerfahrzeuge nach israelischem Vorbild.
Zwischendurch...
Zwischendurch…
...müssen alle mal Pause machen...
…müssen alle mal Pause machen…
...auf ner Rutsche chillen...
…auf ner Rutsche chillen…
... oder für Fotos posen.
… oder für Fotos posen.
Mit Molotows konnten die Akreps hin und wieder zum Rückzug gezwungen werden.
Mit Molotows konnten die Akreps hin und wieder zum Rückzug gezwungen werden.
Aber Achtung: Beim Autofahren und in der Schwangerschaft wird vom Gebrauch von Molotows abgeraten.
Aber Achtung: Beim Autofahren und in der Schwangerschaft wird vom Gebrauch von Molotows abgeraten.
Die Auseinandersetzung zogen sich bis in die Nacht...
Die Auseinandersetzung zogen sich bis in die Nacht…
...letztendlich behielten die schwergepanzerten Bullen aber die Oberhand im Kiez.
Letztendlich behielten die schwer gepanzerten Bullen aber die Oberhand im Kiez.

 

– Karl Plumba

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