Zähl´ so viele Scheine Du kannst, bevor Du sitzt.

Die Geschichte des Rappers Xatar aus klassenpolitischer Sicht
von Martin Seeliger

Dass es im Gangstarap ganz wesentlich um die Auseinandersetzung um gesellschaftlichen Reichtum geht, ist nicht neu. Geld, teure Autos und andere Statussymbole gelten hier nicht nur als erstrebenswert. Sie sogar Gegenstand ständiger Kämpfe, an denen sich neben den Rappern und ihren Gesinnungsgenossen auch die übrigen Gesellschaftsmitglieder und (in der Regel als deren erster Stellvertreterin) die Polizei beteiligen. Es erscheint also nicht so weit hergeholt, die Geschichten, die Gangstarapper in ihren Songs erzählen, im Marx´schen Sinne als Geschichten von Klassenkämpfen zu interpretieren. Hier geht es um ‚arm gegen reich‘, ‚wir gegen die‘ oder – im klassischen Sinne – ‚unten gegen oben‘. Zähl´ so viele Scheine Du kannst, bevor Du sitzt. weiterlesen

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„Solidarität heißt, Gegenmacht aufzubauen“ – Interview mit den Berliner BesetzerInnen

Update: Die Polizei hat das Haus geräumt, Fotos von der Räumung hier. Aktuelle Infos zu Kampange auf der Website und auf Twitter.

AktivistInnen des „Social Center 4 All“ (SC4A) besetzen zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ein Haus in Berlin. Ihr Ziel: Eine Flüchtlingsunterkunft, die zugleich soziales Zentrum ist. Gespräch mit einer der BesetzerInnen.

Es ist das zweite Mal, dass in Berlin ein Haus mit dem Anspruch besetzt wurde, ein selbstverwaltetes »soziales Zentrum für alle« zu schaffen. Warum habt ihr es erneut versucht?

Weil wir beim ersten Mal geräumt wurden. Hätten sie uns das Ding gegeben, hätten wir jetzt andere Sachen zu tun. Und weil sich nichts an den Gründen, die uns beim ersten Mal bewegt haben, geändert hat. Der Winter kommt und noch immer sind die Zustände auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) unhaltbar. Noch immer müssen Geflüchtete im Freien warten und zum Teil auch im Park übernachten. „Solidarität heißt, Gegenmacht aufzubauen“ – Interview mit den Berliner BesetzerInnen weiterlesen

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[Was geschrieben werden muss VI] – Alles Gute kommt von oben

Einband der Erstausgabe, Paul Zsolnay Verlag 1989
Einband der Erstausgabe, Paul Zsolnay Verlag 1989

Zu Gisela Elsners „Fliegeralarm“

Nürnberg gegen Ende des Krieges. Die Reichsparteitagsstadt liegt in Schutt und Asche. Gisela Elsner, 1937 geboren, erlebt als Kind, wie der Krieg heim ins Reich kommt. Ihre Erlebnisse verarbeitete die Antifaschistin und „letzte Kommunistin“ (den Titel, letzteR KommunistIn zu sein, teilt sie sich mit ihrem literarischen Ziehsohn Ronald M. Schernikau), die sich 1992 das Leben nahm, im letzten Roman, den sie fertigstellte, der publiziert wurde und wenig positiven Anklang fand: „Fliegeralarm“ von 1989.

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„Olympia wäre eine Niederlage für die lohnabhängige Bevölkerung“

Über antikapitalistische Politik in Hamburg, das Klassenprojekt Olympia und die Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs. Ein Gespräch mit der Revolutionären Linken Hamburg.

Die „Revolutionäre Linke Hamburg“ ist ein neues Bündnis linker und außerparlamentarischer Gruppen und Einzelpersonen, das sich in der Hansestadt für klassenkämpferische und internationalistische Politik einsetzt. Für kommenden Samstag, den 21. November, ruft es zur Demonstration „Nein zu Olympia! Die Spiele der Reichen verhindern!“ auf.
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Unsere schönen tollen Gesellschaften

Nach dem Attentat von Paris: Hört auf, euch in ein „Wir“ zwängen zu lassen, dem ihr gar nicht angehört.

Es wurden empörend viele dumme Texte in einer erstaunlich raschen Abfolge produziert, nachdem eine Zelle des „Islamischen Staates“ (IS) in Paris über 100 ZivilistInnen tötete. Die meisten dieser Dokumente fortschreitender Verblödung müsste man nicht einmal kommentieren, wenn sie nicht trauriger Weise sogar funktionieren würden. „Funktionieren“ tun sie, weil sie gar nicht geschrieben sind, um einen wie auch immer gearteten Erkenntnisgewinn zu produzieren. Vielmehr wollen sie die nun panisch vor Angst nach Halt suchenden Monaden der kapitalistischen Metropolen gerne einfangen und in ein Kollektiv pressen, das – je nach Schreiberling – ganz eigene Zwecke erfüllt.

Eine oberflächlich betrachtet harmlose Variante dieses Versuchs, präsentiert uns die Guardian-Autorin Suzanne Moore. Sie hat endlich alles durchschaut. Der „Islamische Staat“ hat es auf unseren „Joy“, unsere Lebensfreude und unseren Spaß, abgesehen. „Die Angreifer von Paris können die eine Sache, die sie am meisten hassen, nicht umbringen: Den Spaß.“ Die liebenswert blöde Moore weiß sodann auch schon, wie der „Widerstand“ zu organisieren ist. Am Tag nach dem Attentat war sie nämlich Kuchenessen mit ihrer Familie. Sicher, so viel kann auch sie verstehen, durch „Kuchen alleine“ werden sie nicht besiegt, die bärtigen Spaßverderber. „Aber ich denke schon, dass gutes Leben eine Form des Widerstands ist und Paris das am besten von allen Orten verkörpert.“
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Raus aus der Schockstarre?

Zum vergangenen Generalstreik in Griechenland

Am 12. November hat griechenlandweit der erste Generalstreik seit der Regierungsübernahme von SYRIZA im Januar 2015 stattgefunden. Wie bekannt, hatte die SYRIZA Regierung nach dem Referendum vom 5. Juni einen salto mortale hingelegt und sich auf einer noch mieseren Grundlage mit der Troika verständigt. Was daraus folgte war ein 3. Memorandum mit dem nun mit dem ESM zur Quadriga transformierten Institutionengeflecht, das Austerität, politische Bevormundung, Sozialstaatskürzung und den ganzen restlichen desaströsen Mist für den Großteil der griechischen Bevölkerung fortsetzen sollte. Raus aus der Schockstarre? weiterlesen

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Wo seid ihr denn alle hin?

Tumbleweed in Spreetown: Über die Mobilisierungsschwäche der Hauptstadtlinken und wie ihr beizukommen wäre.

Mittwoch, 11. November: Die Bundeswehr ruft zum großen Zapfenstreich. 60 Jahre alt ist sie nun, die Armee, die aus den Überresten faschistischer Militäreliten zusammengezimmert wurde, und die sich heute mitten in ihrem Umbau von einer angeblichen „Verteidigungsarmee“ zu einer global einsetzbaren Interventionsarmee befindet. AntimilitaristInnen veranstalten eine Gegendemo, mobilisieren über Wochen, inklusive guter Texte und militanter Aktionen. Am Ende kommen 300 Leute. Zieht man in Betracht, dass die gesamte Linke, von parlamentarisch bis autonom, die Ausblendung von „Fluchtursachen“ in der gegenwärtigen Debatte bemängelt, ist das erstaunlich wenig.

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Der Sarkasmus des Neoimperialismus

Der Flughafen Tempelhof wird zur „Notunterkunft“

„US Army Aviation“ steht groß auf den Toren der zum Flugfeld gerichteten Hangars des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof. Hinter diesen Toren werden derzeit durch die Tamaja GmbH Hangars für Geflüchtete hergerichtet. Die ersten sind bereits am 25. Oktober eingezogen. Insgesamt sollen dort in Kürze in drei Hangars bis zu 2300 Menschen leben. Ausgerechnet das Logo der US-Luftwaffe, ein Emblem für die neoimperiale Zerstörung der halben Welt, empfängt die Geflüchteten an den Türen ihrer Unterkunft.
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[Fotostory] Proteste gegen Hochschulrat in Istanbul

Der 6. November ist der Jahrestag der Gründung des türkischen Hochschulrates (Yükseköğretim Kurulu kurz YÖK). Dieser wurde 1981 von der neuen Putschregierung etabliert um die Universitäten zu entpolitisieren und sie unter staatliche Kontrolle zu stellen. Dies war ein harter Schlag gegen die revolutionäre Studentenbewegung, denn vorher waren die Universitäten weitgehend Selbstverwaltet, seit seiner Gründung entscheidet nun der (zu zwei drittel staatlich kontrollierte) Hochschulrat über Lehrpläne und die Aufnahmeverfahren für Studenten. Er ernennt sogar die auch die Dekane.
Aus Protest dagegen fanden in zahlreichen Bezirken Istanbuls und anderen Städten sowie an der Istanbul Universität Protest – und Boykottaktionen statt. Wie in Erdogans Türkei nicht anders zu erwarten, wurden diese mit massiver Polizeigewalt versucht zu unterbinden.
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