In Schildkrötenformation zum SPD-Stand – Antifa, wir müssen reden!

Antifa heißt Angriff, oder so
Antifa heißt Angriff, oder so

Heute Abend fand eine Antifa-Demonstration in Marzahn statt. Es war die sinnloseste Demonstration seit langem. Das einzig Gute an ihr war, dass sie die Probleme der hauptstädtischen Antifa-Bewegung gebündelt vor Augen führte.

Etwa 18.30 S-Bahn-Station Marzahn beim „Eastgate Berlin“. Eine gut gelaunte Wurst dunkel gekleideter Menschen verlässt die S-Bahn, sammelt sich, beginnt etwa eine halbe Stunde später zu demonstrieren. Einige hundert AktivistInnen werden es sein, die sich die kommende Stunde im klassischen Black-Block-Style durch die Ostberliner Plattensiedlung maneuvrieren, durch zumeist leere Straßen oder an riesigen Brachflächen vorbei. Die Parolen sind jene ewig gleichen, die schon in Kreuzberg oder Friedrichshain nur noch wenige PassantInnen zum Mitlaufen animieren. Hier, in der Ostdeutschen ArbeiterInnensiedlung interessieren sie kaum jemanden, die wenigen Menschen, die man sieht reagieren uninteressiert bis befremdet. Unter den hunderten aus dem A-Bereich angereisten, haben sich – soweit der Autor sah – zwei Personen die Mühe gemacht, AnwohnerInnenflyer mitzubringen, von denen sie an diesem Abend, schätzt man optimistisch, zehn außerhalb der Demonstration loswerden.

Aus den Lautsprechern kommt Punkrock, das Durchschnittsalter liegt bei 25, da wir die meisten Gesichter kennen, erlauben wir uns die These, dass die Demo soziologisch nicht gerade den oder die DurchschnittsmarzahnerIn widerspiegelt. Die Angst der Neonazis,

Die Demonstration, gezeichnet aus der Perspektive eines Anwohners
Die Demonstration, gezeichnet aus der Perspektive eines Anwohners

sich irgendwann „fremd im eigenen Land“ zu fühlen, für uns ist sie an diesem Abend Realität, denn wir kommen einfach nicht von hier. Ob die mehrheitlich englischen und bisweilen gar französischen Parolen hier jemanden erreichen, wir wissen es nicht. Inhaltlich haben wir den Leuten nur mitzuteilen, dass wir Nazis scheisse finden, und das jeder, der mit selbigen marschiert auch einer ist. Außerdem behaupten wir faktenwidrig, dass Reffugees welcome seien, hin und wieder drohen wir – leider auch faktenwidrig – „Feuer und Flamme“ an Abschiebehörden zu legen.

Die Römer kommen!

Versetzt man sich für einen Moment in jene hinein, die durch die Weihnachtsbeleuchtung ihrer Plattenbaufenster von oben auf diese Ansammlung schauen, man wird den Eindruck nicht los, sie müssen denken, hier findet eine Art Invasion statt. Schwarz gekleidete Jugendliche, in römischer Schildkrötenformation umgeben von Transparenten, die mit Slogans aus einer anderen Welt verziert sind, und sich einmal die Woche hier einfinden, um „nie wieder Deutschland“ zu rufen.

Nun ja, eine autonome Antifa-Demo, könnte man bis zu diesem Zeitpunkt meinen, und sich eben darüber Gedanken machen, ob diese Aktionsform hier zielführend ist. Aber es kommt noch dicker. Diese „autonome“ Demo endet dann vor einem Peaugot-Autohaus im völligen Niemandsland, an einer Kreuzung, an der bereits die Grünen, die SPD und die Linke in freudiger Vorwegnahme künftiger Koalitionsoptionen auf uns warteten. Menschen haben die drei

Idee für ein Fronttransparent der nächsten autonomen Antifa-Demonstration
Idee für ein Fronttransparent der nächsten autonomen Antifa-Demonstration

„Großparteien“ keine mitgebracht, sie stehen mit zehn, zwanzig Leuten unter ihren mit Parteilogo bestickten Riesenschirmen und geben Kaffee und Tee aus. In diesem Moment begreifen wir: Ach, wir sind das Publikum für diese bürgerlichen Mitte-Linksparteien, denn Petra Pau von der Linken betritt den Lauti und fängt nun an, der Demonstration (wem sonst, denn hier ist sonst niemand. Nicht wenige Leute, sondern wortwörtlich Niemand) zu erklären, warum sie hier ist.

Wir stehen nun brav im Black-Block-Outfit vor den SPD- und Grünen-Symbolen, immerhin jene Parteien, die mit Sicherheit mehr Schaden für Flüchtlinge (und überhaupt für jeden und jede in diesem Land und vielen anderen) angerichtet haben, als die Marzahner Deppenbürger je in der Lage wären, und geben die Massenbasis für den Bürgerprotest ab, der leider keine eigene Massenbasis mitgebracht hat, die wir im Austausch fürs eigene Bespieltwerden anagitieren hätten können.

Ich bin dann gegangen. Ob die Demonstration ansonsten noch Glanzleistungen vollbracht hat, kann ich nicht beurteilen. Ihr Hauptverdienst dürfte zumindest subjektiv für mich sein, die Notwendigkeit erkannt zu haben, Dinge, die ich für trivial halte, doch nochmal aufzuschreiben.

Stadtteilarbeit statt Demotourismus

Erstens: Man wird möglicherweise durch Blockaden, direkte Aktionen, eine geeignete Medienkampagne den jeweiligen organisierten Ausdruck rechter Bewegungen zerschlagen können. HoGeSa ist im Anfang gescheitert, weil es eine massive bürgerliche Medienkampagne, Repression und Antifa-Gegenmobilisierungen gleichzeitig gab, die dieser speziellen Organisation den Garaus machten.

Das, liebe Leute, ist Marzahn. Und genau da müssten wir auch mal hin, wenns nicht dunkel ist und keine Nazis demonstrieren.
Das, liebe Leute, ist Marzahn. Und genau da müssten wir auch mal hin, wenns nicht dunkel ist und keine Nazis demonstrieren.

Das mag eine wichtige Aufgabe einer antifaschistischen Bewegung sein. Aber erstens bleiben Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und ähnliche Bewusstseinsformen dennoch in den Hirnen und dieselben Leute tauchen beim nächsten organisierten Anlauf wieder auf. Und zweitens haben wir nach so einer Kampagne selbst noch kein Terrain in jenen „Problemkiezen“ gewonnen, aus denen sich derzeit solche Bewegungen speisen.

Kurz: Wenn wir wollen, dass Marzahn, Hellersdorf, Buch und so weiter Orte werden, die – auch für Flüchtlinge – eine lebenswertere Umgebung darstellen, als das jetzt der Fall ist, können wir nicht einfach immer wenn´s brennt von außen dahin fahren und den Leuten erklären, wie sie sich verhalten sollen. Wir müssen während der „Friedenszeiten“ dort handlungsfähig werden, soziale Beziehungen aufbauen, Menschen dabei unterstützen, sich selbst zu organisieren.

Welcher Ausdruck hilft?

Zweitens: Wenn wir da für Demonstrationen hinfahren, müssen wir doch überlegen, welche Wirkung wir auf diejenigen haben, die wir überzeugen wollen (wollen wir doch, oder? Denn manchmal hat man den Eindruck, es geht in erster Linie um Selbstbespaßung). Es braucht eigene Parolen, weil wir es mit einer spezifischen Situation zu tun haben.

Welche das sind? Nun, zum Beispiel „Nein zum Heim!“ Natürlich ergänzt durch „Privatwohnungen für Refugees jetzt“. Es ist nicht unsere Aufgabe für den Heimbau zu demonstrieren, das sollen die Bürgerparteien, die sich diese Dummheiten ausdenken, mal schön selber tun. „Nein zum Heim!“ war immer eine linke Forderung, es gibt keinen Grund sie sich wegnehmen zu lassen. Flüchtlinge leben nicht gern in Lagern, so wie kein Mensch gerne in Lagern lebt. Das ist ein vermittelbarer Inhalt, und es zwingt die AnwohnerInnen Farbe zu bekennen: Seid ihr gegen das Heim, gut, dann setzt das doch gemeinsam mit den Refugees durch (und lernt ganz nebenbei, dass eure Ängste nicht begründet sind). Seid ihr auch gegen Privatwohnungen, na dann ging´s euch wohl von Anfang an nicht um eure vorgeschobenen Gründe.

Welche Losungen es konkret sind, darüber muss man debattieren. Sicher kann aber schon jetzt sein. Wer „olalala olelele, solidarité avec les sans papiers“ singend durch Marzahn zieht, macht das in erster Linie für sich, denn Wirkung auf jemand anderen hat das nicht.

Mit Grünen und SPD zum Sieg?

Selten war zudem offenkundiger, wer sich vor wessen Karren spannen lasst, denn heute. Wie die Schafe laufen wir in die SPD/Grüne/Linke-Kundgebung ein, kritische Parolen gibt es keine, ganz als ob hier unsere engsten FreundInnen und BündnispartnerInnen stünden. Man muss sicher die Linke nochmal von den beiden anderen Parteien unterscheiden, aber SPD und Grüne? Hallo, war da nicht was? Sind das nicht die mit dem Jugoslawien- und Afghanistankrieg, von wegen Fluchtursachen bekämpfen und so? Und sind das nicht die mit den Rüstungsexporten? Und haben die nicht mal was gemacht, was sich Hartz-IV nennt? Und hat nicht einer der Grünen grade erst die letzte Asylgesetzverschärfung durch den Bundestag gewunken? War nicht diese Bezirksbürgermeisterin da auch von den Grünen, die kürzlich hunderte Riot-Cops in Kreuzberg aufmarschieren ließ, um die Flüchtlinge aus ihrer besetzten Schule zu werfen? Und haben nicht ….

Ach, man könnte ewig weitermachen. Es gibt zur Frage der Bündnispolitik vieles zu sagen. Hätten SPD, Grüne und die Linke ihre „Basis“ mobilisiert (sofern die das überhaupt noch können, was ich stark bezweifle), dann müssten wir diskutieren, ob uns das nicht auch was bringt, weil wir da unsere politischen Inhalte in diese „Basis“ hineintragen könnten. Aber die drei haben gar nichts mobilisiert, außer Parteiregenschirme und RednerInnen, um uns zu beschallen, als wüssten wir nicht besser als die selber, warum wir hier sind. Dazu kommt: Wir machen uns unglaubwürdig. Wir präsentieren uns als Anhängsel dieser „Großparteien“, denen eigentlich ein Hauptstück unserer Kritik gelten sollte.

Alles in allem bleibt von diesem Tag: Wenn wir nur das können, dann wird die „Antifa“ keine gesellschaftlich relevanten Positionen erkämpfen. Wir können uns dann als die Reservearmee für Bürgerproteste aus unseren Altbauwohnungen in die Platte karren lassen, um da eine Show abzuziehen, die an Peinlichkeit nur noch zu übertreffen wäre, wenn wir dabei Clownsnasen trügen.

– Von Fatty McDirty

 

PS: Weil das Mißverständnis schon aufgekommen ist: Nein, wir kritisieren jetzt nicht auch noch die „Leute, die da mühsam rausfahren“. Wir kritisieren das Konzept, mit dem dort Politik gemacht wird. Ähnliche, sehr gute, Strategiedebatten gab es auf Indymedia. Diese Stoßrichtung halten wir für richtig. Dass der obige Text selbst für FMDy Verhältnisse polemischer ist als sonst, ist dem Umstand geschuldet, dass er zuvor eine halbe Stunde in der Nähe eines SPD-Schirms verbracht hatte.

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18 Gedanken zu „In Schildkrötenformation zum SPD-Stand – Antifa, wir müssen reden!“

  1. die optionen von a-zonen-antifas sind gänzlich andere, als die von b- oder c-zonen-antifas. das beginnt am offensichtlichsten bei der „masse“. die paar hellersdorfer und marzahner antifaschistinnen, die selbst auch keinen geringen aderlass an antifaschistInnen nach friedrichshain und neukölln hinter sich haben, würden, mit ihrem protest allein gelassen, kaum ein kreuzung dicht bekommen, was die demo der nazis zu einer änderung ihrer route gezwungen hätte (der heutige fade beigeschmack eines „geschenkes“ seitens der polizei ist jedoch auch nicht wegzureden). die hier aktiven können sich nicht ohne weiteres ihre bündnispartner nach kriterien aussuchen, die dieser artikel nahe legt – dies wurde auch von einem sprecher vor ort in etwa verdeutlicht. die kritik insgesamt ist in vielerlei hinsicht korrekt und nachvollziehbar – jedoch perspektivisch einseitig. wenn sich hier die zwanzig örtlichen antifas dem mob in den weg stellen, ist klar wie das enden würde (es würde garnicht erst anfangen). die ideen eines strategischen umdenkens sind ebenfalls gut, aber mindestens ein jahr überfällig – wer dies heute erkennt und konstatiert, hat selbst ein jahr lang etwas verschlafen. die initiative „hellersdorf hilft“ z.b. tut was sie kann, um dem bürgerlichen rassismus den wind aus den segeln zu nehmen. derhier gestellten forderung nach konkreten aktionen sollten taten folgen, wie diese jedoch von a-zonen-antifas aussehen könnten, wäre vielleicht am besten mit den b-zonen antifas zu klären. und auch wenn die nicht ganz so „privilegiert“ sein mögen – auf die zweckbündnisse und kompromisse die sie vor ort eingehen müssen, haben auch sie nicht wirklich lust drauf. doch um schlimmeres vermeiden zu können, muss sich der anspruch an den möglichkeiten schärfen. die realität in der platte ist definitiv eine andere als in den 36er backsteinen.

    1. Wir sagen ja nicht, dass man nicht hinfahren soll, um die Antifas, dies da gibt, vor Ort zu unterstützen. Wir fragen uns eher, ob diese Form der Unterstützung die richtige ist. Und zu den BündnispartnerInnen – heute zumindest waren das 10 FunktionärInnen und drei Riesenschirme. Das ist keine wirkliche Hilfe – noch dazu für den politischen Preis, den man zahlt. In Griechenland kenn ich genügend Stadtteile, in denen die Antifas es genauso schwer haben, aber die würden nicht auf die Idee kommen, ein Bündnis mit Nea Dimokratia oder PASOK einzugehen.

      1. wiegesagt, solange ihr euch („wir fragen uns“), und nicht diejenigen fragt, die vor ort schon seit einem jahr in dem feld aktiv sind, das hier als eventuell passableres nicht wirklich neu entdeckt und verortet wird, bleibt es nur phrase und idee. nur, da – mir gefällt diese trennung nicht im geringsten – a-zonen-antifas schon vor einem jahr nur in bruchteilen auf genau diesen feldern aktiv wurden, wurden diese von jenen „funktionärinnen“ besetzt, denen sich die in diesem artikel nun angesprochenen selbst als fragliche bündnisparter gegenüberzusehen haben. der „politische preis“, der ins feld geführt wird ist also der eigenster versäumnisse. trotz dieser und deren erkenntnis von oben herab auf jene zu argumentieren, die bereits seit monaten vor ort jenseits von demos aktiv sind grenzt – es tut mir leid – an arroganz, die leider auch als solche rüber kommt, was wenig förderlich für’s ganze ist. was fehlt ist austausch um verständnis entwickeln zu können. es ist einfach unglücklich, wenn solch ein text (durchaus nachvollziehbar auch emotional geleitet) zustande kommt, noch während die leute auf der demo unterwegs sind. arschtritte verteilen zu wollen ist löblich und angebracht, aber doch bitte nicht mit verbundenen augen.

  2. Eins finde ich ja immer sehr unterhaltsam: Lauthals gegen Fremdenfeindlichkeit protestieren, aber im gleichen Artikel 100.000 Menschen über einen Kamm scheren und am liebsten den „Marzahner Deppenbürger“ die Mündigkeit abschreiben.

    Aber nun ja, ärger dich weiter über die Anwesenheit von SPD/Grüne – ist ja nicht so dass es bei der Demonstration um irgendeine Aussage ging…

  3. danke euch für den text. wichtige und in vielen punkten richtige kritik.
    ein paar anmerkungen jedoch:
    – black block outfit: einerseits richtig, was das fragwürdige aussenbild angeht, andererseits kann ich jeden menschen auf einer antifa-demo verstehen, der sich dunkel uniformiert, um sich weniger leicht für filmende nazis und polizei erkennbar zu machen. ihr erinnert euch doch sicher, was josef in wien mit seiner „boykott“-jacke passiert ist?
    – desinteresse der anwohner bei aktionen: wie sollte man sich dem bürger im dunklen verständlicher machen, der eh nicht auf der strasse ist und sich evtl. nicht für das thema interessiert? ist das der sinn dieser aktionen oder eher das verhindern von übergriffen oder pogromen, zeichen der präsenz/stärke setzen?
    aus der historie wissen wir, dass nazis sich meist nur dann zeigen und erfolgreich agieren, wenn sie das gefühl haben, von der politik/medienlandschaft unterstützt und stärkerer gegenbewegung vor ort verschont zu sein. ich denke, dresden ist gerade ein gutes beispiel dafür.
    – medienunterstützung wie bei hogesa: die wird es in diesem fall nicht geben, eher noch weitere subtile hetze, da in der gesellschaft eher der wunsch nach abschottung vor flüchtlingen da ist. der aufarbeitungsweltmeister mag das aber nicht durch dumpfbacken wie die hogesa geäussert sehen (standort und so)

  4. Das völlige Niemandsland ist die Kreuzung, an der das Containerlager entstehen soll. Aber Ortskenntnis ist wohl nicht nötig, wenn man stattdessen im Internet erklären kann, wie wichtig Stadtteilarbeit im Randbezirk ist.

  5. als dieser artikel online ging, waren noch menschen unterwegs und haben versucht, auch abseits der blöden parteiveranstaltung informationen zu sammeln und bewegungen der rechten demo zu dokumentieren, wurden von bullen und kleingruppen von nazihools drangsaliert und beleidigt.

    im endeffekt ist das nicht viel gewesen heute, das sollte klar sein und ich denke, dass auch viele beteiligte frustriert waren/sind. zwar ist auch die präsenz von antifaschistischen und antirassistischen demos im kiez nicht unwichtig, weshalb solch hippen arroganten töne natürlich super sind, sie dann schnell in den laptop zu tippen.

    langfristigkeit klingt im text jedenfalls durch, das ist gut gesagt – wenn es gerade akut ist. das deutet auf versäumnisse in der vergangenheit hin, die erwähnt und verändert werden müssen. doch was tun, wenn sich jeden montag dann doch wieder menschen zu rechten demos versammeln? von „friedenszeiten“ und strukturierter antifa-arbeit im kiez, wie im text gewünscht und gefordert, kann im moment jedenfalls keine rede sein.

  6. hoi ihrs,

    habe in den 90ern dieses lied gehoert und lange darueber nachgedacht… vielleicht hilft auch er euch ueber einige dinge klar zu werden :)

    In die Raghandi

    Und wenn der Widerstand
    Ein Arbeitswiderstand ist
    Gehört der Widerstand
    Doch zum System
    Ich sprenge einen Menschen
    Direkt in die Rhagandi
    Dann beträgt mein Widerstand
    75 Kilo-Ohm

    Sie wehren sich nicht
    Ohne wirklich zu stören
    Sagte Bernd Antimeier
    Als er damals widerstand
    Er schmiss den ersten Stein
    Und es kam die Lawine

    Doch die Unternehmerpräsidenten
    Besitzen immer noch das Land
    Und wenn der Widerstand
    Kein Arbeitswiderstand ist
    Gehört der Widerstand
    Zum Lawinensystem
    Und wenn die Steine fliegen
    Ohne wirklich zu verändern
    Wird wohl nichts mehr wachsen
    Sondern untergeh’n

    Und wenn der Widerstand
    Ein Arbeitswiderstand ist
    Gehört der Widerstand
    Doch zum System
    Ich sprenge einen Menschen
    Direkt in die Rhagandi
    Dann beträgt mein Widerstand
    75 Kilo-Ohm

    Widerstand
    Widerstand
    Wi-, Wi-, Widerstand
    Wi-, Wi-, Widerstand

  7. Ich finds schwierig, allein mit seinen Eindrücken, ohne andere Menschen gefragt zu haben, so einen anklagenden Kommentar, als Artikel getarnt, zu verfassen.
    Vielleicht hättest du mal mit Menschen abseits der Demo reden und deren Stimmen auffangen sollen. Ich hab das nämlich getan, gefragt was sie davon halten. Wenn du das mit abgebildet hättest und nach der Meinung der Demo-Organisierenden gefragt hättest, die Leute von den bürgerlichen Parteien mit der Kritik konfrontiert hättest und Stimmen aus der Demo geholt hättest, dann wäre das journalisitisch relevant und nicht bloß ein Auskotz-Kommentar, der für sich ein paar „Fakten“ feststellen muss.

    Wenn Kommentar in einem „Magazin“, dann bitte als solches kennzeichnen und sich dann nicht selbst als der Mensch mit dem erhobenen Zeigefinger hinstellen, der anderen erklärt wie Dinge gewesen waren, sondern wie man es selbst empfunden hat. Von der ersten Sorte hat die Gesellschaft nämlich leider schon genug.

      1. Ich persönlich fände es dann sehr cool, wenn das am Anfang gekennzeichnet wäre (ist nämlich kein persönlicher Blog, wo irgendwie klar wäre) und zweitens die Polemik rausgenommen wäre. Die Leute haben da gestern fünf Stunden unterwegs verbracht, die Demo-Orgas hatten bestimmt wieder mega Arbeit. Angreifen und mal schnell einen polemischen Kommentar verfassen geht immer leicht. Eine Sitiation verstehen zu wollen und nach handfesten Alternativen suchen sehr viel schwieriger und gerade zweiteres sollte unser Antrieb sein.

  8. Liebes LCM,
    ich stimme euch in vielem zu. Diese Demo hat vor Ort wahrscheinlich wenig außenwirkung erzeugt. So wie die meisten Demos der linken. Ob jetzt zum 1000mal „Refugees Welcome“ über die Oranienstraße hallt oder ein paar antifa-busse ins ferne Schneeberg fahren. Das sollte mittlerweile aber auch klar sein. Um ehrlich zu sein wissen das hier eig auch alle. Wer behauptet die sei die sinnloseste oder schlechteste Demo dieses Jahres, war anscheinend nicht auf sonderlich vielen. Da fällt mir zB die diesjährige Demo vor dem TS-laden in Weisensee ein.
    Gut wenig außenwirkung vor ort, so weit – so berechtigt die kritik. ich würde dagegensetzen, dass diese demo auch nciht für sich alleine gesehen werden kann. wir sind jetzt in den letzten 6 wochen 7mal da rausgefahren. und an diesem punkt muss ich auch mal fragen wo der autor da wohl war. da warn auch schlechtere dabei.
    zurück zum thema. was mich wirklich stört, ist die denunziantische kritik an den menschen die gestern nach marzahn gefahren sind. diese einfach als demotouristen abzustempeln ist einfach nur denunziation. sry aber viele von unssind jetzt in der 6. woche dort. keine woche ohne bullenrepression, böllerbewurf oder hetzjagd durch marzahn. das trotzdem 700 menschen nach marzahn gekommen sind (an einem montag abend) ist imho absolut unerwartet. etwas das während der letzten monate absolut unmöglich erschien.
    will auch mal wissen was das lcm sich so vorstellt. wir warten bis nächstes jahr und lassen sie ein wenig rumfackeln?? da war doch mal was in den 90ern???? oder gabs nach eurem geschmack nicht genügend direkte aktionen? oder blockaden?

    und bzgl des „vor den karren spannen lassen“. niemand lässt sich vor irgenteinen karren spannen. verstehe die berührungsängste nicht. soll spd/linke &grüne doch kommen. steht danach in der bürgipresse. bietet uns schutz (zb die kundgebungen am 22.), mittel und einen grad an „bürgerlicher legitimation“. das kann eine gewisse hilfe gegen repression sein. sehe nicht warum wir das nicht ausnutzen sollten. dh doch noch lange nicht, dass wir mit denen jetzt immer gemeinsame sache machen. wir sind autonom und wenn „wir“ als summe an autonomen menschen in zukunft diese vorteile nicht mehr brauchen, schlagen wir zurück. ich sehe da keinen nachteil. glaube nicht, dass petra pau jetzt umbedingt mehr oder weniger wählerstimmen bekommt und nao oder arab machen eig auch nur eigenwerbung- genauso unerträglich.

    aber ich komm von der linie ab. kritik und strategiediskussion meinetwegen. war die demo gestern gut – auf keinen fall. aber nach nem so beschißenen abend (dem 6.! in folge) nach hause zu kommen und sich dann auch noch sowas geben zu müssen. sry aber da verging mir gestern für nen moment schon wirklich jegliche motivation. euch ist bewusst was in den letzen wochen so von seiten der nazis und bullen gekommen ist oder? erklärt vllt auch etwas den „black-block“ (sic) bzw das als schildkrötenformation beschriebene verhalten.
    in diesem sinne, der autor hats diesesmal imho leider einfach ein wenig mit der polemik übertrieben. hoffe ihm ist klar wie das auf mensch wirkt.

  9. Erfolgreicher Widerstand gegen Naziaufmärsche, gegen nationalrassistische Aufläufe, entwickelt sich dann, wenn verschiedene gesellschaftliche Gruppen gemeinsam aktiv auf die Straße gehen. Das zeigt sich in den aktuellen Aktionen in Dresden, Kassel, Düsseldorf, Würzburg. Nur in Berlin ist Mensch nicht fähig, den Nazis was entgegen zu setzen.

    Zum 1. Mai geht mensch gemeinsam – zumindest in verschiedenen Bündnissen – in Massen auf die Straße. Jetzt sind es gerade mal ein paar Hundert. Was ist da los?

    Die Zivilgesellschaft inkl. der Parteien, die in anderen Städten auf die Straße gehen, sind in Berlin wohl auch scheintot. 10 Hanseln, oder ein paar mehr. Aber diese 10 waren zumindest da – und wahrscheinlich am aufgeschlossensten für antifaschistischen Protest in ihren Reihen. Redet doch verdammt noch mal mit denen, macht was gemeinsam. Da müssen 5.000. 10.000 Menschen da stehen oder mehr und den Nazis zeigen: HIER NICHT!

    Zwei Beiträge unsererseits zur Diskussion:

    HoGeSa & PEGIDA – neue Nationalrassistische Massenbewegung in Deutschland – Nationalsozialismus 2.0?

    Hier geht es auch um die seit Sonntag Abend online stehenden neuen Vernetzungs- und Organisierungsforum der HoGeSa:
    HoGeSa – Politically Incorrect’s SA? – – neue Nationalrassistische Massenbewegung in Deutschland – TEIL 2

  10. Gedanken zum Artikel „In Schildkrötenformation zum SPD-Stand – Antifa, wir müssen reden!“ des Lower Class Magazine

    Spätestens seit der Totengräberkonferenz von Berlin suchen die letzten verblieben Metropolen Antifaschisten aus dem autonomen Spektrum eine neue Arbeitswiese. Wichtige Identitätsstiftende Gruppen lösten sich auf, während Neonazis in Brandenburg und dem Ostberliner Rand wieder aktiver wurden und Anschluss an die sog. „Mitte“ knüpfen konnten.

    Nun gehört Antifa-Bashing zu einen meiner Lieblingsthemen. Erst recht, wenn es um die Arroganz der Metropolen-Linken geht, welche aus ihren linken Zentren heraus meinen definieren zu können, was man auf dem Land oder in den Trabantenstädten richtig zu machen habe. Mit anderen Kritikern bläst man da ab und zu ins selbe Horn, doch diesmal muss ich die aktionistische Antifabewegung verteidigen.

    Am gestrigen Montag fand in Marzahn wieder ein Rassistenaufmarsch und eine antifaschistische Antwort statt, welche das von mir durchaus geschätzte Lower Class Magazin zu einer polemischen Kritik hinreißen ließ. Der Text geht gut rum und wie bereits bei den HoGeSa-Artikel wird er viel rezipiert. Zurecht? Eine kritische Betrachtung der Kritik.

    Beginnen wir mit der Momentaufnahme. 400 autonome Jugendliche und junge Erwachsene fallen aus dem A-Bereich in das wilde Marzahn ein – so das Bild von LMC. Doch bereits hier muss man Differenzieren. Zum einen gehören Antifademonstrationen zu Marzahn, genauso wie zu Köpenick und Pankow und es hat sich auch was in der Mentalität geändert. Noch vor wenigen Jahren waren es vor allem Bildungs-Mittelschichtler, welche mit ihren sportlichen Freunden in die ostdeutsche Provinz einfielen um an den „Bauern“ eine Strafexpedition durchzuführen. Zwar ist das bloße Demonstrieren, samt Parolen, die die Bevölkerung Marzahns nicht nachvollziehen wird, keine optimale Lösung. Aber es gibt derzeit, wie schon seit 20 Jahren kein 100%iges Megakonzept für die Feuerwehrpolitik, welche in Marzahn und anderen Orten genutzt wird, bzw welche in Rostock und Hoyerswerda zum Teil fehlte. Dazu kommt die Portion Arroganz, in Friedrichshain und Kreuzberg könnte der gemeine Anwohner mehr mit den Parolen Anfangen. Die logische Gleichung, welche hier bei den Kritikern, wie auch bei den kritisierten greift ist das Bild der Plattenbaukartoffel in Marzahn vs. des boheme-weltoffenen Xberg-Fhainers, welchen es ja bewusst in die Kieze zieht, weil er so tolerant ist etc. pp. Rassistische Vorurteile gegenüber Flüchtlingen, wie aktuell, können aber auch bis in die Linke hineinwirken – wie zuletzt die Formulierung von „Völkerwanderung“ durch die brandenburgische Landtagsfraktionsvorsitzende zeigte.

    Der Unterschied mag sein, dass im Normalfall nicht jede Woche in Marzahn Demonstranten mal was zum Tierrecht palavern, dann zu Refugees, Mietenstopp, Neonazis, etc. pp. Das liegt auch daran, dass die Dichte an radikalen Linken und linken Zentren in Marzahn nicht so hoch ist. Doch was heißt dies im Konkreten? Dass Antifademonstrationen immer was fremdartiges sein müssen?

    Die besagte Invasion, von der LMC im Negativen schreibt kann was positives an sich haben, was eben der geneigte arrogante A-Bereichs-Linke nicht sieht. Es kann das Selbstbewusstsein der vor Ort aktiven und lebenden Antifaschisten stärken. Es ist wie in der brandenburgischen Provinz. Es braucht die Solidarität und Unterstützung von Außen, das Zeichen, dass man die Genossen in vermeintlich verlorenen Gebieten nicht alleine lässt. Auch für die Neonazis zeigt sich so – die Gegner sind nicht 10-12 Kids. Sie haben Unterstützung und sind nicht leicht unterzukriegen.
    Und da kommen wir auch schon zum nächsten Punkt, den eben die Großstadt-Linken niemals verstehen werden. Die Schwäche von lokalen linksradikalen Szenen erfordert die Bündnisarbeit mit vermeintlich beschissenen Partnern. Und so ist es Normal, dass in der Provinz mit Geldern vom Bundesfamilienministerium, unter Schirmherrschaft eines SPD-Politikers Antifa-Aktionen stattfinden können. Damit löst man weder in Wittstock, noch in Bestensee und auch in Marzahn nicht die Revolution aus oder beseitigt die Problematiken der bundesdeutschen Asylpolitik – aber darum geht es eben nicht. Es geht darum, dass Flüchtlinge ankommen und in Sicherheit sind. Wenn ich die „Willkommens“-Initiativen in brandenburgischen Dörfer oder Berliner Ortsteilen sehe, dann sind es besonders die kritisierten Parteien, welche dafür sorgen, dass Flüchtlinge einen Ort bekommen um zur Ruhe zu kommen. Dass sie, wie im Beispiel Pankow, an kulturellen Veranstaltung teilnehmen
    oder Bildungseinrichtungen besuchen können. Es sind Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete in Oberhavel, welche Flüchtlingen Hilfestellungen anbieten, welche seit mehr als 10 Jahren sich gegen das Gutscheinsystem einsetzen oder Sprachkurse anbieten.
    Um das große Ganze zu kämpfen, aber das kleine zu vergessen – das ist die wahre linksradikale Kritik. Und auch wenn die Grünen und die SPD viel zu wenig Kritik für Krieg und Asylgesetzgebung erhalten haben – unten an der Basis sind sie es, die im Bezirk und im Dorf den Kampf gegen Neonazis führen und eben keine schwarz-gekleideten Hobby-Revolutionäre, welche spätestens mit dem erfolgreichen Studium und dem ersten Wurf aus eben dieser Arbeit ausscheiden.

    Wie muss also ein Konzept aussehen für den Kampf gegen Neonazis und Rassisten? Kurz vorab. Wer DAS Konzept besitzt ist ein Heuchler und Lügner. Jeder Ort, jeder Tag erfordert ein Umdenken in Mittel und Agitation. Was in Dresden (Blockade) klappt muss nicht in Rostock klappen. Was an Integrationsarbeit in Pankow funktioniert muss in Buch nicht ebenfalls funktionieren.

    Ich nehme daher mal Stellung zu den Punkten im LMC-Artikel

    Zum Ersten. Es ist richtig, dass selbst nach erfolgreicher Kampagne kein Meter gewonnen zu sein scheint. In der Analyse geht LMC davon aus, dass Marzahn ein blinder Fleck auf der Antifakarte zu sein scheint. Doch genau hier zeigt sich die Arroganz der Innenstadt-Linken. Vor Ort gibt es wenige Aktive. Es gab auch vor der Hetze im vergangenen Jahr in Hellersdorf Antifaschisten. Es gibt wenige Orte an denen sie sich treffen und organisieren können. Es ist mitnichten so, dass innerhalb der „Friedenszeiten“ nicht soziale und politische Arbeit stattfindet, nur weil sie nicht im autonomen Zentrum oder besetzten Haus zu sehen sind. Gerade die Entwicklung der Zivilgesellschaft um die Jahrtausendwende ist in Orten wie Marzahn und in Brandenburg der entscheidende Faktor. Diese Zivilgesellschaft wird oft gespeist aus den von LMC kritisierten Parteien. Da stellt sich schon die Frage, wer soll sonst die soziale Arbeit in den Trabantenstädten und Dörfern machen, wenn nicht diese? Die radikale Linke aus Kreuzberg wohl eher nicht.

    Zum Zweiten. Polemisch kann das LMC einiges und ich finde es auch immer wieder belustigend. Doch an eine Demonstration oder linke Forderung „Nein zum Heim“ kann ich mich nicht erinnern – vor allem nicht mit den Hintergründen von Rostock oder Dolgenbrodt. Es ist gruselige Appeasementpolitik und naiv zu glauben, dass der Rassist von Marzahn-Hellersdorf, a) nur gegen das Heim als Unterbringung sei und b) er seine rassistischen Vorurteile umbauen würde nur weil radikale Linke ihm im Kampf gegen Heime zustimmen.
    Schon hier zeigt sich, dass LMC sich nicht ausreichend mit dem rassistischen Mob auseinandergesetzt hat. Bei einer Bürgersprechstunde im südbrandenburgischen Spremberg hatte einer der Rassisten endlich mal den Arsch in der Hose und sprach vielen, ob in Bremen, Hamburg, Schneeberg oder Marzahn aus der Seele. Er sagte. Es ginge nicht um Flüchtlinge im Ort oder dem Haus – grundsätzlich will man keine Flüchtlinge, nirgendwo. Auch die Diskussionen in der Prignitz und anfangend in Velten zeigen, dass selbst die Unterbringungen in Wohnungen nicht dafür sorgen, dass der Mob die Fresse hält. Im Gegenteil. Sollte in Berlin mehr Wohnungen statt Heime genutzt werden, bringt es den Mob aufgrund der Wohnungsknappheit noch eher auf Straße. Auch außerhalb der „arbeitslosen Ronnys“ hinaus würden dann, wie in Hamburg, Leute auf die Straße gehen.
    Das Problem ist somit nicht das Heim und nicht der Bewohner, sondern rassistische Vorurteile innerhalb der Kartoffelcommunity. Um diese abzubauen gibt es kein optimales Konzept. Zumindest ist mir keins bekannt außer dem was der Senat macht. Bürger vor vollendete Tatsachen stellen und die Proteste aussetzen. Gleichzeitig hoffen, dass es vernünftige Anwohner gibt, die dann die Flüchtlinge sozial aufnehmen und sich um diese kümmern.

    Zum Abschluss des LMC-Artikels zeigt sich eben wieder die Arroganz des Innenstadtringes. das „Wir“ was in dem Artikel immer wieder geäußert wird ist nicht mein „Wir“. Lokale Gegebenheiten erfordern temporäre Bündnisse mit Gruppen, mit denen man während der Revolution nicht auf der selben Seite der Barrikade steht. Aber das versteht man im Mekka der linksradikalen Szene Deutschlands eben nicht.
    Bündnisse können zu verschiedenen Themen verschieden aufgebaut sein und andere Partner beinhalten. SPD und Grüne sind Fehl am Platz bei großen linksradikalen Demos wie der Silvio Meier oder 1.Mai Demonstration. Allerdings sind sie in der Prärie unverzichtbare Partner.

    Was die Selbstbeweihräucherung und die Sinnhaftigkeit von Demonstrationen angeht, frage ich mich wo die Kritik am 22.11. war. Nur 1000 Antifaschisten stellten sich in Marzahn den Neonazis entgegen. Abends feierten sich mehrere tausend mit Pyro im eigenen Kiez. Wenn 400 Antifaschisten an einem Montag nach Marzahn fahren ist das weit aus mehr als ich erwartet habe. Vor Jahren wäre das nicht mal an einem Samstag erwartbar gewesen. Gerade beim Thema Flüchtlinge und Rassismus scheint sich ein Umdenken in der Berliner Linken zu zeigen – und das finde ich grundsätzlich positiv. Man lässt den B-Bereich eben nicht immer alleine. Auch in Buch war ich erstaunt, als vor einigen Wochen aus der S-Bahn 100 Antifaschisten stiegen.

    Man kann und sollte viel rumdoktoren und rumkritisieren an Stil und Inhalt bei Antifademonstrationen. Aber dann auch an die richtigen Adressaten. Diejenigen zu kritisieren, die endlich mal über ihren S-Bahn-Ring-Tellerrand hinaus schauen erscheint mir als zu über-motiviert.

    Antifa heißt Feuerwehrpolitik. Und ich hoffe, dass sich weiterhin in Buch, Köpenick, Marzahn und Brandenburg Antifaschisten mit unterschiedlichen Konzepten, Hintergründen und Aktionsformen sich dem Mob entgegenstellen – dass sie die kämpfenden Menschen vor Ort nicht alleine lassen und so ein Flächenbrand wie Anfang der 1990er Jahre auslöschen.

  11. Danke für diesen wirklich sehr guten Artikel. Du sprichst mir damit aus der Seele.

    Du hast allerdings -meiner Meinung nach – einen großen Denkfehler. Unter dem Zwischenpunkt „Welcher Ausdruck hilft?“ schreibst du:

    Zweitens: Wenn wir da für Demonstrationen hinfahren, müssen wir doch überlegen, welche Wirkung wir auf diejenigen haben, die wir überzeugen wollen (wollen wir doch, oder?

    Die Antifa, über die du hier schreibst (Die „Antifa“ gibt es ja schließlich nicht, es sind sehr heterogene Gruppen) will nicht so wirklich überzeugen. Einfacher ist es nämlich, jede/n, der oder die anders denkt oder mit den eigenen Zielen nicht hunderprozentig übereinstimmt, als Nazi oder Fascho zu diffamieren. Die gibt es in MaHe zweifelsohne und sie versuchen, die Verunsicherungen der Menschen dort für sich zu nutzen.

    Ich selbst habe dazu mal einen Artikel geschrieben, in dem ich mich für die Teilnahme an Podiumsdiskussionen, an denen Parteien wie die AfD teilnehmen, aussprach.

    Hintergrund war die Weigerung unseres Direktkandidaten für die Bundestagswahl, an einer solchen Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ergebnis: Seitdem werde ich als Faschist diffamiert und in die rechte Ecke gestellt.

    Hier der Artikel von mir: http://piratmatzka.wordpress.com/2013/09/01/unfahig-zur-selbst-geforderten-toleranz/

    Leider war dann noch ein Nachtrag dazu notwendig. Den findet ihr hier: http://piratmatzka.wordpress.com/2013/09/02/nachtrag-zum-thema-podiumsdiskussion-und-demokratie/

    Ich habe aber selbst mehrfach die Erfahrung gemacht, dass die Antifa, über die du hier schreibst, Argumenten gegenüber verschlossen ist und lieber mit Scheuklappen durchs Leben geht.

    Es ist wie in einer Sekte: Irgendein Antifahäuptling ist für oder gegen irgendwas und die anderen rennen nur hinterher. Und warum ist dass so? Ich vermute mal, weil man nicht selbst in die Lage kommen will, als Nazi oder Fascho diffamiert zu werden. Man will nicht selbst dass Erleben, was man selber schon anderen zugefügt hat: Rufmord.

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