„Sie kamen, um zu töten“

Augenzeugenbericht zu den Hamburger Auseinandersetzungen zwischen IS-Unterstützern und KurdInnen

Die Angreifer kamen mit Stichwaffen, Schlagstöcken und anderen Waffen - Sie waren offensichtlich gut vorbereitet.
Die Angreifer kamen mit Stichwaffen, Schlagstöcken und anderen Waffen – Sie waren offensichtlich gut vorbereitet.

Seit mehreren Tagen gibt es europaweit täglich Demonstrationen gegen den Islamischen Staat (IS) und seine Angriffe auf Kobane. In Hamburg kam es vor allem am Dienstag, dem 7. Oktober, zu Auseinandersetzungen zwischen IS-Unterstützern und Kurden. Schon am Montag soll eine Konfrontation der beiden Gruppen stattgefunden haben, bei denen es aber keine ernsthaften Verletzungen gegeben haben soll. Als ich am Dienstag Abend die Nachricht bekam, dass am Abend eine Gruppe Vermummter Männer den kurdischen Verein auf dem Steindamm angegriffen haben und dass sich nun die Kurdinnen und Kurden vor und in diesem Verein versammeln, damit man ihn beschützen kann, bin ich sofort aus Angst, dass noch so ein Angriff geplant ist, dorthin geeilt.

Ich kann also nur erzählen, was ich ca. eine halbe Stunde vor dem zweiten Angriff, während des Angriffs (in meiner Erinnerung ca. 23:00) und nach dem Angriff bis heute erlebt habe. Am frühen Abend ist mir schon aufgefallen, dass die Stimmung zwischen den IS-Unterstützern bzw. Sympathisanten und den kurdischen DemonstrantInnen sehr gespannt war.

Das Problem an der Sache ist, dass der kurdische Verein nicht einmal 50 Meter von der Moschee entfernt liegt, in dem die Angreifer des ersten Angriffs sich versteckt haben sollen.

Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass sich die Moschee von den Angreifern distanziert. Als ich gegen 22:30 Uhr vor Ort war, sah die Situation so aus, dass ca. 15-20 PolizistInnen eine Kette bildeten. Die Moschee ist weiter hinten und immer wieder kamen provozierende Rufe wie „Allah U Akbar“ etc. Die Anti-IS-Demonstranten haben auch Parolen geschrien. Um ca. 23 Uhr habe ich schon von Weitem, diesmal aus einer anderen Richtung „Allah U Akbar“ und „Kufar“ (Ungläubige) gehört. Etwa 50-60 Vermummte, mit Waffen (Macheten, Messer, etc.) ausgestattete, meist junge Männer kamen die Straße entlang und liefen den DemonstrantInnen mit schnellen schritten entgegen.

hamburgneu

 

Als die Menschen bemerkten, dass sie Waffen dabei hatten, sind viele zurückgegangen. Andere stellten sich schützend vor die Menge und suchten nach Gegenständen, um die Angreifer zurückzudrängen. Gut, dass vor dem Versammlungsort eine Baustelle ist. Zäune, Stangen und alles andere, was man dort finden konnte, wurde in die Hand genommen. Auf einem Video (V1, zu sehen hier) sieht man von 00:00 bis 00:12 den eigentlichen Angriff (drückt bei 00:12 auf Pause, das Video wird noch wichtig). Man erkennt, dass die Verteidiger keine Waffen haben, sondern Zäune, Schilde etc. Man erkennt außerdem, dass die Angreifer Macheten und Messer in der Hand haben. Es war also ein Vorbereiteter Angriff und ich bin mir sicher, dass man zum Töten kam.

Zunächst einmal wieder zum Angriff. Auf dem Video sieht man, dass man die Angreifer erfolgreich zurückdrängte. Was auf dem Video leider nicht zu sehen ist, sind die Polizisten, die tatenlos zusahen, wie die Angreifer auf alles zuschlugen und zustachen, was vor ihnen war. Auf dem obigen Bild kann man sehen, dass sich nicht mal 100 Meter vom Geschehen entfernt eine Polizeistation befindet. Ich frage mich immer noch, was die Polizei überhaupt vor Ort getan hat, außer dumm rumzustehen.

Der Moment, in dem die Angreifer auf die Menschenmenge loslaufen ist auch auf dem Video V1  von 00:24 bis 00:28 festgehalten. Auch hier sind Waffen zu erkennen. Im Rest des Videos sind zumeist die Verletzten auf Seiten der Demonstranten zu sehen. Das Video (V2) zeigt, wie anfangs ein Passant mit einer (versteckten) Kamera an der Versammlung vorbeigeht und fragt, was dort los ist. Der Mann mit der Uhr am Arm antwortet, dass IS-Anhänger die KurdInnen angegriffen haben und 7 Personen ins Koma geschlagen haben (das mit dem ins Koma kann ich nicht bestätigen; ich war 1. anfangs nicht dabei und 2. habe ich diese Info, außer in dem Video, nie gehört).

Außerdem sagt er, dass sich die Angreifer in der Moschee versteckt haben. Ab 01:20 hört man dann die Rufe. Das ist der Moment, an dem die Angreifer in die Straße biegen. Der Rest des Videos ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Angreifer nicht die KurdInnen waren, sondern die von mir genannten IS-Anhänger. Sie laufen in Richtung der KurdInnen. Sie greifen an. So viel konnte ich zu der Attacke sagen. Da viele von den Angreifern und ihnen nahestehende Personen behaupten, dass sie nicht zum Islamischen Staat gehören, ist es immer schwer zu unterscheiden. Da frage ich mich, warum diese Leute dann die Demonstration, auf der sich auch noch Frauen und Kinder befanden, angegriffen haben? Was hat sie dazu verleitet, wenn nicht der Hass auf den Widerstand in Rojava, der zur Zeit gegen den IS gerichtet ist? Es kursieren auf vielen Facebook-Seiten Gerüchte, dass die KurdInnen Frauen mit Kopftüchern angegriffen haben sollen. Auf den Demonstrationen der KurdInnen sind jedes mal dutzende Frauen mit Kopftüchern. Immer wieder wird von Seiten der oben genannten Facebook-Seiten behauptet, dass dies alles Angriffe der YezidInnen auf MuslimInnen seien. Abgesehen davon, dass die DemonstrantInnen sich an diesem Tag nur verteidigt haben, ist der überwiegende Teil der KurdInnen, die dort waren, selbst sunnitisch. Wir halten fest: Die Tatsachen beweisen, dass die Gewalt von den IS-Unterstützern ausging, die KurdInnen haben sich an dem Abend nur verteidigt und die IS-nahen Personen und Facebook-Seiten verbreiten Lügen und hetzen somit die Menschen auf – gegen die KurdInnen und insbesondere gegen die YezidInnen. Wenn keiner Unterstützer des IS ist, wie kommen dann die Jugendlichen nach Syrien, um Menschen die Köpfe abzureißen, die einen anderen Glauben haben? Wer verbreitet denn hier in Deutschland die Propaganda? Wer schickt die Jugendlichen dorthin?

Hier einige Bilder, die die Lügen der Hetz-Seiten zeigen:
Auf dem folgenden Bild sieht man, wie die Seiten hetzen.

hamburg10Die betroffene Moschee selbst hat diese Propaganda als das benannt, was sie ist: Eine Lüge.

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V1: https://www.youtube.com/watch?v=yF5xVoEs-kk
V2: https://www.youtube.com/watch?v=Gn3tDzuHSOs

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2 Gedanken zu „„Sie kamen, um zu töten““

  1. Wer keinen Google Account hat kann das Video nicht ansehen dazu diese Beispiel als Lösung zur umgehung der Altersabfrage( die Adresse ist nicht dieses Video) :
    Youtube Altersbeschränkung umgehen:

    kannste ohne weiteres auch ohne account.
    einfach aus dem „/watch?v=dKJfCxG7epA“ ein „/v/dKJfCxG7epA“ machen, funktioniert immer bei Alterseinschränkungen!

  2. Deine Investigation in Ehren, doch wofür?
    Willst du der Justiz helfen?
    Die Sachlage ist klar, der genaue Hergang am Steindamm nur soweit interessant solltest du oben genannten Punkt vertreten und diese Ziele verfolgen. Dann trägst du sicherlich dazu bei das die richtigen Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

    Wir sollten Arbeit und Artikel hauptsächlich in die Aufklärung der Gemengelage der verschiedenen Gruppen im nahen Osten für die von den Massenmedien geleiteten Mitbürger stecken.
    Ich vermute das du letztendlich dies mit dem Artikel auch bezwecken willst. Eine Sensibilisierund der Leute die ahnunglos sind was vor Ort und nun auch in Teilen hier passiert bzw. wer sind Shiitem, Sunniten, Salafisten etc etc.
    Hier herrscht grobes Unwissen und schwarz-weiss Denken.

    Hoffentlich kommt die Welt nach diesem Big-Bang im nahen Osten friedlich davon.

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