Hooligans in Uniform

Berlin: Polizei greift kurdische Demonstration an.

IMG_7064Eigentlich hätte es eine Demonstration wie jährlich dutzend andere auch werden können. Etwa 400 Unterstützerinnen und Unterstützer der kurdischen Befreiungsbewegung waren heute gegen 17 Uhr am Kottbusser Damm im Herzen Berlin-Kreuzbergs zusammengekommen, um gegen die jüngsten Übergriffe des türkischen Militärs in Lice zu demonstrieren. In der zur Provinz Diyarbakir gehörenden Stadt hatten in den vergangenen Wochen tausende Menschen gegen den Neubau eines Militärpostens protestiert, mittlerweile gibt es mindestens zwei Tote unter den Demonstranten, andere Quellen sprechen gar von vier. (Updates auf Englisch hier)

Die Kreuzberger Demonstration, die sich gegen die Gewalteskalation durch den türkischen Staat richtete und hauptsächlich von Kurden und IMG_6899türkischen Linken getragen wurde (die deutsche Linke hat bis auf einige Ausnahmen leider noch immer kaum eine Beziehung zu derlei Kämpfen entwickelt), verlief bunt, friedlich und laut.

Aber: Offenbar hatten die eingesetzten Beamten vor, im Ausgleich für die Feiertagszulage mal wieder die Verhaftetenquote zu erfüllen, damit niemand auf die Idee kommt, ihre massive Präsenz bei derlei Veranstaltungen könnte vielleicht sogar unnötig sein. Man muss sich seinen Daseinsgrund eben manchmal selber schaffen.

IMG_6905Und so gab es von Anfang an Indizien dafür, dass die Staatsmacht eine Eskalation wollen könnte. „Pack. Ihr kriegt schon noch auf die Schnauze“, maulte eine Dorfschönheit in Uniform bereits am Startpunkt Aktivisten an. Gefilmt wurde auch lange bevor irgendetwas auch nur annähernd Illegales vorgefallen war.

Mittel der Eskalation war wie so oft das „Versammlungsrecht“. Denn der deutsche Staat hat die tolle Idee gehabt, sämtliche Symbole der kurdischen IMG_6979Befreiungsbewegung zu verbieten, jede legale Fahne hat normalerweise eine Halbwertszeit von einigen Monaten, dann ist sie wieder illegal. Auch das Mitführen des Konterfeis Abdullah Öcalans, des inhaftierten Chefs der kurdischen Arbeiterpartei PKK, wird als Straftat gewertet. Früher hatten sich die Beamten da noch tolle Maßregeln ausgedacht, etwa eine Öcalan-Fahne auf 50 Leute oder die Beschränkung, Öcalan nicht in Guerillauniform zu zeigen. Heute war sein Gesicht rundum illegal. „PKK“ darf auch nicht skandiert werden, und überhaupt wäre es der Bullenführung wohl am liebsten, die Kurden würden nackt und stumm durch Kreuzberg ziehen.

IMG_6995Als die Demo nun vorbei war, nichts, keine Sachbeschädigung, keine Körperverletzung, kein Steinwurf, passiert war, mussten nun vermeintliche Verstöße gegen das deutsche Bilderverbot (in der Türkei übrigens wird das sogar liberaler gehandhabt) herhalten, um das zu erreichen, was man offenbar von Anfang an geplant hatte.

Eine Gruppe Jugendlicher entfernt sich nichtsahnend von der Demo, 6 Beamte hinterher – und Zugriff. Damit war der Anfang gemacht, denn selbstverständlich solidarisierten sich nun andere und stellten sich vor den zum Abtransport bereitstehenden Polizeiwagen. Auftakt für die Hooligans in Uniform. Ein paar schlagen auf sitzende Menschen ein, wenden ihre tollen, mühsam erlernten Schmerzgriffe an, während die gewaltgeilsten unter den Mackern schon mal den IMG_7064Pfefferlöscher aus der Hose geholt haben, und wahllos in die Menge spritzen.

Es gibt einige Verhaftungen und mehrere Verletzte aufgrund des Pfefferspray-Einsatzes. Für eine ältere kurdische Frau muss ein Krankenwagen gerufen werden, selbst als der da ist, gibt es noch Übergriffe und Verhaftungen, weil einige der Geschädigte den Cops nicht ihre Personalien aushändigen wollen. Verständlicherweise, denn was nun folgt, kennen wir nur zu gut. Weil die Polizei ja grundsätzlich nur Gewalt gegen Leute einsetzt, die „etwas Verbotenes“ getan haben, werden nun alle, die man vorher verletzt hat, rasch zu Tätern erklärt. Das Gummidelikt „Landfriedensbruch“, Widerstand gegen die Staatsgewalt, oder sonst irgendeinen Scheiss, irgendwas kann man jedem anhängen, um die eigenen Kollegen zu entlasten.

IMG_7163Der Fairness halber müssen wir anfügen: Einige der eingesetzten Cops hielten offenbar das Verhalten ihrer Hooligan-Kollegen für nicht tragbar. Auf Nachfrage behauptete ein Polizist, dass es angeblich bereits Beschwerden einiger Kollegen gegeben habe und es wohl „dienstliche Verfahren“ (was immer das sein soll) gegen einige Bullen geben werde. Ob das der Wahrheit entspricht oder nicht, wird man sehen.

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8 Gedanken zu „Hooligans in Uniform“

  1. der Bulle mit dem Pfefferspray auf dem Bild sieht schon so aus als ob er NPD wählen würde. Wie viele Problemfans gibt’s eigentlich bei der Polizei?

    1. Bei aller Skepsis gegenüber der Einstellung von solchen Polizisten, dieser Kommentar … Wenn das deine Art ist Menschen zu beurteilen bist du selbst näher am NPD-Wähler als du zu glauben scheinst.

      1. ok und anhand meines Kommentars kann man also einschätzen das ich generell Menschen anhand ihres Aussehens Kategorisiere, wow. Dann muss ich wohl lieber mal meine Frisur auf Trab bringen und in den nächsten Thor Steinar Laden gehen um deiner Einschätzung gerecht zu werden. *applaus*

  2. Dann heißt das in Zukunft Oberhooligan und Haupthooligan. Genial. Jeder blamiert sich so gut er kann.
    Wenn man Polizisten auf ihre Vorbildfunktion aufmerksam macht, starten manche einen auffälligen Aktionismus.
    Sind halt auch nur Menschen. Mal meh rund mal weniger intelligent.

  3. Das gleiche ist doch auch in Mannheim geschehen.
    Nur etwas größer das ganze.

    Kurden sollten um jeden Preis kriminalisiert werden.

  4. Lieber Problembürger,
    der da feststellt, dass „der Bulle mit dem Pfefferspray auf dem Bild sieht schon so aus als ob“.
    Gerade diese gefährliche Neigung zur Kategorisierung als Orientierung zur Meinungsbildung wird hier von Dir angewandt. Der Bulle sieht so aus als ob…
    Nach welchem Schema geht Polizei bei Routinekontrollen an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfe etc. vor? Dem Gleichen wie du. Wer etwas dunklere Haut hat, wird eher mal kontrolliert, bestimmte Gesichtszüge, kahler Schädel=wählt NPD.
    Wer kategorisiert, also die Dinge erst mal in Schubladen einordnen muss, bevor er sie wertet, der denkt nicht. Wie die meisten Uniformierten. Ein guter Soldat denkt nicht.
    Sicher würde dieser Pfefferspraybulle einen guten Nazi in einem amerikanischen Aktionfilm abgeben, aber wir sind doch nicht im Kino.
    Pass gut auf, nicht in das gleiche Schema zu fallen. Du machst es dir zu einfach. Diese Kategorisierung, das leichtfertige Richten über Menschen, die „aussehen wie…“ ist gefährlich. Und zwar für beide Seiten. Es gibt nicht nur Gute und Böse, die man auf Anhieb erkennen kann (kahler Schädel, dunkle Hautfarbe…). Es sind in der Geschichte furchtbare Dinge passiert, eben durch dieses fast zwanghafte Bedürfnis alles einordnen zu müssen, bevor dann nach Kategorien gerichtet oder beurteilt wird. So spart der Mensch sich das eigenständige Denken.
    Wie sagte es Einstein so schön: Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.

    1. omg übertreib es halt.
      Er hat lediglich auf den scheiss PsychoBlick von dem HooliBullen aufmerksam gemacht und meiner Meinung nach sieht der Junge auch aus als hätt er das Hirn voller Meth.
      Das ist kein politisches Manifest, sondern nur eine lustige Anmerkung, inmitten dieser Scheiss Situation.

      Stock ausm Ass und ACAB

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