Kiew: Machtkampf in der Übergangsregierung

In der Ukraine beginnen die schwelenden Konflikte innerhalb der „Übergangsregierung“ zu eskalieren. Innenminister Arsen Avakov lässt den Faschisten-Führer Alexander Muzychko erschiessen. Die Devise, nach der man handelt, lautet: „Gute“ Faschos kommen in die Regierung, „böse“ in den Straßengraben.

Ohne die militanten Faschisten vom Rechten Sektor, von C14, von UNA-UNSO, von den Vikings und all den anderen sich in die Tradition des Hitler-Kollaborateurs Stepan Bandera stellenden Kleingruppen wäre Julia Timoschenko noch im Knast und Vitali Klitschko müsste immer noch die anhängliche Präsenz des BILD-Analphabeten Paul Ronzheimer auf dem Maidan ertragen. Denn ohne die Eskalationsstrategie der seit Jahrzehnten mittels Wehrsportlager und Kriegsteilnahme auf jeder erdenklichen antirussischen Seite auf die „nationale Revolution“ vorbereiteten Truppen von Dimitrij Jarosch und Konsorten wäre die Schlagkraft der „Hundertschaften“ des Maidan wohl sehr überschaubar gewesen.

Also ging die neoliberal-chauvinistische Bourgeoisie, deren Hauptrepräsentantin, Julia Timoschenkos Allukrainische Vereinigung „Vaterland“ ist, die gerade den überwiegenden Teil der „Übergangsregierung“ stellt, ein Bündnis mit den offenen Faschisten von Swoboda bis Rechter Sektor ein.

Nach dem Sieg allerdings – das zeichnete sich schon vorher ab – würde es für diese Kräfte schwierig werden, die Macht friedlich untereinander aufzuteilen. Timoschenko, Klitschko und Poroschenko wollen eine möglichst rasche Wiederherstellung „normaler“ oligarchisch-kapitalistischer Verhältnisse, sie wollen zuverlässige Verhandlungspartner für ihre Freunde im Westen sein. Die Faschisten dagegen wollen bewaffnet bleiben und ihre „nationale Revolution“ fortsetzen. Teile von ihnen wollen gar nicht in die EU oder NATO – wie beispielsweise der Rechte Sektor, der – so der Führer Dimitrij Jarosch – im Westen nur ein „dekadentes“ von „Sodomie“ und „Werteverfall“ geprägtes Projekt sieht, das sich zudem unter der Herrschaft dunkler Gruppen (wen er da wohl mein?) befindet.

Dieser schwelende Konflikt ist mit dem heutigen Tag zum offenen Kampf eskaliert. Ein Sondereinsatzkommando des Innenministeriums hat einen der bekanntesten Kommandanten des Rechten Sektor, Alexander Musychko, erschossen, die Umstände sind immer noch ungeklärt. Einige Quellen reden von einer Hinrichtung, andere von einem Schusswechsel bei einer Razzia. Einige Kommentatoren sehen in dem Zugriff ein Zugeständnis an Russland, das Musychko wegen Folter und Mord an russischen Soldaten in Tschetschenien suchte, andere glauben an eine Direktive aus dem Westen, da der „Weiße Sascha“, so sein Kampfname, durch seine willkürlichen Gewaltaktionen und markig-antisemitischen Sprüche die neuen Machthaber in Kiew in Misskredit brachte.

Neben dem Angriff auf Musychko wurde auch der Chef des Rechten Sektors in Poltava festgenommen, Kräfte des Innenministeriums durchsuchten zudem das Büro der Nationalgarde in Kiew. In diese wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche faschistische Verbände integriert. Der Rechte Sektor schwor „Rache“ und erklärte dem amtierenden Innenminister Arsen Awakow den Krieg.

Offenkundig geht es darum, jene Fraktion der Faschisten auszuschalten, die sich nicht reibungslos in die neuen Verhältnisse einbinden lässt. Swoboda, der professionellere Teil der Faschisten, wird wohl in die Koalition integriert bleiben, der Rechte Sektor scheint nun offen auf Konfrontationskurs zu gehen. Dass es dabei nicht grundsätzlich gegen den extremen antirussischen Rassismus, Antisemitismus und Linkenhass der Faschos geht, zeigt sich, sieht man sich die neuesten Äußerungen Julia Timoschenkos an. In einem abgehörten Gespräch äußert sie – neben wüsten Beschimpfungen gegen Wladimir Putin und Russen im Allgemeinen – den Wunsch, die gesamte russische Minderheit in der Ukraine mittels Nuklearwaffen auszurotten.

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