Gezi will never end

19 Uhr Ortszeit am Taksim war angesagt. Die Forderungen waren dieselben, die bereits während der Gezi-Proteste im Mittelpunkt standen. Dass es keine Demo geben würde, schon gar kein friedliches Beisammensein auf dem zentralen Istanbuler Platz war klar. Hier gibt es kein Versammlungsrecht, jede Demo wird brutal angegriffen, und wenn sie sich nicht wehrt zerschlagen.

Das allerdings sollte heute nicht so richtig klappen. Zehntausende waren gekommen, viele von ihnen gut vorbereitet auf die Wasserwerfer- und Tränengasorgie, die zum Standardprogramm von Erdogans Hunden gehört.

Schon vor 19 Uhr geht es los. Zuerst auf der Istiklal, der großen Einkaufsmeile, die zu Taksim-Platz und Gezi-Park führt. Tausende Menschen sammeln sich, die Bullen greifen an, die Menge zerstreut sich in die kleinen und verzweigten Seitenstraßen, von wo aus die aktivsten Teile die Polizei mit Steinen, Böllern, Zwillen und Flaschen angreifen. Die Riot-Cops schießen willkürlich mit Plastikgeschossen, Tränengas, und wenn einer zur Hand ist, rückt der Wasserwerfer an.

Immer wieder entstehen kleinere brennende Barrikaden, der große Durchbruch gelingt noch nicht. Aus den Straßen, in denen die Bullen noch keine Sperren aufgebaut haben, strömen Menschen auf die Istiklal, dann – gegen 21 Uhr – gibt es ein bisschen Luft und es wird eine größere Barri errichtet. Gezi-Style. Eine Baustelle wird ausgeräumt, das Baugerüst, verstärkt mit Steinplatten und allem, was schwer ist, dient als Basis, darauf Holzplatten, Abdeckplanen.

Die Barri steht, sie ist hoch genug um dahinter in Deckung zu gehen. Tausende sind nun an einer Stelle, viele gut ausgerüstet. Es sind die jungen Aktivisten der militanten kommunistischen Gruppen, die hier ganz vorne kämpfen, MLKP, DHKP-C, PKK – alle sind sie da. Eine von ihnen kämpfen sich wieder einige dutzend Meter vor, die große Barri wird zum Teil verlegt, eine neue entsteht, direkt in Wurfweite von Wasserwerfer und Riotcops. Hunderte Steine prasseln auf die Bullen und den Wasserwerfer nieder. Der versucht die Menge zu zerstreuen, lange gelingt das nicht.

Dann, nach einer halben Stunde, greifen die Bullen massiver an. Jede Menge Tränengas, es wird zuviel, denn die Mehrheit der Kämpfenden hat keine Masken, und auch wenn sie lange mit Tüchern und Malox aushalten – ewig geht das nicht. Wir flüchten mit einigen anderen in ein Restaurant, drinnen ist soviel Gas, dass sich ältere Menschen und Kinder kaum noch auf den Beinen halten können.

Wieder draußen geht das Spiel weiter. In den Seitenstraßen kleinere Gruppen, die die Polizeisperren angreifen, die wiederum gehen mit wahlloser Gewalt gegen alles vor, was ihnen wie ein Demonstrant vorkommt. Es gibt viele Verletzte, wie viele kann im Moment noch kein Mensch sagen.

Kurz darauf verlagern sich die Auseinandersetzungen nach Cihangir, einem Kiez nahe dem Taksim. Auch hier wieder entschlossene Kämpfe, brutale Bullen. Jetzt, 23:30 Ortszeit ist noch kein Ende in Sicht. Zwar haben wir den Taksim und die Istiklal noch nicht – aber die Nacht ist noch jung. Weiter geht’s. bu daha başlangıç mücadeleye devam.

Hier noch ein paar Bilder, wir daten das bald mal up.

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